Pokalerfolg gegen Würzburg Pflichtsieg mit Fragezeichen

Werder Bremen hat die Hürde Würzburger Kickers übersprungen und ist in die 2. Runde des DFB-Pokals eingezogen. Der souveräne 3:0-Sieg darf aber nicht über einige Bremer Schwächen hinwegtäuschen.
13.08.2017, 15:49
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Rommel

Werder-Trainer Alexander Nouri ließ seine Mannschaft in der gewohnten 3-1-4-2-Grundordnung und mit dem Personal aus dem Valencia-Testspiel auflaufen. Vor Torhüter Jiri Pavlenka verteidigten Robert Bauer, Lamine Sane und Milos Veljkovic (von rechts nach links) in der Dreierkette. Linksfuß Luca Caldirola blieb nur ein Platz auf der Bank.

Maximilian Eggestein spielte auf der Sechs, Jerome Gondorf und Thomas Delaney auf den Halbpositionen, Theo Gebre Selassie rechts und Ludwig Augustinsson links auf den Außenbahnen und wie erwartet Max Kruse und Florian Kainz als Bartels-Ersatz im Angriff.

Würzburgs Coach Stephan Schmidt wählte eine im Vergleich zu den Spielen in der 3. Liga etwas veränderte Grundordnung, das 4-1-4-1 sollte im Spiel gegen den Ball die nötige Kompaktheit im Mittelfeld gewährleisten.

Würzburg überließ Werder gerne den Ball, zog sich bis zur Mittellinie zurück und begann erst ab dieser Höhe mit einem zaghaften Anlaufen der Bremer Innenverteidiger. Im tiefen Mittelfeld- oder sogar Abwehrpressing schlug Schmidt so zwei Fliegen mit einer Klappe: Die theoretische Unterzahl im Mittelfeld wurde durch den Fünferblock ausgeglichen und durch die enge Staffelung und die Besetzung des Zwischenlinienraums vor der Abwehr durch Ioannis Nikolaou ein sehr enges Netz im Zentrum gesponnen.

Der Weg für den ballnahen äußeren Mittelfeldspieler nach hinten, um die Vierer- zu einer Fünferkette aufzufüllen, war entsprechend kurz. Schaffte Werder den Durchbruch über die Außen, rückte Nikolaou schnell in die Innenverteidigung mit ein und verstärkte das Zentrum bei Bremer Flanken.

Werder reagierte darauf mit zum Teil sehr hoch geschobenen äußeren Mittelfeldspieler, Gebre Selassie und Augustinsson teilweise auf einer Linie mit den Angreifern oder sogar höher. Auch einer der beiden Achter, meist Gondorf, rückte mit auf in den Angriff - dafür setzten sich Kainz und Kruse immer mal wieder ins Mittelfeld ab, um als Anspielstation zu fungieren.

Weil der Gegner weniger gegen den Ball als vielmehr bestimmte Zonen vor dem eigenen Tor verteidigte, hatte Werder einige Probleme, den Ball flüssig in die Übergangszone zu bekommen. Würzburg ließ Werders Innenverteidiger im Aufbau nahezu unbehelligt, die einzige Spitze Enis Bytyqi kümmerte sich stattdessen um Eggestein.

Da Werders Achter, vornehmlich Delaney, wie schon gegen Valencia zuletzt erst im Laufe der ersten Halbzeit Eggestein unterstützten und die Bälle tiefer abholten, kam Werder durch das Zentrum überhaupt nicht gefährlich vors gegnerische Tor.

Erst mit Delaneys Unterstützung und einigen sauber getimten Zuspielen des Dänen auf die Außen bekam das Bremer Spiel mehr Schwung. Die linke Angriffsseite mit Augustinsson war dabei aktiver, Gebre Selassie so etwas wie ein dritter Angreifer und Zielspieler für einige Diagonalbälle aus dem Zentrum. Nicht umsonst hatte der Tscheche die besten Chancen der ersten Halbzeit.

