Werder-Sportchef Pizarro ist Eichins Königstransfer

Natürlich war Claudio Pizarro am Montag der große Star. Aber die Rückkehr des Lieblingsstürmers vieler Bremer hat mindestens noch einen zweiten Gewinner: Werder-Sportchef Thomas Eichin.
08.09.2015, 00:00
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Pizarro ist Eichins Königstransfer
Von Marc Hagedorn

Die Pressekonferenz ging schon auf ihr Ende zu, da musste Thomas Eichin herzhaft lachen. Ihm war nämlich ein ziemlich guter Scherz gelungen, den auch die Journalisten, Fotografen und Kameraleute witzig fanden. Auf die Frage, ob sich Eichin mit der geglückten Pizarro-Verpflichtung jetzt nicht endlich die gewünschte Gehaltserhöhung und Vertragsverlängerung verdient habe, hatte Eichin verschmitzt lächelnd gesagt: „Jetzt ist keine Kohle mehr für meinen neuen Vertrag da.“

Natürlich war Claudio Pizarro am Montag der große Star. Aber die Rückkehr des Lieblingsstürmers vieler Bremer hat mindestens noch einen zweiten Gewinner: eben Thomas Eichin, der für die Teilnahme an der Pressekonferenz extra seinen Urlaub auf Sylt unterbrochen hatte. Seit Wochen verhandelt Eichin mit Werders Aufsichtsrat über einen neuen Vertrag, der aktuelle endet im Sommer 2016. Bisher haben beide Seite noch nicht zueinander gefunden, obwohl beide Seiten betonen, dass sie gern weiter zusammenarbeiten würden. Aber offenbar nicht um beziehungsweise zu jedem Preis.

Wiesenhof macht’s möglich

Dass das Geld für eine Eichin-Verlängerung nach der Pizarro-Unterschrift jetzt tatsächlich knapper geworden ist, stimmt nicht so ganz. Denn Werder finanziert das Gehalt des Stürmers zum Teil mit Hilfe seiner Sponsoren. Vor allem dem Haupt- und Trikotsponsor Wiesenhof dankte Eichin am Montag ausdrücklich. Außerdem wird sich allein über den Trikotverkauf und die gesteigerte öffentliche Wahrnehmung Werders die Verpflichtung Pizarros sehr schnell rechnen.

Überhaupt sind alle Beteiligten sehr bemüht, den Pizarro-Deal vom Eichin-Thema zu trennen. Eichin selbst sagte: „Es wäre schlimm, wenn meine Arbeit nur nach diesem Transfer bewertet würde.“ Eichins Verhandlungspartner Marco Bode äußerte sich gegenüber dem WESER-KURIER ähnlich: „Ich würde da keinen Zusammenhang herstellen. Ich sehe alle Transfers.“ Generell, so Bode, gilt nach wie vor: „Wir verhandeln mit dem Ziel, seinen Vertrag zu verlängern.“

Eichin zählt in der Fußball-Bundesliga unter den Geschäftsführern nicht zu den Großverdienern. Als er im Februar 2013 seinen Dienst bei Werder antrat, da war der Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach und des 1. FC Nürnberg rund 20 Jahre lang raus aus dem Fußballgeschäft gewesen. Da war seine Verhandlungsposition eher schwach, daran änderten auch seine 15 größtenteils erfolgreiche Jahre bei den Kölner Haien in der Eishockey-Bundesliga nichts. Es war eben Eishockey, nicht Fußball. Also fragte man sich: Kann der Mann auch Fußball-Bundesliga?

Heute, gut dreieinhalb Jahre später, muss man sagen: ja, er kann. Eichin hat viel bewegt bei Werder. Er hat die Personalkosten im Profikader drastisch gesenkt. In diesem Sommer ist er die letzte Erblast der Ära Allofs/Schaaf los geworden, nämlich Eljero Elia, der in seiner Zeit bei Werder viel gekostet, aber wenig geleistet hatte.

Tops und Flops

Eichins Transferbilanz ist dabei beileibe nicht makellos. Auch er lag mit der Verpflichtung von Spielern daneben. Allerdings: Cedrick Makiadi, der defensive Mittelfeldspieler des SC Freiburg, war ein Antrittsgeschenk für den damaligen neuen Trainer Robin Dutt. Luca Caldirola, aktuell nach einer bodenlos enttäuschenden zweiten Saison nach Darmstadt verliehen, war in seinem ersten Bremer Jahr Stammkraft. Einzig Ludovic Obraniak, für 1,5 Millionen Euro im Januar 2014 aus Bordeaux geholt, war eine Enttäuschung.

Die übrigen Transfers waren mindestens solide, manche sogar richtig gut. Etwa die Entdeckung von Franco Di Santo, den Eichin ablösefrei aus der Arbeitslosigkeit holte und vor wenigen Wochen für sechs Millionen Euro nach Schalke verkaufte. Einen fetten Gewinn machte Werder auch beim Verkauf von Davie Selke zu RB Leipzig (acht Millionen Euro). Di Santo und Selke sind dabei typisch für Transfers, wie Eichin sie bisher abgewickelt hat. Das hat er am Montag selbst noch einmal so geschildert. Er sprach von „Transfers, um eine Marktwertentwicklung zu haben“. Im Klartext: günstig einkaufen oder selbst ausbilden – und teuer verkaufen.

Der Pizarro-Deal sei dagegen „eine andere Art Verpflichtung“. Was wohl stimmt: Viel Geld lässt sich mit Pizarro, der nach Vertragsende im nächsten Sommer kurz vor seinem 38. Geburtstag steht, nicht verdienen. Aber darum ging es bei dem Werben um die Werder-Legende Claudio Pizarro ja von Anfang an nicht. Dieser Transfer ist besonders. Für viele Beteiligte.

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