Johannes Eggesteins besondere Ehre Plötzlich Kapitän

Johannes Eggestein trägt neuerdings die Armbinde der deutschen U21-Nationalmannschaft. Das ist in erster Linie ein großes Zeichen der Anerkennung für ihn selbst - aber auch für Werder im Allgemeinen.
12.09.2019, 09:47
Lesedauer: 3 Min
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Plötzlich Kapitän
Von Malte Bürger

Es ist erst wenige Wochen her, da war Johannes Eggestein EM-Tourist. Ein ziemlich glücklicher zwar, doch das große U21-Turnier spielten eben andere. Sein Bruder Maximilian zum Beispiel. Oder weitere namhafte Bundesligaprofis wie Jonathan Tah, Mahmoud Dahoud oder Luca Waldschmidt. Doch mittlerweile ist alles anders: Nach dem Vizetitel folgte der Neustart des Teams – und Johannes Eggestein ist eine zentrale Figur dabei.

„Bei der Europameisterschaft war ich fast der Jüngste. Und nicht mal ein halbes Jahr später bin ich auf einmal einer der Älteren“, sagte Eggestein kürzlich in einem Interview auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Natürlich ist das ein krasser Wechsel, aber dem muss und möchte ich mich stellen. Und ich will Verantwortung übernehmen.“

Nächster Schritt der Emanzipation

Dieses Vorhaben allein hätte schön als Aufgabe genügt, doch Bundestrainer Stefan Kuntz sorgte noch für einen zusätzlichen Bonus. Johannes Eggestein trägt neuerdings die Kapitänsbinde. Nicht nur im Test gegen Griechenland war das so, sondern nun auch im ersten Qualifikationsspiel für die nächste EM gegen Wales. Ein Umstand, der nicht nur dem Spieler selbst, sondern auch Werder gut zu Gesicht steht. Trainer Florian Kohfeldt hatte erst kürzlich gesagt: „Aus Trainersicht weiß ich: Kapitän wird man nicht so nebenher, du gibst niemandem die Binde aus Zufall. Es steckt immer etwas dahinter.“

Und hinter Johannes Eggestein steckt eine ganze Menge. In Bremen ist er dabei, sich immer weiter zu emanzipieren. Die neue Saison hat kaum begonnen, da scheint der 21-Jährige direkt den nächsten Karriereschritt zu machen. Gegen Düsseldorf traf er, gegen Hoffenheim sah er nach einer überflüssigen Aktion Gelb-Rot. Freud und Leid lagen also dicht beieinander – hilfreich werden beide Erlebnisse fraglos für die weitere Entwicklung sein.

Vorbildliches Verhalten

Der Junioren-Nationalspieler hat es geschafft, dass Florian Kohfeldt bei der Suche nach der richtigen Aufstellung nicht irgendwann später an ihn denkt, sondern stets schon sehr früh. Oft ist Eggestein ein Kandidat für die Startelf, weil er Qualitäten mitbringt, die andere nicht haben. Er ist kein klassischer Strafraumstürmer mehr, dem ein enormes Talent bescheinigt wird, sein unvergleichliches Näschen für spezielle Situationen hat er aber auch durch die Umschulung zu einem kompletteren Akteur nicht verloren.

Darüber hinaus ist sein Auftreten weit davon entfernt, dem eines abgehobenen Jungprofis zu entsprechen. Das weiß Florian Kohfeldt zu schätzen – und der Bundestrainer der deutschen U21 dürfte es ebenfalls tun. „Dass Stefan Kuntz Johannes in den ersten beiden Spielen nach der EM vorerst zum Kapitän gemacht hat, freut mich sehr und ist ein Zeichen für die tolle Entwicklung, die Jojo in letzter Zeit genommen hat„, sagte Werders Sportchef Frank Baumann auf Nachfrage. “Außerdem ist es auch eine besondere Wertschätzung für sein Verhalten außerhalb des Platzes.“

Traum von Olympia

In Wales glänzte Eggestein beim 5:1-Kantersieg mit einem wunderschönen Kopfballtreffer zum zwischenzeitlichen 4:0 auch auf dem Rasen. Ein schöner Nebeneffekt, doch als Kapitän muss er sich nun längst nicht mehr an Toren messen lassen. Er darf andere Ziele haben. Und bald vermutlich eine Reihe seiner Träume realisieren. „In erster Linie möchte ich eine gute Qualifikation mit der U 21 spielen, so dass wir uns für die Europameisterschaft in zwei Jahren qualifizieren“, sagte er und fügte lachend an: „Und dann haben wir ja noch so einen kleinen ,Zwischenstopp‘, der dann in Tokio bei den Olympischen Spielen erfolgt. Da will ich natürlich auch gern dabei sein - genau wie bei der Europameisterschaft.“ Und wenn alles gut läuft, trägt er auch dann die Binde am Arm. „Es erfüllt mich mit Stolz, Kapitän der deutschen U21 zu sein“, sagte Johannes Eggestein gegenüber dem WESER-KURIER. „Auch wenn es natürlich erst einmal nur für diesen Lehrgang war. Klar würde ich mich freuen, wenn ich es auch in Zukunft sein dürfte, aber da gibt es noch keine endgültige Entscheidung.“

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