Zurückgeblättert: 24. Januar 1964

„Platz im Neckar-Stadion unbespielbar“

Seit 1963 spielt Werder in der Bundesliga, mehr als fünf Jahrzehnte, in denen sich im Fußball, bei Werder und in der Berichterstattung viel verändert hat. Mein Werder zeigt die Originaltexte und Zeitungsseiten.
24.01.2019, 08:45
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Von mw

Der WESER-KURIER schrieb am 24. Januar 1964:

Auch am dritten Spieltag der Rückrunde wird es in der Bundesliga voraussichtlich kein volles Programm geben. Es ist nämlich nicht damit zu rechnen, daß am Sonnabend im Neckar-Stadion das Treffen VfB Stuttgart gegen Werder Bremen angepfiffen wird. Eine Kommission hat den Platz gestern nachmittag besichtigt und fand ihn mit einer dicken Eisschicht überdeckt. Darunter ist der Boden noch etwa 40 Zentimeter tief geforen, so daß sich günstigere Aussichten auch dann nicht ergeben würden, wenn ein Wetterumschlag einsetzt Die Meteorologen haben mildere Temperaturen vorausgesagt. Gestern wurden in Stuttgart noch einige Grade unter dem Gefrierpunkt gemessen.

Die endgültige Entscheidung fällt erst heute im Laufe des Vormittags, doch in Stuttgart glaubt niemand, daß das Stadion bis Sonnabend in einigermaßen guter Verfassung ist. Sowohl das Sportamt als auch Trainer Baluses sind pessimistisch: „In so kurzer Zeit kann ein stark vereister Platz nicht bespielbar werden.„ Dabei haben die Stuttgarter jede Möglichkeit genutzt, um den Platz bespielbar zu machen. Schon am Montag haben sie sich beispielsweise an den 1. FC Nürnberg gewandt, der angeblich ein „Wundermittel“ haben sollte. Mit diesem amerikanischen Streupulver wurden denn auch in Stuttgart Versuche unternommen, doch ein großes Spielfeld läßt sich eben nicht so leicht auftauen wie ein Gartenweg. Außerdem ist nicht bekannt, ob das Streupulver den Rasen unbeschädigt läßt. Da der Erfolg nicht gewährleistet war und die erforderlichen 10 000 Kilogramm des Pulvers einen Batzen Geld gekostet hätten, wurde eine amerikanische Auftaumaschine herangeholt, die jedoch alsbald streikte.

Fällt das Spiel aus, woran nicht gezweifelt wird, wären wahrscheinlich weder der VfB Stuttgart noch der SV Werder besonders traurig darüber. Zwar hätte die Bremer Elf mit Klöckner antreten können, aber Schimeczek würde ebenso fehlen wie Meyer, der sich im Training leicht verletzt hat. Die Stuttgarter hätten weder Stopper Sieloff noch Rechtsaußen Geiger dabei. Außerdem hat die VfBMannschaft in dieser Woche nur ungenügend trainieren können, weil ihr keine Halle zur Verfügung steht und die Trainingsplätze stark vereist sind.

Es bleibt abzuwarten, ob die Bodenverhältnisse in den anderen Stadien besser sind. Im Blickpunkt stehen diesmal zwei westdeutsche Plätze: Der 1. FC Köln, in der Rückrunde noch ohne Sieg, erwartet den offenbar stärker gewordenen TSV 1860 München, und Borussia Dortmund muß sich mit Schalke 04 auseinandersetzen. Die Kölner wissen, was für sie auf dem Spiel steht. Wenn sie nicht gewinnen, ist ihre führende Stellung ernstlich bedroht, zumal sie eine Woche später in Gelsenkirchen antreten müssen. Es bleibt abzuwarten, ob die Münchner Elf Kraus gleichwertig ersetzen kann, der am letzten Sonnabend einen Platzverweis erhielt und damit automatisch gesperrt ist. Schon fünf Jahre ist es hier, seitdem Schalke 04 in Dortmund ein Sieg gelang. Die Dortmunder gelten im Westen auch diesmals als Favorit, zumal wieder Tilkowski im Tor steht.

Mit einem Spielausfall ist auch in Kaiserslautern zu rechnen, wo der Platz, ähnlich wie in Stuttgart, mit einer Eisschicht bedeckt ist. Auch hier soll erst heute entschieden werden, ob die Begegnung gegen Hertha BSC Berlin stattfindet. Besser sieht es in Nürnberg aus, wo der 1. FC die Frankfurter Eintracht erwartet, die zwar in der ersten Serie unterlag, mittlerweile aber stärker geworden ist. Vor einem sicheren Sieg steht der HSV, denn die Abwehr des Karlsruher SC dürfte auch dann nicht standhalten, wenn Paul wieder das Tor hütet. Als zweiter norddeutscher Verein hat Eintracht Braunschweig Heimrecht. Im einzigen Flutlichtspiel des Tages rechnen die Niedersachsen mit einem Erfolg über den 1. FC Saarbrücken, der allerdings seine besten Leistungen auswärts zu vollbringen pflegt. Auch der Meidericher SV ist nicht in Gefahr, denn Preußen Münster, in zwölf Spieltagen nacheinander ohne doppelten Punktgewinn, muß mit mehrfachem Ersatz antreten.

Das Programm (in Klammern die Ergebnisse der Vorrunde): 1. FC Köln — 1860 München (3:1), Borussia Dortmund — Schalke 04 (1:3), Meidericher SV — Preußen Münster (2:4), 1. FC Nürnberg — Eintracht Frankfurt (3:2), Hamburger SV — Karlsruher SC (4:0), 1. FC Kaiserslautern — Hertha BSC Berlin (2:2), VfB Stuttgart — Werder Bremen (2:2), Eintracht Braunschweig — 1. FC Saarbrücken (2:2).

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

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