Werder verliert mit 0:2 in Frankfurt Pokal-Aus mit bitterem Beigeschmack

Es ist nicht die Saison von Werder Bremen: Nach den Rückschlägen in der Bundesliga setzte es nun auch im Pokal einen fiesen Hieb. Denn ein sehr umstrittener Handelfmeter warf das Team in Frankfurt früh zurück.
05.03.2020, 07:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Bähr

Auf den ersten Blick sah es ganz gut aus, denn endlich mal wieder konnte Werder Bremen mit der bestmöglichen Startelf in ein wichtiges Spiel gehen. Doch auch das reichte nicht, um im DFB-Pokal eine weitere Runde zu überstehen. Durch eine 0:2-Niederlage verpasste die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt bei Eintracht Frankfurt den erneuten Einzug ins Halbfinale. Und der Fußball und sein ganzes Drumherum meinen es weiter nicht gut mit Werder: Nach der Spielabsage am vergangenen Sonntag in der Bundesliga gegen Frankfurt erwischte es Werder diesmal per Video-Schiedsrichter, denn ein höchst umstrittener Handelfmeter brachte die Bremer an diesem Pokalabend unglücklich auf die Verliererstraße. Ein Pokal-Aus mit bitterem Beigeschmack, zumal sich Ömer Toprak gegen Ende des Spiels auch noch durch ein übles Foul verletzte.

Dabei wäre nach den Eindrücken der ersten 40 Minuten durchaus mehr für Werder möglich gewesen. Denn weil beide Mannschaften am Wochenende aufeinander verzichten mussten, lieferten sie sich nun im Pokalspiel in Frankfurt ein umso intensiveres Duell. Die erste Halbzeit bot gleich mehrere besondere Momente. Zunächst hatte Maximilian Eggestein Glück, als er früh gefoult wurde und mit starken Schmerzen liegen blieb, aber nicht verletzt ausgewechselt werden musste. Er biss auf die Zähne und kämpfte sich zurück ins Spiel. Dann hatte Vogt nicht weniger Glück, als er bei seinem ersten Spiel nach der Verletzungspause im eigenen Strafraum über den Ball trat, Frankfurts Angreifer in dieser Situation aber nicht zum Abschluss kamen. Das sollte es aber gewesen sein mit dem Glück auf Bremer Seite.

Video-Schiri aus dem Nichts

Die beste Chance aus dem Spiel heraus für die Eintracht im ersten Durchgang hatte Martin Hinteregger, dessen Drehschuss aus 18 Metern das Tor knapp verfehlte (33.). Für Werder hätte Davie Selke in der 35. Minute beinahe die Führung erzielt, aber Nationaltorhüter Kevin Trapp parierte seinen Kopfball sicher. Eine unschöne Szene bot Selke allerdings auch, als er sich vor dieser Szene in einem Laufduell mit Abraham viel zu theatralisch fallen ließ und so den Freistoß herausholte, der überhaupt erst zu dieser Großchance führte. Sechs Minuten später hätte Eggestein fast sein erstes Saisontor erzielt, doch nach seinem Fernschuss parierte Trapp erneut mit großer Klasse. Diese beiden Bremer Chancen bereitete der wie aufgedreht spielende Leonardo Bittencourt vor.

Und dann passierte es: Beide Teams warteten nach einer intensiven Hälfte im Grunde nur noch auf den Pausenpfiff, als Schiedsrichter Felix Zwayer das Spiel plötzlich unterbrach. Nicht etwa wegen irgendeines Spruchbandes, sondern weil sich aus dem Kölner Keller der Videoassistent gemeldet hatte. Kein Mensch im Stadion hatte etwas bemerkt von der Szene, die das Spiel abrupt verändern sollte. Zwayer schaute sich auf dem Monitor am Spielfeldrand eine Aktion an, die auf den ersten Blick belanglos wirkte. Doch bei genauerer Betrachtung war Ludwig Augustinsson bei einem Luftduell mit der Hand am Ball gewesen, und das erstens sehr deutlich über dem Kopf und zweitens mitten im eigenen Strafraum. Die Konsequenz: Elfmeter für Frankfurt!

