Rashica trifft fast immer

Rakete im Steigflug

Wenn Milot Rashica Woche für Woche ins Tor trifft, freuen sich viele Werder-Fans, befürchten aber zugleich, dass der Stürmer bald zu einem Topklub geht. Berater Altin Lala hat über Rashicas Pläne gesprochen.
05.11.2019, 09:57
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Rakete im Steigflug
Von Christoph Bähr
Rakete im Steigflug

Es geht steil nach oben: Milot Rashica ist in fast jedem Spiel an mindestens einem Werder-Tor beteiligt.

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Es ist so ähnlich wie bei Arjen Robben. Wenn der Flügelstürmer des FC Bayern in Strafraumnähe den Ball bekam, wusste jeder genau, was gleich passieren würde, doch verhindern konnte es zumeist trotzdem niemand. Robben zog von der rechten Seite nach innen und schoss mit dem linken Fuß. Sehr, sehr viele Tore erzielte der Niederländer auf diese Art. Bei Milot Rashica lief es zuletzt genauso, nur seitenverkehrt. Gegen Heidenheim und gegen Freiburg zog Werders Flügelstürmer von der linken Seite nach innen und schlenzte den Ball mit dem rechten Fuß maßgenau ins lange Eck. Zwei Tore, die sich ähnelten. Zwei Tore, die Rashicas Gegenspieler nicht überrascht haben dürften, doch stoppen konnten sie den flinken, trickreichen Angreifer nicht. „Ich mag es, von dieser Position zu schießen“, sagt Rashica. „Ich habe schon ein paar Tore auf diese Art geschossen. Der rechte Fuß ist mein bevorzugter Fuß, und wenn ich die Lücke sehe, schieße ich dorthin.“

Klingt ganz einfach. Es sind aber nicht nur die herrlichen Schlenzer, die den 23-Jährigen so wichtig machen. Rashica war in den vergangenen Wochen so etwas wie Werders Lebensversicherung. Wenn er in der laufenden Saison zum Einsatz kam, dann schoss er auch Tore oder legte welche auf. Lediglich beim 1:1 gegen Hertha sammelte der kosovarische Nationalspieler keinen Scorerpunkt, ansonsten war er immer an mindestens einem Treffer beteiligt. Sechs Tore und zwei Torvorlagen in acht Pflichtspielen stehen in seiner Bilanz.

Im Visier der Topklubs

Viele Werder-Fans stürzt jeder Treffer Rashicas in einen Zwiespalt der Gefühle. Sie freuen sich natürlich darüber, wissen aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Abschieds weiter steigt. Sportchef Frank Baumann kündigte vor der Saison im WESER-KURIER an, dass zwei oder drei Stammspieler im kommenden Sommer verkauft werden könnten. Werder muss Einnahmen erzielen, und Rashica ist aktuell der Spieler im Kader, der wahrscheinlich die höchste Ablösesumme bringen würde. „Er ist ein Spieler mit besonderen Fähigkeiten. Solche Spieler werden von den Topklubs gesucht“, sagt Rashicas Berater Altin Lala im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, an dem beide Seiten profitieren: Werder, weil ein Verein viel Geld bietet, und der Spieler, weil er den nächsten Schritt machen kann.“ Dass dieser Zeitpunkt schon im kommenden Jahr komme, stehe aber noch nicht fest, betont Lala. „Jetzt weiß doch keiner, was im Sommer passiert. Milot ist ganz relaxed. Ich sage ihm immer, er soll sich nur auf den Fußball konzentrieren.“

Wichtig ist für den Ex-Profi von Hannover 96 zudem, dass sich sein Schützling in Bremen wohlfühlt. „Er hätte auch nach seiner starken Rückrunde schon wechseln können, aber Werder ist ein Glücksfall für Milot“, unterstreicht Lala. Vor einigen Monaten war sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung im Gespräch. Rashicas Gehalt könnte in diesem Fall angepasst werden, denn er zählt derzeit nicht zu Werders Topverdienern. Ernsthafte Gespräche über einen neuen Kontrakt habe es aber nicht gegeben, sagt Lala und wirkt darüber keinesfalls verärgert. „Milot hat einen langfristigen Vertrag bis 2022. Da besteht keine Eile. Wichtig ist erst einmal nur, dass Milot gesund bleibt und weiter Tore schießt.“ 15 Saisontreffer traue er ihm zu, meint der Berater.

Beim 2:2 gegen Freiburg traf Rashica nicht nur, sondern bereitete auch Theo Gebre Selassies Kopfballtreffer mit einer Flanke vor. Dazu stachen seine Statistikwerte heraus: Er kam auf sechs Torschüsse, eine Passquote von 86 Prozent und legte seinen Mitspielern vier Torchancen auf. „Er hatte aber noch ein, zwei Chancen, die er an einem guten Tag auch machen kann“, sagt Sportchef Baumann und meint damit vor allem die Szene aus der 54. Spielminute, als Rashica nach einem starken Solo an Freiburgs Torwart Mark Flekken scheiterte. Alles klappt selbst beim Wunderstürmer nicht. Dennoch betont Baumann: „Die Entwicklung, was die Fitness und die Leistung in den vergangenen Wochen betrifft, ist sehr gut. Er knüpft an die überragende Rückrunde der letzten Saison an.“ In besagter Rückrunde war der Mann, den bei Werder alle nur „Rocket“ (Rakete) nennen, so richtig durchgestartet. Elf Tore und fünf Torvorlagen gelangen ihm in 19 Pflichtspieleinsätzen.

Noch nicht bei 100 Prozent

Klar, dass Rashica einer der großen Hoffnungsträger für die neue Saison war, doch dann fiel er nach dem ersten Bundesliga-Spiel gegen Düsseldorf mit einer Muskelverletzung aus. Vier Partien verpasste der Offensivspieler, Ende September in Dortmund gab er sein Comeback und benötigte nur sieben Minuten, um das 1:0 zu schießen. Wie schnell er nach der Verletzungspause wieder auf Touren kam, ist bemerkenswert. „Nach einem Monat Verletzungspause ist es schon schwierig, wieder reinzukommen“, sagt Rashica. „Aber ich fühle mich immer besser, die Kondition wird besser.“ Berater Lala glaubt: „Ein, zwei Spiele braucht er noch, dann ist er wieder voll da.“

Werder kann nur hoffen, dass Rashicas Muskulatur die Belastungen der kommenden Wochen aushält. Ohne den Langzeitverletzten Niclas Füllkrug sind der Kosovare und unter Umständen Yuya Osako die einzigen Spieler in der Offensive, die den Unterschied ausmachen können. Rashica ist allerdings nicht nur bei Werder, sondern auch in der Nationalmannschaft gefordert. Der Kosovo kann etwas Historisches schaffen und sich für die Europameisterschaft qualifizieren. Die Entscheidung darüber fällt in den Spielen gegen Tschechien (14. November) und England (17. November). „Die Nationalmannschaft gibt Milot viel positive Energie“, sagt Berater Lala. Sollte der Kosovo in der EM-Qualifikation scheitern, bekäme das Team sogar noch eine zweite Chance, denn als Sieger der Gruppe D der Nations League dürften die Kosovaren an Play-off-Spielen um ein EM-Ticket teilnehmen. Womöglich gibt es diese speziellen Tore der Marke Rashica also im nächsten Sommer sogar auf der ganz großen Bühne zu sehen.

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