2:4 nach Verlängerung gegen Leverkusen

Raus mit Applaus

Werder führte früh nach Toren von Max Kruse und Aron Johannsson 2:0, doch dann trafen zwei gebürtige Bremer für Leverkusen, und Werder hatte nach Verlängerung 2:4 verloren.
06.02.2018, 23:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger und Marc Hagedorn
Raus mit Applaus

Jubel bei den Leverkusenern.

Federico Gambarini, dpa

Als Jugendlicher war Julian Brandt regelmäßig im Weserstadion. Als Fan. Der Junge aus Borgfeld, der nie das Werder-Trikot getragen hat und inzwischen längst Nationalspieler in Diensten von Bayer Leverkusen ist, mag Werder eigentlich sehr, musste dem Bundesligaklub aus seiner Heimatstadt am Dienstag aber sehr weh tun. Nach frühem 0:2-Rückstand traf Brandt erst zum 1:2, dann zum 2:2-Ausgleich und ebnete Bayer damit den Weg ins DFB-Pokal-Halbfinale. Denn als die 90 Minuten von Leverkusen vorbei waren, hatte Bayer ein packendes Pokalspiel mit 4:2 (1:2) nach Verlängerung gewonnen. Torschütze zum vorentscheidenden 3:2 war der zweite in Bremen aufgewachsene Leverkusen-Profi: Karim Bellarabi aus Huchting (111.). Kai Havertz schließlich machte auf Zuspiel von Bellarabi auch noch das 4:2 (118.). Jetzt freuen sich die Leverkusener über eine Prämie von 2,55 Millionen Euro, die jeder Halbfinalist vom DFB erhält. Es war übrigens im siebten DFB-Pokalspiel gegen Werder der erste Sieg für Leverkusen.

Immer wenn Werder im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen gespielt hat, dann haben sich bestimmte Spieler ganz besonders hervorgetan. Etwa Nelson Valdez 2004 mit seinen beiden Toren beim 3:2-Sieg von Werder. Oder Oliver Reck mit seinem gehaltenen Elfmeter gegen Christian Wörns 1996. Oder, natürlich, Mesut Özil mit seinem Siegtreffer im DFB-Pokalfinale 2009 in Berlin, es war Werders bis heute letzter Titelgewinn. Und auch die 2018er Auflage schien Bremer Pokalhelden hervorzubringen, nämlich Max Kruse und Aron Johannsson.

Max Kruse: Das Spiel ging gerade in seine dritte Minute, da lag Kruse im Leverkusener Strafraum am Boden. Kruse war nach einem Kopfballabpraller, der eigentlich schon geklärt schien, mit Jonathan Tah zusammengestoßen, die logische Folge war ein Elfmeter, den Max Kruse überlegt zur frühen Bremer Führung verwandelte.

Aron Johannsson: Erstmals seit September 2016, einem 1:2 am zweiten Spieltag gegen den FC Augsburg, hatte der US-Stürmer wieder in der Startelf gestanden, nach seinem guten Auftritt als Einwechselspieler beim jüngsten Sieg auf Schalke verdientermaßen. Johannsson kann dieser Werder-Mannschaft etwas geben, am Dienstag in Leverkusen war es der Treffer zum 2:0. Kruse hatte den Ball im Mittelfeld erkämpft und Doppelpass mit Kapitän Zlatko Junuzovic gespielt. Kruse setzte dann Johannsson in Szene – und dieser ließ seinem Lupfer vom Schalke-Spiel den nächsten gechippten Ball folgen: diesmal über Leverkusens Torwart Bernd Leno hinweg zum 2:0 (7.). Und auch wenn Johannsson nur vier Minuten später nach einer tollen Kombination knapp das 3:0 verpasste, hatte Werder einen Traumstart hingelegt.

Leverkusen übernimmt schnell das Kommando

Der Traumstart war allerdings auch nötig, denn es dauerte nicht allzu lange, dass auch die bis dahin sichtlich überraschten Leverkusener mehr und mehr zeigen, weshalb sie in der Bundesliga-Tabelle auf dem zweiten Platz stehen. Werder, mit Florian Kainz (links) und Johannsson (rechts) auf dem Flügel, spielte mutig – und in der 31. Minute zu mutig. Während Thomas Delaney noch vehement und vergeblich einen Eckball für Werder forderte, pressten die Bremer zu früh und wurden von ballsicher kombinierenden Leverkusenern über fünf Stationen und das komplette Spielfeld schulbuchmäßig ausgekontert. Dominik Kohr war es schließlich, der den Ball von halbrechts Julian Brandt mustergültig in den Fuß spielte, und der gebürtige Bremer im Leverkusener Trikot verkürzte ohne Probleme auf 1:2 (31.).

Werder wirkte für einen Moment geschockt, fing sich aber bald wieder – und setzte in Person von Kainz die nächsten offensiven Ausrufezeichen. Eine tolle Hereingabe von Ludwig Augustinsson verpasste Johannsson um Sekundenbruchteile (37.), und dann klärte Leno erst stark gegen einen 20-Meter-Schuss von Kainz (38.), ehe Kainz per Volleyschuss aus 30 Metern Leno zur stärksten Parade des Spiels zwang (39.). Auf der Gegenseite hatte sich Jiri Pavlenka zuvor nach einem Kopfball von Leon Bailey mächtig strecken müssen. Der Tscheche im Werder-Tor verhinderte einen Gegentreffer mit seinen Fingerspitzen.

Die zweite Hälfte begann für Werder mit einem Rückschlag. Der auffällige Johannsson musste verletzt in der Kabine bleiben, für ihn feierte Wintereinkauf Milot Rashica sein Pokaldebüt. Und der nächste Rückschlag folgte: Leverkusen, diesmal von Beginn an im Spiel, glich nach einem Ballverlust von Niklas Moisander im Mittelfeld zum 2:2 aus, und wieder war Julian Brandt der Torschütze, erneut hatte Kohr die Vorlage gegeben und Brandt wunderschön aus 20 Metern in den Winkel getroffen (55.).

Video-Schiedsrichter im Zweifel stumm

Werder versuchte, mutig zu bleiben, aber der Druck der Leverkusener nahm quasi von Minute zu Minute zu. Und Werder hatte Glück, dass Schiedsrichter Marco Fritz nach einem Einsteigen von Maximilian Eggestein gegen Charles Aranguiz nicht auf Elfmeter entschied (72.). Es war so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit, denn in der ersten Halbzeit hätte Fritz nach einem Ellenbogen-Einsatz von Aranguiz gegen Kruse auch einen weiteren Elfmeter für Werder pfeifen können, hatte es aber nicht getan. Der Video-Schiedsrichter, im DFB-Pokal ab dem Viertelfinale erstmals im Einsatz, hatte sich ebenfalls nicht eingemischt.

Werder konnte sich nun etwas vom Leverkusener Druck befreien. Die Verlängerung war die logische Folge. Hier war beiden Mannschaften der kräftezehrende Fight der vorangegangen 90 Minuten anzumerken, viele Aktionen gerieten nun ungenau, dafür blieb es aber hochspannend. Und gejubelt wurde auch noch – aus Bremer Sicht auf der falschen Seite. Der eben erst eingewechselte Karim Bellarabi traf aus spitzem Winkel zum 3:2. In der 111. Minute. Werder war raus mit Applaus.

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