Eine völlig unnötige Armbewegung von Augustinsson war das gewesen, viel zu riskant in einer Szene, in der sonst nie und nimmer etwas passiert wäre. Frankfurts André Silva nahm das Geschenk gerne an und verwandelte nach langen Diskussionen zur 1:0-Führung. Inzwischen schrieb man schon die Minute 45+6, als der Ball im Netz zappelte – und Werder kassierte so kurz vor der Halbzeitpause nicht nur das bittere Gegentor, sondern auch noch zwei Gelbe Karten, für Bittencourt und Kohfeldt. Beide hatten Zwayer mal kurz die Meinung gegeigt. Denn der Strafstoß mag zwar regelkonform gewesen sein, er entsprach aber in keinster Weise dem, was so einen Pokalabend eigentlich ausmachen sollte. Das Tor war weder herausgespielt noch irgendwie erzwungen worden, es wirkte überreguliert und kam völlig aus dem Nichts. Das war heftig für Werder. Zumal man lange darüber streiten kann, ob hier eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorlag, die aus dem Kölner Keller korrigiert werden musste; Zwayer hatte die eher harmlose Szene im Spiel nicht bemerkt.

Toprak wieder verletzt

Kaum wurde nach der Pause wieder angepfiffen, wurde auch schon wieder abgepfiffen. Diesmal wegen ausschweifender Pyrotechnik der Werder-Anhänger. So dauerte es eine Weile, bis wieder Fußball gespielt werden konnte. Bremen musste nun mehr riskieren, um den Ausgleich zu schaffen. So boten sich Frankfurt die Räume zum Kontern. Werder war dem nicht gewachsen, und so erhöhte Kamada bereits nach 60 Minuten nach einem der zahlreichen Frankfurter Tempoangriffe auf 2:0. Die Vorentscheidung im ausverkauften Frankfurter Tollhaus. Besonders Bitter: Kurz vor Schluss wurde Toprak von Filip Kostic so brutal in die Wade getreten, dass er von Sanitätern vom Feld getragen werden musste. Der Frankfurter Übeltäter sah dafür die Rote Karte. Und Werder droht erneut ein längerer Ausfall von Toprak.

So gelang den Bremern nicht erneut der Einzug ins Halbfinale. Und auch die emotionale Wende dieser Saison, auf die Sportchef Frank Baumann durch einen Sieg an diesem Pokalabend gehofft hatte, blieb damit aus. Alle Bremer Blicke richten sich nun trotzdem nach Berlin. Nicht zum Pokalfinale, sondern zum existenziell wichtigen Auswärtsspiel am Sonnabend (15.30 Uhr) bei Hertha BSC. Dann übrigens ohne Mittelstürmer Selke, der wegen einer Vertragsklausel gegen seinen Ex-Klub Hertha BSC nicht spielen darf. Um in der Bundesliga die ohnehin inzwischen geringen Chancen auf den Klassenerhalt am Leben zu halten, muss Werder in Berlin punkten. Deshalb bleibt Kohfeldt mit seiner Mannschaft zu einer Art Kurz-Trainingslager in Frankfurt und reist am Freitag von dort in die Hauptstadt.

Völlig ungeachtet der Niederlage von Mittwochabend in Frankfurt kann sich Kohfeldt der Rückendeckung seines Vereins aber sicher sein. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ attestierte ihm Werders Aufsichtsrats-Chef Marco Bode am Mittwoch schon vor dem Pokalspiel, dass er weiterhin der richtige Trainer für Werder Bremen sei und dass es zudem durchaus eine Option wäre, mit Kohfeldt im Falle eines Abstieges den direkten Wiederaufstieg anzustreben. Werders junger Cheftrainer reagierte darauf so selbstbewusst wie nüchtern: „Ich spüre das volle Vertrauen. Sonst wäre ich auch nicht mehr der richtige Mann.“

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