Bremer spielen 2:2 in Frankfurt Rashicas Elfmetertor rettet Werder

Werder musste in Frankfurt viele brenzlige Situationen überstehen und konnte daher am Ende froh sein, durch ein 2:2 immerhin einen Punkt mitgenommen zu haben.
07.10.2019, 11:59
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Rashicas Elfmetertor rettet Werder
Von Christoph Bähr

Fast genau zwei Jahre ist es her, dass Florian Kohfeldt zum ersten Mal als Cheftrainer in der Bundesliga an der Seitenlinie stand. Es war ein Spiel in Frankfurt, es stand lange Zeit 1:1, doch kurz vor Schluss kassierte Werder noch das 1:2 und verlor. Am Sonntagabend hätte der Werder-Coach einen Tag nach seinem 37. Geburtstag beinahe ein unliebsames Déjà-vu erlebt. Werder fing sich kurz vor dem Abpfiff das 1:2 ein, doch ein Elfmetertor von Milot Rashica führte in der Nachspielzeit noch zum 2:2-Endstand. Es war ein glückliches Remis für die Bremer, denn die Frankfurter waren über weite Strecken klar überlegen gewesen. „Das ist für uns ein sehr guter und wichtiger Punkt. Die Automatismen sind nicht zu 1000 Prozent da, das kann man an der Aufstellung ablesen“, bilanzierte Kohfeldt.

Er meinte damit, dass ihm immer noch mehrere wichtige Spieler verletzt fehlten. Nach dem geplatzten Comeback von Ömer Toprak gab es in der Abwehr eine Überraschung: Erstmals seit dem 18. Mai bestritt Milos Veljkovic wieder ein Bundesliga-Spiel. Ein Zehenbruch hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Zusammen mit Christian Groß bildete der Serbe die Innenverteidigung. Theo Gebre Selassie konnte somit vom Zentrum auf seine angestammte Position auf der rechten Seite wechseln, links verteidigte Marco Friedl. „Die Physis ist bei Frankfurt sehr wichtig. Wir brauchten Spieler, die voll da sind“, erklärte Kohfeldt die Umstellung. Michael Lang, der Rückenprobleme hatte, ließ er lieber auf der Bank.

Im defensiven Mittelfeld agierte Nuri Sahin, der sich immer wieder in die Abwehrkette zurückfallen ließ. Maximilian Eggestein und Davy Klaassen besetzten die Halbpositionen. In der Offensive kam Josh Sargent, eigentlich eher der Typ Zentrumsstürmer, überraschend über die rechte Seite. Dafür besetzte Leonardo Bittencourt das Zentrum, Milot Rashica spielte auf dem linken Flügel.

Eggestein im Pech

Schon früh zeigte sich: Wenn Werder das Frankfurter Pressing mal überspielen konnte, bot sich dem Offensivtrio viel Raum. So wie in der siebten Minute, als Bittencourt den nachgerückten Eggestein bediente, der an den Pfosten schlenzte. „In der ersten Halbzeit fand ich uns gut. Frankfurt hat versucht, uns zu überrollen. Wir haben gut dagegen gehalten und hatten strukturierte Aktionen nach vorne“, schilderte Kohfeldt.

Allerdings: Nach dem Pfostentreffer stand Werder erst einmal unter Dauerdruck. Eine Frankfurter Flanke nach der anderen segelte in den Strafraum, und die Bremer hatten mehrfach Glück. Daichi Kamadas Schuss blockte Klaassen ab (8.). Goncalo Paciencia traf den Ball nur mit der Schulter und beförderte ihn über das Tor (16.). Nach einem Bremer Ballverlust im Spielaufbau war es Torwart Jiri Pavlenka, der mit einer überragenden Parade gegen Kamada rettete (20.).

Werder verlor die Bälle im Spielaufbau zu schnell und ließ zu viele Frankfurter Flanken zu. Kohfeldt beorderte Kapitän Klaassen früh an die Seitenlinie und redete auf ihn ein. 10:1 Torschüsse für die Eintracht wies die Statistik nach 25 Minuten aus, doch dann kam diese eine Szene, die erst einmal alles veränderte. Zum zweiten Mal fuhr Werder einen gelungenen Angriff. Bittencourt passte perfekt auf Sargent, der an Frankfurts Torwart Frederik Rönnow scheiterte. Den Nachschuss setzte Bittencourt an die Latte, schoss dann noch einmal, irgendwie prallte das Spielgerät zu Klaassen, der humorlos zum 1:0 einschob (27.). Es war ein kurioses Billard-Tor zur eher schmeichelhaften Bremer Führung.

Kein Elfmeter nach Videobeweis

Bei der Eintracht zeigte der Gegentreffer Wirkung. Die Gastgeber fielen in der Folge eher durch harte Zweikämpfe auf. Bis zur Pause blieb es beim 1:0 für Werder. Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Frankfurter dann wieder den Druck. Viel lief erneut über die Flügelspieler Danny da Costa und Filip Kostic, die mit ihren Flanken für Gefahr sorgten. Pavlenka wehrte einen Paciencia-Kopfball bravourös ab (46.). Nach einem Zupfer von Veljkovic gegen Paciencia im eigenen Strafraum (50.) mussten die Bremer kurzzeitig zittern, denn Schiedsrichter Guido Winkmann sah sich die Szene am Monitor noch einmal an, entschied aber, dass der Eintracht-Stürmer zuvor knapp im Abseits gestanden hatte.

Der Frankfurter Ausgleich deutete sich an, und er fiel dann auch – natürlich nach einem Eckball, der Bremer Achillesferse. Sahin klärte nicht konsequent genug, und Sebastian Rode hämmerte den Ball aus 16 Metern zum 1:1 ins Netz (55.). Die Bremer wankten, hatten aber weiterhin auch Konterchancen. In der 82. Minute kam Rashica nach einem guten Bittencourt-Zuspiel zum Schuss, Rönnow hielt den Versuch aber mühelos. Kurz danach wurde Philipp Bargfrede für Bittencourt eingewechselt. Kohfeldt setzte also auf die Defensive, aber die Abwehr hielt nicht. In der 88. Minute staubte Andre Silva nach einer Pavlenka-Parade zum 2:1 für die Hausherren ab.

War es das für Werder? Nein! Nach einem Rashica-Schuss setzte Klaassen nach und wurde von Makoto Hasebe gefoult. Den berechtigten Elfmeter verwandelte Rashica sicher zum 2:2 und sicherte seiner Mannschaft damit einen Punkt (90.+1). Kurios: Wieder traf Rashica in der Nachspielzeit in Frankfurt. Beim Auswärtsspiel während der vergangenen Saison hatte er spät den 2:1-Siegtreffer erzielt. Zum wichtigen Elfmetertor sagte der Stürmer: „Ich habe mich gut gefühlt. Normalerweise schießt Davy Klaassen, aber ich war mir sicher und er wurde behandelt.“

Als der Punktgewinn feststand, konnte Kohfeldt erst einmal tief durchatmen. „Das war ein Kraftakt in den vergangenen Wochen. Wir haben alle dagegen gearbeitet, dass die Saison früh in die falsche Richtung läuft“, betonte der Trainer. In der Tat hat Werder trotz der Verletzungsmisere den Anschluss nicht verloren. Zwar liegt die Mannschaft nur auf Platz elf, doch zu den internationalen Rängen beträgt der Abstand sechs Zähler.

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