Werder Bremen im DFB-Pokal beim 1. FC Heidenheim Pokal-Aus wäre Gift für die gute Stimmung

Bremen. Für Werder Bremen ist ein Weiterkommen im DFB-Pokal-Spiel in Heidenheim Pflicht. Denn der Weg in die finanziell lukrative Europa League ist nur sechs Spiele entfernt. Zudem scheint die mannschaftliche Stimmung derzeit unbeschwert zu sein.
29.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pokal-Aus wäre Gift für die gute Stimmung
Von Tobias Dohr

Bremen. Es war nicht gerade der Tag der großen Weisheiten. Was verständlich war. Denn wo sollen die auch herkommen? Wenn zum x-ten Mal ein Bundesligist in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gegen einen zwei Klassen tiefer spielenden Klub antritt, ist die Zielsetzung klar vorgegeben: Nur das Weiterkommen zählt. Das gilt auch - und in Zeiten der Europapokal-Abstinenz sogar insbesondere - für den SV Werder Bremen, der morgen beim 1.FC Heidenheim antreten muss.

Das Phrasenschwein hätte in der gestrigen Fragerunde im Weserstadion jedenfalls gut Futter bekommen. Zumindest als über den morgigen Gegner und die Aufgabe in Heidenheim gesprochen wurde. Nein, natürlich dürfe man den Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Ja, na klar habe man den Drittligisten entsprechend beobachtet und sich auch Informationen bei U23-Trainer Thomas Wolter geholt. Und selbstverständlich sei die Ausgangslage dennoch logisch: Werder will in die nächste Runde. So weit, so bekannt.

Thomas Schaaf sagte gestern aber auch noch andere Dinge: Er sprach von "intensiven Trainingseinheiten, in denen wir uns gerieben haben". Von einer gewissen "Unruhe und Nervosität", die vor dem ersten Pflichtspiel auszumachen sei. Und er betonte darüber hinaus immer wieder eine Sache, von der bei Werder - besonders im letzten halben Jahr - nicht sooft die Rede war: "Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft ist absolut top."

Logisch, dass sich bei solch einer Aussage zwangsläufig die nächste Frage aufdrängt: Ob jene Atmosphäre denn vor einem Jahr nicht so gut gewesen sei? "Sie war anders", sagte Schaaf. Vor zwölf Monaten - als übrigens ja auch noch ein Mesut Özil zum Team gehörte - war die Zielsetzung und Erwartungshaltung natürlich eine gänzlich andere. Dann fielen - angefangen mit Naldo - immer wieder Leistungsträger verletzungsbedingt aus. "Wir mussten permanent auf Dinge reagieren", nannte Schaaf es gestern. "Dieses Jahr wissen wir, woran wir sind und gehen entsprechend damit um."

Man könnte sagen: Die vergangene Saison als Chance begreifen, als Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und Lehren aus den gemachten Fehlern zu ziehen. Schaaf ist sich jedenfalls sicher, dass das Team diesen Schritt zurzeit vollzieht - und zu einem großen Teil sogar schon vollzogen hat: "Die Mannschaft hat vom ersten Tag an gezeigt, dass sie etwas bewegen will." Und dazu haben offenbar auch die Neuzugänge ihren Teil beigetragen. Andreas Wolf zum Beispiel: "Andi hat vom ersten Tag an Verantwortung übernommen." Oder Sokratis Papastathopoulos: "Papas war sofort in die Mannschaft integriert."

Nun geht es in Heidenheim darum, diese gute Atmosphäre, die neu gewonnene Unbeschwertheit mit ins erste Pflichtspiel - und möglichst darüber hinaus - zu nehmen. Bloß keinen Stimmungsdämpfer. Ein Pokal-Aus morgen könnte im Kopf schnell zu alten Denkmustern zurückführen. Nicht nur bei Spielern, sondern vor allem auch bei den Fans. 1000 werden die Bremer morgen nach Ostwürttemberg begleiten. Eine stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass in Heidenheim nur 10000 Zuschauer in die Voith-Arena passen. Der Katastrophen-Saison zum Trotz - die derzeit gute Stimmung scheint auf die grün-weiße Anhängerschaft übergesprungen zu sein.

Erst Recht im DFB-Pokal, zu dem die Bremer seit jeher ja eine ganz besondere Beziehung haben. Und über den der Weg in die Europa League gerade einmal sechs Siege entfernt ist. "Auf Dauer ist dieser Kader nur mit gewissen Einnahmen zu finanzieren. Und ich sehe derzeit keine Alternativen zum internationalen Wettbewerb", sagte Geschäftsführer Klaus Allofs gestern noch einmal - beinahe beiläufig - über die ganz besondere Bedeutung des diesjährigen Pokalwettbewerbs. Und es lag durchaus etwas Besonderes in dieser Aussage, denn eine Niederlage morgen würde nicht nur auf die gute Stimmung drücken. Sie hätte indirekt vielleicht sogar schon Folgen für die mittelfristige Werder-Zukunft.

Derlei Gedankengänge sind in der Mannschaft natürlich kein Thema. "Wir haben einiges gutzumachen", sagte Marko Marin gestern vor dem Training. Und dann begründete der Mittelfeldmann, der im letzten Test gegen Olympiakos Piräus am Dienstag seine derzeit gute Form bestätigte, warum er ganz fest an einen Bremer Erfolg glaubt: "Im Vergleich zur letzten Saison ist die Stimmung jetzt wirklich super." Da war sie wieder, die gute Atmosphäre. Wenn es nicht fünf Euro in das Phrasenschwein kosten würde, könnte man sagen: Das Feld ist bestellt.

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