Vor dem Nordderby Werder - HSV Plätze im Kader sind knapp

Bremen. Vor dem Vergleich mit dem HSV muss Werder-Trainer Thomas Schaaf unbequeme Entscheidungen treffen. Da alle Profis gesund verfügbar sind, muss er heute bei der Nominierung des Kaders auf einen Spieler verzichten.
31.08.2012, 05:00
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Plätze im Kader sind knapp
Von Oliver Matiszick

Bremen. Vor dem emotionsgeladenen Vergleich mit dem Nordrivalen Hamburger SV muss Werder-Trainer Thomas Schaaf unbequeme Entscheidungen treffen. Da ihm alle Profis gesund zur Verfügung stehen, wird er heute bei der Nominierung des Kaders auf einen Spieler verzichten müssen, der damit nicht rechnet. Die Kandidaten heißen Ekici, Bargfrede oder Füllkrug.

Zumindest auf dem Papier herrscht Gleichstand in diesen Tagen vor dem 97. Nordderby. Weil Werder und der Hamburger SV, die ewigen Rivalen, gleichermaßen bescheiden in die neue Saison gekommen sind. Hier wie dort setzte es in der ersten Runde des DFB-Pokals ein überraschendes 2:4 gegen einen unterklassigen Gegner.

Hier wie dort ging dann gleich auch noch der Bundesligaauftakt verloren. Papier, das muss in diesem Zusammenhang gesagt werden, ist geduldig. Denn so identisch sich die Ausgangslage vor dem Duell morgen im Weserstadion gestaltet, so unterschiedlich ist das Stimmungsbild in beiden Lagern. Aufbruchstimmung hier, Anzeichen von Panik dort. Weil auch die Probleme der beiden Vereine in diesen Tagen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während die Bremer nach dem Auftritt von Dortmund darauf brennen, eine gute Leistung dieses Mal auch mit dem passenden Ergebnis zu veredeln, herrscht beim HSV die Sorge, dass das 0:1 im Heimspiel gegen Nürnberg nur der Anfang war. Dazu zermürbt den Klub und sein Umfeld die Ungewissheit um die ersehnte Rückkehr von Rafael van der Vaart – die Hamburger würden zwar zwölf Millionen Euro für den vermeintlichen Heilsbringer zahlen, Tottenham beharrt allerdings auf seiner Forderung von 18 Millionen.

Angesichts des Hamburger Katzenjammers blieben bisher selbst die verbalen

Nicklichkeiten und Störfeuer aus, die im Normalfall zur Folklore eines jeden Nordderbys gehören. "Das Spiel gegen uns stand dort nicht so im Vordergrund, es gibt andere Probleme in Hamburg", hat Werder-Chef Klaus Allofs dann auch beobachtet, "und hier in Bremen gehen wir das Thema ohnehin gelassener an."

Sie können es auch deshalb, weil Trainer Thomas Schaaf aktuell vor allem ein Luxusproblem hat. Denn im Gegensatz zu den von langfristigen und häufigen Verletzungen geprägten Vorjahren, in denen er oft genug nicht mal den üblichen 18-köpfigen Kader für eine Partie zusammenbekam, stehen ihm nun alle Mann zur Verfügung. Selbst bei Abzug der Perspektivspieler bleibt ihm eine Kerngruppe von 22, 23 Profis – sowie die Gewissheit, dass er unbequeme Entscheidungen treffen muss. "Aber es ist mir doch lieber, ich muss diese Wahl treffen, als dass ich die Konkurrenz nicht aufrechterhalten kann", sagt Schaaf.

Nur: Dieses Mal wird zwangsläufig auch ein Profi auf der Tribüne Platz nehmen müssen, der damit nicht rechnen wird. Denn schon gestern hat sich Schaaf festgelegt, dass Neuzugang Joseph Akpala am Wochenende zu den 18 Kandidaten gehören wird: "Er wird sicherlich im Kader sein." Im Umkehrschluss bedeutet es, dass dafür einer aus dem Aufgebot der vergangenen Woche Platz machen muss. Von denen, die beim Dortmund-Spiel als Ersatz auf der Bank saßen, kommen dafür im Prinzip nur Mehmet Ekici, Philipp Bargfrede oder Niclas Füllkrug infrage. Also zwei etablierte Spieler sowie ein Jungprofi, der in der Vorbereitung zu den Besten gehörte – einer von ihnen könnte unversehens der Streichkandidat werden. Keine leichte Aufgabe also für Schaaf. "Damit muss ich doch immer leben, dass ich vor die Situation gestellt bin, zu sagen: Du darfst, du darfst nicht", sagt der Trainer, "aber für diese Entscheidungen bin ich da."

Dass er das Opfer dieser Entscheidung sein könnte, mag Niclas Füllkrug indes nicht glauben. "Ich bin gespannt", sagt der Angreifer mit Blick auf die Nominierung heute, "aber ich habe eigentlich keine Sorgen." Sollte es ihn aber doch treffen, "wäre das hart und, ich glaube, auch nicht unbedingt berechtigt", sagt er.

Der von Werder erhoffte Effekt hat sich auf jeden Fall schon einmal eingestellt: Der Konkurrenzkampf um die einzelnen Positionen ist groß, die Motivation entsprechend hoch. "Die Trainingswoche war sehr intensiv", sagt Verteidiger Sebastian Prödl, "jeder will im Nordderby dabei sein, jeder ist extrem gewillt, in der Startelf zu stehen. Das kann uns helfen." Die Beweisführung startet morgen, 15.30 Uhr im Weserstadion.

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