Im Zeichen des Löwen Robert Bauers Kämpfermentalität gibt Werder Kraft

Robert Bauer ist einer der Gründe dafür, dass Werder seit einigen Spielen in der Defensive wesentlich stabiler steht. Durch seine aggressiven Spielweise ist er maßgeblich am Aufschwung beteiligt.
27.03.2017, 21:00
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Robert Bauers Kämpfermentalität gibt Werder Kraft
Von Felix Frank

Robert Bauer ist einer der Gründe dafür, dass Werder seit einigen Spielen in der Defensive wesentlich stabiler steht. Durch seine aggressiven Spielweise ist er maßgeblich am Aufschwung beteiligt.

Das Wochenende hat ihm gutgetan. Den Kurz-Trip mit seinen Freunden nach Barcelona hat Robert Bauer genutzt, um sich zu entspannen und Kraft zu tanken für die Bundesliga. „Das war ganz cool“, sagt Werders Außenverteidiger. Cool ist auch der Aufschwung seiner Mannschaft: In den vergangenen fünf Spielen blieb Werder ungeschlagen und kletterte auf den 13. Tabellenplatz. Maßgeblichen Anteil an dem Aufschwung hat auch Bauer – mit seiner Spielweise. Robust, aggressiv, giftig. Bauer ist ein Kämpfer, der weder sich noch seine Gegenspieler schont.

Diese Kämpfermentalität geht unter die Haut. Im wahrsten Sinne. Vor gut einem halben Jahr hat sich Bauer seinen linken Arm tätowieren lassen. Eines der Motive zeigt einen Löwen. „Der steht für Stärke und Kampfkraft“, sagt der 21-Jährige. Die Eigenschaften des Löwen übertragen sich auf sein Spiel. Bauer selbst sagt: „Ich versuche einfach, mein Spiel zu machen und durch meine Einstellung die Jungs mitzureißen und ein bisschen Vorbild zu sein, was das Kämpferische und die Mentalität angeht.“ Es sei schon wichtig, dass man ein paar Spieler im Team habe, die auch dafür gut seien.

Bauer ist so jemand, Thomas Delaney ebenfalls. Mit seinem dänischen Teamkollegen verstehe er sich gut und könne noch einiges lernen, sagt Bauer: „Man sieht, dass er in jeden Zweikampf geht. Er hat diesen unbedingten Willen, diesen Zweikampf zu gewinnen.“ Das sei auch das, was er versuche. „Wenn ich es ähnlich gut mache wie er, bin ich froh darüber.“

Erwartungen an ihn wurden erfüllt

Von jener Kampfkraft profitiert Werder. Bauers Härte sei „ein wichtiger Faktor“ für den Aufschwung, sagt Werders Sportchef Frank Baumann. Durch seine Arbeit auf dem Platz nehme er eine wichtige Rolle ein: „In der Rolle tut er uns gut. Er ist einer der Mentalitäts-Leader.“ Bauer habe genau das umgesetzt, was sich Werder von ihm versprochen habe. „Er hat den Konkurrenzkampf auf den Außenpositionen erhöht und hilft mit seiner Zweikampfstärke und Aggressivität mit, die Defensive zu stabilisieren“, sagt der Sportchef.

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In der Tat hat Robert Bauer die Erwartungen nach dem Wechsel im vergangenen Sommer vom Bundesliga-Konkurrenten FC Ingolstadt erfüllt. Aufgrund der Teilnahme bei den Olympischen Spielen stieß er spät zum Team, verpasste die Vorbereitung – und benötigte dennoch nur eine kurze Eingewöhnungszeit. Dass es anfangs für ihn persönlich nicht so gut lief, erklärt Bauer damit, dass es für die ganze Mannschaft nicht so gut lief. Zwischendurch verlor er seinen Stammplatz. Doch Bauer wäre nicht Bauer, wenn er sich nicht ins Team zurückgekämpft hätte: „Ich habe versucht, weiter Gas zu geben und dem Trainer die Argumente zu liefern, mich aufzustellen.“ Das funktionierte – und Bauer zahlte das Vertrauen von Coach Alexander Nouri mit guten Leistungen zurück.

Inzwischen hat er sich als Linksverteidiger bei Werder etabliert. Er ist klar im Kopf und wirkt für einen 21-Jährigen schon sehr reif. „Ich bin mit 19 von zu Hause weggegangen und stand auf eigenen Beinen. Wenn man im privaten Leben alles alleine lösen muss, dann reift man auch als Persönlichkeit. Ich denke schon, dass ich ein bisschen weiter bin, was die Persönlichkeit angeht, als andere in meinem Alter, die noch zu Hause wohnen“, sagt er.

Bauer kann in der Offensive noch zulegen

Mittlerweile steht Werder – auch dank Bauer – in der Defensive wesentlich stabiler und kassiert deutlich weniger Gegentore als in der Hinrunde. Laut Bauer hat das einerseits mit dem guten Zusammenhalt im Team, andererseits mit der guten Vorbereitung im Winter zu tun. Die Mannschaft sei nun flexibler und eingespielter, sie könne zwischen Vierer- und Fünferkette variieren, sagt Bauer: „Wir wissen, wie jeder tickt, und helfen uns als Team.“

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Werders derzeitigen Lauf hat Bauer sogar prophezeit. Nach der Niederlage Mitte Februar gegen Gladbach, es war die vierte in Folge, sagte Bauer: „Wir dürfen nicht zaubern, müssen sehen, dass wir Spiele irgendwie gewinnen.“ Es folgten der vorhergesagte „dreckige Sieg“ gegen Mainz sowie das glückliche 2:1 gegen Wolfsburg. „An solchen Spielen haben wir uns hochgezogen und das Selbstvertrauen geholt. Jetzt sind wir im Aufwärtstrend und versuchen, den Schwung mitzunehmen.“

Defensiv lässt Bauer durch seine Zweikampfstärke die Gegenspieler selten durchkommen, in der Offensive kann der Silbermedaillengewinner von Rio noch zulegen. Im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen klappte das schon ganz gut. Mit seinem Schussversuch, den Claudio Pizarro ins Tor abfälschte, gelang Bauer die zweite Vorlage in dieser Spielzeit. Bauer sagt: „Ich weiß, dass ich defensiv meine Stärken habe und nach vorne mich noch verbessern muss. Aber ich denke, da habe ich den letzten Spielen auch schon einen Schritt nach vorne gemacht.“

Im Kopf Verteidiger

Dass das Verteidigen sein Kerngeschäft ist, daran lässt Bauer aber keine Zweifel aufkommen. Lieber Traumpass oder geiles Tackling? Bauer lacht und sagt sofort: „Immer noch das Tackling – und das wird sich auch nicht ändern. Weil ich vom Kopf einfach Verteidiger bin und auch vom Papier. Das Wichtigste ist, dass erst mal die Null steht.“

Und das am besten auch am Sonnabend gegen den SC Freiburg. Natürlich sei es wichtig, gut aus der Länderspiel-Pause herauszukommen, sagt Bauer: „Wie gefestigt wir sind, das wird man in den nächsten Spielen sehen.“ Bauer, der seine kleine Blessur am Knie aus dem Leipzig-Spiel auskuriert hat, glaubt nicht, dass das Team nach der Gala gegen Leipzig (3:0) jetzt nachlassen wird. Und das hat einen guten Grund: „Wir können alle die Tabelle lesen. Wir wissen, dass wir ganz schnell wieder auf dem Relegationsplatz stehen können. Wir tun gut daran, keinen Zentimeter nachzulassen und die Punkte so schnell wie möglich zu holen, um den Klassenerhalt fix zu machen.“

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