Werder Bremen Pechvogel Lukimya wird zum Vorbild

Bremen. Vor dem "Charakterspiel" beim Tabellennachbarn Düsseldorf wird ausgerechnet der zuletzt schwache Assani Lukimya zum Vorbild. Die übrigen Spieler sollen so furchtlos auftreten wie der Ex-Düsseldorfer, sagt Werder-Sportchef Eichin.
12.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Pechvogel Lukimya wird zum Vorbild
Von Olaf Dorow

Bremen. Wenn am 29. Spieltag der 14. der Bundesliga-Tabelle gegen den 15. spielt, dann ist die Lage ernst, sowohl beim 14. als auch beim 15. Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ist zwar eine Mannschaft, die von sich wusste, dass sie in dieser Saison höchstwahrscheinlich am Abstiegskampf teilnehmen wird. Aber sie büßte viel Selbstvertrauen ein zuletzt. Sie gewann sechsmal in Folge nicht, sie verlor wichtige Spieler durch Verletzungen, und zwei Profis verloren unter der Woche kurzzeitig komplett die Nerven. Sie prügelten sich im Training.

Um die Stimmung zu heben, wurden nun große Hebel angesetzt. Die "Toten Hosen" liefen am Mittwoch in der Kabine auf. "Bei Nudeln, Gulasch, Brokkoli mit Mandeln und Mozzarella-Tomaten-Pesto", wie der "Express" auflistete, saßen Deutschlands bekannteste Punkrocker mit den Fortunen im Besprechungsraum beisammen. Morgen wollen die "Hosen" auf der Tribüne anfeuern, und die Fortunen wollen es ihren berühmten Anhängern um Campino gleichtun – das Stadion rocken. Das Stadion ist seit Langem ausverkauft. Norbert Meier, Düsseldorf-Trainer mit Bremen-Vergangenheit, verriet dem "kicker", dass seine Jungs "wie Stehaufmännchen" seien.

Werder habe nun aber auch "Jungs, die den Druck annehmen können". Das sagte gestern in Bremen der Sportchef Thomas Eichin. Allerdings hat sein Vorgänger Klaus Allofs im letzten Sommer diese Mannschaft nicht mit Blick auf den Abstiegskampf zusammengestellt. Die Spieler würden nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen, räumte gestern Trainer Thomas Schaaf ein. Der letzte Werder-Sieg liegt noch weiter zurück als der vom morgigen Gastgeber. Vor allem aber: Es sind nicht mehr so viele Jungs da, die sich rein gesundheitlich überhaupt imstande sehen zu spielen. Clemens Fritz, Lukas Schmitz, Mehmet Ekici und Aleksandar Ignjovski fallen definitiv aus morgen.

Gestern ergänzte auch noch Aaron Hunt diese Liste. Der Mittelfeldspieler habe Fieber, und werde nicht mitkommen können nach Düsseldorf, berichtete Schaaf. Dazu kommen noch dicke Fragezeichen hinter Tom Trybull und Philipp Bargfrede. In Summe fehlen morgen womöglich sieben Profis, die zuletzt vorwiegend zur Startelf zählten. "Die Summe der Ausfälle begrenzt unser Spiel insgesamt", sagt Schaaf, "das nimmt uns Handlungsmöglichkeiten."

Was nun, SV Werder? Der Kapitän fehlt, der Vizekapitän fehlt auch. Zwei Linksverteidiger fehlen ebenfalls. Führungsspieler, die mit Erfahrung, Übersicht und Körpersprache Zeichen setzen, sind neben Abwehrchef Sokratis nicht so leicht auszumachen. Sokratis wird womöglich gar nicht im Abwehrzentrum, sondern auf der linken Seite gefragt sein. Fehlende Routine hatten Schaaf und Eichin zuletzt schon mehrfach thematisiert – noch bevor die routinierten Fritz und Hunt auf der Lazarett-Liste landeten.

Es ginge morgen in der großen Düsseldorfer Arena nicht darum, als Sprachrohr über den Platz zu rennen, sagt Thomas Schaaf. Sondern darum, "nicht nachzulassen". Der Trainer, der in dieser Saison so viel Kritik abbekommt wie selten zuvor in seinen fast 14 Werder-Jahren, erhebt Dortmunds Haltung am Dienstagabend zum Vorbild. Die Dortmunder hatten nach 82 Minuten gegen Malaga aussichtslos zurückgelegen. Doch sie gaben sich nicht auf – und schafften in der Nachspielzeit noch zwei Tore.

Auch die Haltung eines Werder-Spielers wurde gestern auf der allwöchentlichen Pressekonferenz zu einer Art Vorbild aufgewertet. Paradoxerweise war dieser Werder-Spieler jener ehemalige Düsseldorfer, der zuletzt die mit Abstand folgenschwersten Fehler beging. Innenverteidiger Assani Lukimya hatte zu allen drei Gegentoren gegen Mainz und Schalke unfreiwillig die Vorarbeit geleistet. Eichin lobte ihn gestern trotzdem. Er sagte: "Luki ist einer, der wieder aufsteht und sagt: ’Wir müssen jetzt den Hebel umlegen.’ Solche Jungs brauchen wir." Mit Mut müsse Werder spielen, das erläuterte Eichin sehr ausführlich. Lukimya selbst wollte sich gestern aber lieber nicht öffentlich äußern.

Nils Petersen sagte, dass angesichts der Ausfälle jetzt ja die Chance für andere da sei. Er erhob das Duell morgen zu einem "Charakterspiel". Alle müssten "kratzen, beißen, spucken", wofür keine fußballerische Qualität vonnöten sei. Sondern eine Haltung. Das Spiel ist fraglos sehr wichtig – und bietet immerhin eine verlockende Aussicht. "Wir müssen unbedingt punkten", sagt der wiedergenesene Zlatko Junuzovic, "wenn wir punkten, haben wir das Gröbste geschafft."

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+