Werder besetzte zwar hohe, gefährliche Zonen, bekam den Ball aber kaum einmal kontrolliert in jene Bereiche. Die Zufuhr durchs Zentrum war abgeschnitten, Kruse und Kainz konnten sich nur selten wirklich aus den vielen Deckungsschatten der Gegner lösen. Und weil Bauer und Veljkovic zwar viele Ballkontakte, ihre Kernkompetenz aber nicht im Aufbauspiel haben, stockte das Bremer Offensivspiel auf zu vielen Ebenen.

Werders Qualitäten im Pressing wurden von Würzburg nur selten geprüft. Das Spiel mit dem Ball der Franken beschränkte sich zu großen Teilen auf hohe weite Bälle in die Spitze. Die oberste Devise, bloß kein Risiko zu gehen und so einfach wie möglich zu spielen, drückte sich hier besonders gut aus. Werder hatte mit dem verteidigen dieser „Variante“ keine Probleme, holte sich fast jeden Kopfball oder im Zweifel dann den zweiten Ball - weil Würzburg auch gar keine Anstalten machte, entschlossen nach vorne nachzurücken.

Lediglich nach einem verzögerten Umschaltmoment hatte Würzburg die einzige Chance des gesamten Spiels. Hier fehlte Werder gleich in einigen Szenen binnen weniger Sekunden die Entschlossenheit, um mit einer klaren Aktion für Ruhe zu sorgen.

Nach der Pause ging es im selben Trott so weiter - bis Veljkovic eine Flanke über den Schlappen rutschte. Die Führung veränderte schnell die Statik im Spiel. Würzburg griff nun früher an, rückte aber mit der letzten Linie nicht mutig nach. Die Folge waren größere Abstände zwischen Angriff und Abwehrlinie. Die Räume in diesem offeneren Spiel bespielte Werder gleich viel besser, erst Recht nach Würzburgs Umstellung auf ein 4-1-3-2.

Nouri reagierte zeitgleich mit der Einwechslung von Philipp Bargfrede für den leicht angeschlagenen Gondorf. Bargfrede rückte auf die Sechs, Eggestein übernahm Gondorfs Position.

Beim entscheidenden 0:2 halfen die Gastgeber kräftig mit, Nikolaous Fehlpass brachte Werder in die Umschaltbewegung, die Kruse nach Kainz‘ Flanke veredelte. Auch dem dritten Treffer ging ein böser Würzburger Fehler voraus, als Keeper Wolfgang Hesl Nikolaou in einen unnötigen Zweikampf gegen Eggestein schickte.

Insofern hat Werder einige Stärken der letzten Rückrunde hineingerettet in die neue Saison: Werder benötigte wenige Chancen und bestrafte die Fehler des Gegners mit kühler Effizienz. Es bleiben drei Tore und ein letztlich souveränes Weiterkommen im Pokal mit einer Mannschaft, die immer noch auf einige wichtige Spieler verzichten muss.

Es bleiben allerdings auch Fragezeichen: Pavlenkas tatsächliches Leistungsvermögen wurde von Würzburg nicht überprüft. Der Spielaufbau ohne den verletzten Niklas Moisander bleibt stockend und wie der lange unauffällige Kruse wirklich schon wieder in Form ist, konnte auch nicht ausreichend geklärt werden.

Die in diesem Spiel gegen einen Gegner mit guter Ordnung, aber unzureichender spielerischer Klasse gestellten Anforderung, ihn abseits kaum aussagekräftiger statistischer Werte wie Ballbesitz oder Ballaktionen auch wirklich zu dominieren, wurden nicht immer erfüllt.

Coach Nouri hatte angekündigt, das Ballbesitzspiel verbessern zu wollen. Mehr als ein paar Ansätze waren gegen Würzburg noch nicht zu sehen. Werder tut sich vielleicht immer noch leichter gegen Mannschaften, die selbst das Spiel machen wollen. Hoffenheim dürfte eine dieser Mannschaften sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+