Werder-Trainer Nouri Position der Stärke

Alexander Nouri hat in der vergangenen Rückrunde viel Werbung in eigener Sache betreiben können. Im Sommer traf er klare Entscheidungen. Zur neuen Saison gilt es nun, den eigenen Erfolg zu bestätigen.
11.08.2017, 18:11
Lesedauer: 3 Min
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Position der Stärke
Von Christoph Sonnenberg

Wer Alexander Nouri in den Wochen der Vorbereitung beobachtet hat, der wird einen ziemlich aufgeräumten Trainer erlebt haben. Einen Trainer, der schon mal einen seiner Spieler von hinten umarmt und in die Luft gehoben hat. Oder im Gespräch liebevoll den Arm um eine Schulter legte. Der lachte und flachste und sehr oft sehr gute Laune hatte. In all diesen Gesten und Szenen war zu erkennen, wie Zuversicht aussieht.

Heute, gegen Drittligist Würzburger Kickers, endet die Vorbereitung. Mit dem Pokalspiel beginnen die Pflichtspiele und damit die Pflicht, Spiele zu gewinnen. Nouri als Trainer steht dabei natürlich besonders im Blickpunkt. Es ist seine erste komplette Bundesligasaison, in die er geht. Er hatte Einfluss auf die Personalplanung der Mannschaft und hat die Vorbereitung nach seinen Vorstellungen gestaltet. „Jetzt wird es spannend für ihn zu sehen sein, wie sich die Dinge entwickeln, ob seine Philosophie und die Art, wie er arbeitet, die Ergebnisse bringen, die er sich vorstellt“, sagte Marco Bode vor Kurzem dem WESER-KURIER.

Fußball ist ein Ergebnissport, lautet eine der unendlich vielen platten Weisheiten der Branche. Aber wie so oft, ist im Kern etwas Wahres dran. Die Ergebnisse der letzten Jahre haben Werder regelmäßig in den Abstiegskampf geführt und für Veränderungen auf dem Trainerposten gesorgt. Nouri ist nach Robin Dutt und Viktor Skripnik der dritte Trainer, nachdem Thomas Schaaf 2013 den Klub verlassen hat. Das Bild, das Werder dadurch abgibt, entspricht nicht dem Bild, wie der Klub sich selber sieht.

Die Sehnsucht nach einer langfristigen Lösung ist deshalb groß, denn jede Entlassung des Trainers ist ein neuer tiefer Einschnitt mit weitreichenden Folgen. Ohne Kontinuität auf der Trainerbank ist es schwer, eine Mannschaft sportlich zu entwickeln. Oder Spieler zu entwickeln. Wo Erfolg ist, da ist meist auch Kontinuität.

Klare, aber kontroverse Entscheidungen

Vielleicht hat Nouri in diesem Sommer auch deshalb viele weitreichende Entscheidungen bei der Auswahl der Spieler treffen dürfen. Besonders bei denen, die gegangen sind. „Wir haben bei der Kaderzusammenstellung eine klare Vereinsphilosophie“, betont Frank Baumann. Ohne ihn und Kaderplaner Tim Steidten werden keine Entscheidungen getroffen, soll das heißen. Bei der Philosophie geht es um die Altersstruktur des Teams ebenso wie um die Frage, wie viele deutschsprechende Profis im Kader sein sollten. Es gibt dennoch einige Entscheidungen, die eindeutig Nouri zuzurechnen sind.

Es begann mit der überraschenden Trennung von Co-Trainer Florian Bruns am Ende der vergangenen Saison. Die begründete Nouri mit der Ankündigung, näher an die Mannschaft rücken zu wollen. Bei den Spielern war Bruns geachtet und beliebt. Ein loyaler Co-Trainer auf der einen Seite, der seinem Chef Nouri trotzdem nicht zutrug, was die Spieler ihm anvertrauten. Einer, der wichtig war für die Stimmung in der Kabine. Die Mannschaft wurde von dieser Entscheidung überrascht, viele Spieler waren verwundert. Einige gar verärgert.

Auch die Entscheidung, Claudio Pizarro keinen letzten Vertrag mehr zu geben, hat Nouri getroffen. Gleiches gilt für Felix Wiedwald, Nouri wollte stattdessen einen neuen Torwart. Und dass Serge Gnabry nicht noch eine weitere Saison in Bremen geblieben ist, ist zumindest zum Teil mit der Jokerrolle im Endspurt der abgelaufenen Spielzeit zu erklären, die der Trainer ihm zuwies. Nimmt man noch Kapitän Clemens Fritz und Santiago Garcia hinzu, sind viele meinungsstarke Spieler gegangen. Ein neues Gleichgewicht innerhalb der Mannschaft wird sich erst noch bilden müssen.

Der eigene Erfolg wird zur Messlatte

Nouris Einfluss auf die Personalplanung des Kaders war also durchaus groß. Gekommen ist er in diese Position der Stärke durch die Rückrunde der vergangenen Saison. Von Platz 16 kletterte Werder wie im Rausch zeitweise bis auf Rang sechs. Nicht nur die Ergebnisse waren attraktiv, auch die Art des Fußballs, den Nouri spielen ließ, machte endlich wieder Spaß. Im Endspurt der Saison herrschte in Bremen eine Fußball-Euphorie, wie es sie lange nicht gegeben hatte. Auch dafür steht Nouri.

Jetzt soll und muss er beweisen, die Mannschaft dauerhaft nach seinen Vorstellungen spielen lassen zu können. Im Frühjahr hat er die Defensive stabilisiert und sorgte durch schnelles Umschaltspiel für teilweise spektakulären Offensivfußball. Daran wird Nouri gemessen werden.

Führt Nouri Werder endlich mal wieder durch eine sorgenfreie Saison? Die Testspiele taugen nicht als belastungsfähiger Beweis. Obwohl sie Baumann Anlass zu Hoffnung geben: „Man hat gesehen, dass da schon gewisse Dinge funktioniert haben. Wir knüpfen an einiges aus der vergangenen Rückrunde an.“

Rückendeckung gibt es auch aus dem Aufsichtsrat, der Vorsitzende Bode spricht Nouri sein Vertrauen aus: „Ich habe die berechtigte Hoffnung, dass Trainer und Team eng zusammenstehen und erfolgreich spielen werden. Ich glaube, dass Alex das hinbekommen wird.“ Als Fußballer weiß Bode aber genau, worum es geht: „Am Ende ist er wie jeder Trainer auch abhängig von Ergebnissen. Es ist auf jeden Fall ein wichtiges Jahr für ihn.“ Es beginnt heute mit dem Pokalspiel in Würzburg.

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