Kohfeldts Pläne mit der Sturm-Legende

„Pizarro ist immer noch unglaublich“

Claudio Pizarro ist wohl der beste Fußballer in Werders Kader. Seine Extraklasse bewies der 40-Jährige auch im Trainingslager. Florian Kohfeldt schwärmt und freut sich auf weitere Pizarro-Momente.
02.08.2019, 14:58
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer
„Pizarro ist immer noch unglaublich“
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Diese eine Szene sagte mehr aus als tausend Worte. Nach einem schönen Pass in die Tiefe lief Claudio Pizarro im Werder-Training in Grassau alleine auf den Torwart zu und lupfte den Ball ganz lässig mit links über den Torwart hinweg in die lange Ecke. Ein Traumtor. „Den Ball hat Claudio so über den Torwart gechipt, wie es wahrscheinlich kein anderer Spieler in der Bundesliga machen kann“, schwärmt Florian Kohfeldt. „Und dann“, so erzählt es der Trainer, „sagt Claudio im Zurücklaufen zu Milot Rashica: See – and learn!“

Kohfeldt mag diese Szene. Sie ist perfekt. Weil sie den Torjäger und das Vorbild Claudio Pizarro vereint. „Claudio nimmt seine Rolle ernst, er ist immer dabei, mit den Jungs auf seine Art zu reden“, weiß Werders Chefcoach, „und das ist tausendmal mehr wert, als wenn ich als Trainer sagen würde: Schaut mal, wie der Pizarro das macht. Es ist viel besser, wenn der Pizarro selbst sagt: Jungs, guckt mal und fragt mich, wenn ihr was wissen wollt.“

Diese Vorbildrolle für jüngere Spieler sei der eigentliche Hauptaspekt bei Pizarros Verpflichtung gewesen, sagt Kohfeldt mit Blick auf den vergangenen Sommer, als Werder die Sturm-Legende nach einem schwachen Jahr beim 1. FC Köln ablösefrei zurückholte. Doch statt eines verkappten Stürmertrainers bekam Werder einen Fußballer der Extraklasse hinzu, der weitgehend gesund blieb, Tore schoss und die Fans in 27 Einsätzen begeisterte. Dieser sportliche Mehrwert kam für Werder plötzlich irgendwie dazu, geplant war das so nicht. Und Kohfeldt staunt immer noch über den bald 41-jährigen Angreifer: „Ich muss einfach sagen, dass er nach wie vor unglaublich gut ist.“

Das bewies Pizarro auch in der bisherigen Vorbereitung. Vergangenen Sommer stieß er erst sehr spät zum Team, diesmal machte er beide Trainingslager mit. Kohfeldt scherzte deshalb nach den intensiven Tagen in Grassau, „dass Claudio jetzt doppelt so gut ist“. Aber es stimmt schon: Pizarro wirkt durchtrainiert und angriffslustig. „Er macht einen sehr guten Eindruck“, lobt Kohfeldt zwei Wochen vor Saisonstart, „sehr frisch, sehr agil. Er hat sich nicht verändert. Er ist gesund, er bewegt sich gut. Er kann gerne so bleiben. Er ist wirklich nach wie vor ein Typ, der sich in den Zwischenräumen gut bewegt und auch in die Box nachgeht.“ Deshalb sieht der Trainer keinen Grund, seine Pläne mit Pizarro in der neuen Saison zu modifizieren: „Wenn er gesund bleibt, wird Claudio wieder einer der Spieler sein, die für uns ein Spiel verändern können. Daran hat sich durch diese Sommerpause nichts verändert. Und ich betone: Das ist nichts Selbstverständliches. Das ist weit mehr, als wir bei seiner Verpflichtung damals erwartet hatten.“

Pizarro soll deshalb eine ähnliche Rolle spielen wie in der vergangenen Saison, als es regelmäßig im Laufe der zweiten Halbzeit bei seinen Einwechslungen magische Momente gab. Die Fans flippten aus, das Stadion tobte, der Gegner wirkte verunsichert – und Werder konnte so manche Partie plötzlich noch wenden. Pizarro soll auch nun wieder „in hoher Regelmäßigkeit jemand sein, der in der 60. oder 70. Minute reinkommt und noch einmal ein Spiel verändert“, kündigt Kohfeldt an, „und das auf einem Level, das für uns unglaublich gut ist. Das ist einfach ein Riesen-Bonus, dass wir dann so einen Spieler auf dem Platz haben.“

Unter normalen Umständen sei Pizarro wie im Vorjahr kein Startelfkandidat, auch wenn es aus taktischen Gründen wieder Ausnahmen geben könnte. Kohfeldt: „Es hängt alles auch von der Gesundheit ab, die war vergangene Saison Claudios großes Plus: Er hatte nur eine kleine Verletzung, ansonsten hat er durchtrainiert.“ Neben den magischen Momenten geht es ab dem 1. Spieltag auch um eine magische Zahl: Pizarro fehlen nämlich nur noch drei Törchen, um auf die unfassbare Zahl von 200 Bundesligatreffern zu kommen…

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