Werder Bremen gegen Bayern München Pizarro steht heute im Blickpunkt

Bremen. Unter besonderer Beobachtung steht heute im Heimspieln Claudio Pizarro. Sein möglicher Wechsel zum heutigen Gegner Bayern München ist zwar noch nicht offiziell, doch hat Klaus Allofs mit dem Thema offenbar schon abgeschlossen.
21.04.2012, 05:00
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Pizarro steht heute im Blickpunkt
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Unten an der Rampe zum Weserstadion steht eine Litfasssäule, auf der seit Monaten dieses Plakat klebt. Es stammt aus der Serie "Ich will dich", mit der Werder schon lange um Mitglieder wirbt, und es zeigt das großformatige Konterfei Claudio Pizarros. Was sich die Bayern wohl denken mögen, wenn sie heute Mittag auf ihrem Weg ins Stadion daran vorbeikommen?

Es ist eine rhetorische Frage, sicherlich, aber in der Causa Pizarro gibt es zurzeit außerordentlich viel Rhetorik. Abwehrrhetorik vor allem, nachdem am Donnerstagabend der "Münchner Merkur" die bundesweite Sportmedienlandschaft aufgeschreckt hatte mit der Nachricht: "FC Bayern: Alles klar mit Pizarro". Erst meldete sich Werder-Chef Klaus Allofs ("Davon weiß ich nichts"), dann der FC Bayern via Vorstand Karlheinz Rummenigge ("Die Meldung ist definitiv falsch") und Pressechef Markus Hörwick ("Es gibt keinen Vertrag, es hat keine Gespräche gegeben"). Gestern Nachmittag legte Pizarro selbst nach. "Ich habe mich noch nicht entschieden", sagte er gegenüber unserer Zeitung.

So hätte die Spekulation aus der Welt sein sollen. Doch sie bleibt. Denn die Bayern verzichten darauf, klar zu dementieren, was sie doch so leicht könnten. Etwa in der Form, dass man an dem Peruaner gar nicht interessiert sei. Die Diskussion wäre damit erstickt. Statt dessen ließ sich Trainer Jupp Heynckes gestern gar ein "Vielleicht" entlocken, als er gefragt wurde, ob Pizarro wieder für den neuen Vizemeister spielen könnte.

Tatsächlich ist es so, dass ein Abschied aus Bremen beschlossene Sache zu sein scheint. So hat Werder seinem Top-Stürmer und -Verdiener zwar ein letztes Vertragsangebot über zwei Jahre vorgelegt. Gleichwohl baut Klaus Allofs aber schon vor, um einen Abschied des 33-Jährigen in wohlfeile Worte zu kleiden. Man müsse das so sehen, sagt der Bremer Klubchef: "Claudios Entscheidung für Werder vor vier Jahren, das war schon eine außergewöhnliche Entscheidung". Wenn er nun Werder verließe, wäre das zwar schade, findet Allofs. Aber "dann muss man sich damit abfinden. So etwas ist doch keine Niederlage für Werder Bremen. Wenn ich die ganze Geschichte Claudio Pizarro sehe, dann ist das ein riesiger Erfolg von Werder Bremen". Aus diesen Worten spricht eher die Einsicht, Unabwendbares hinnehmen zu müssen, als die realistische Hoffnung, drohendes Schicksal noch abzuwenden. Ob es dann der FC Bayern wird? Geschenkt. Tatsache ist, dass die Transferphantasie im Fall Pizarro einzig diesen einen Klub aus dem Süden kennt.

"Das sind doch alles nur Spekulationen", hat Thomas Schaaf gestern über die, ja, Spekulationen um seinen besten Angreifer gesagt. Und, ja, gesteht Werders Chefcoach ein, "sicherlich interessiert es mich", wie es um die berufliche Zukunft des Peruaners bestellt ist. "Aber mehr", sagt Schaaf, ganz Trainer, "interessiert mich das nächste Spiel."

Dass der heutige Auftritt der Bayern im Weserstadion nun von den Spekulationen um Claudio Pizarro überlagert wird, dürfte Schaaf so ungelegen nicht kommen. Sie lenken etwas ab von der prekären sportlichen Ausgangssituation - Werder leistet kaum weniger als einen personellen Offenbarungseid, forciert durch die vielen Verletzungen und drei Sperren. "Uns stehen einige Positionen nicht zur Verfügung", weiß Schaaf, "aber ich denke, dass wir einen Kader haben, um jede Position zu bestücken."

Mit anderen Worten: Der Trainer ist stellenweise auf fachfremdes Personal angewiesen, wie auf der Rechtsverteidigerposition und vor der Abwehr. So testete Schaaf im gestrigen Abschlusstraining Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic als Rechtsverteidiger. Der Österreicher staunte nicht schlecht: "Ich habe das noch nie in meinem Leben gespielt. Da hat man ja gut zu tun."

Fix besetzt ist dagegen die Offensive. Neben Markus Rosenberg spielt natürlich Claudio Pizarro. Auch er muss morgen auf dem Weg zum Arbeitsplatz Weserstadion an jener Litfasssäule mit seinem Konterfei vorbei. Ob er sich etwas dabei denkt?

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