Werder Bremens Saisonvorbereitung

Robin Dutts Baustelle

Blankenhain. Einen langen Weg mit vielen kleinen Schritten hat Trainer Robin Dutt für den Neuaufbau bei Werder angekündigt. Von den fortwährenden Testspielniederlagen zeigt er sich unbeeindruckt.
25.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Robin Dutts Baustelle
Von Thorsten Waterkamp
Robin Dutts Baustelle

Werder-Trainer Robin Dutt.

Andreas Gumz

Blankenhain. Einen langen Weg mit vielen kleinen Schritten hat Trainer Robin Dutt für den Neuaufbau bei Werder angekündigt. Von den fortwährenden Testspielniederlagen zeigt er sich unbeeindruckt – Erkenntnisse sind für ihn wichtiger als Ergebnisse. Sportchef Eichin indes sucht personelle Verstärkungen – für den Sturm und die linke Abwehrseite.

Robin Dutt zieht gerne anschauliche Vergleiche heran, wenn er etwas erklären möchte. Am MIttwoch wählte er das Thema Hausbau. "Bei einem Haus im Rohbau", erklärte Dutt also, "kannst du ja auch nicht sagen, du bist unzufrieden, weil noch nicht tapeziert ist." Das Haus, das ist seine neue Mannschaft, die allerdings, um im Bilde zu bleiben, aktuell noch auf ihr Richtfest wartet. Zehn Tage vor dem ersten Pflichtspiel macht das Fans und Umfeld nervös, öffentlich wird Werder auch wegen der Serie von Testspielpleiten mittlerweile als Abstiegskandidat gehandelt. Trainer und Mannschaft wehren sich dagegen.

"Beunruhigend ist das nicht", sagt beispielsweise Aaron Hunt über die vier Niederlagen in Serie gegen den VfL Osnabrück (0:1), PEC Zwolle (2:3), Ajax Amsterdam (2:3) und RB Leipzig (1:2). Natürlich wolle die Mannschaft gewinnen, "aber im Moment tun wir uns vorne und hinten ein bisschen schwer". Tatsächlich ist es so, dass es an allen Ecken und Kanten hakt. Klappt es mal offensiv, macht die Defensive Sorgen. Funktioniert‘s hinten, enden die Wege nach vorn in Sackgassen.

Es ist das Problem der Bremer, dass sie einen kompletten Neuaufbau durchführen müssen. Es ist nicht nur ein neuer Trainer da, es ist eine völlige Umorientierung. Wirtschaftlich einerseits, weil das große Geld nicht mehr da ist – und neues nicht fließt. Organisatorisch auch, beispielsweise mit einer engeren Verzahnung von Nachwuchs und Profibereich. Und sportlich sowieso: Die Mannschaft ohne große Stars lernt ein neues Spielsystem, das Fundament für den Rohbau Werder. Die Raumaufteilung steht noch aus, das Dach ist noch nicht drauf, und an Tapeten denkt Dutt noch gar nicht: "Wir haben einen langen Weg vor uns mit vielen kleinen Schritten", wiederholt er und ergänzt: "Ich bitte nicht nur um Geduld seit dem Spiel in Leipzig, sondern schon seit meinem ersten Tag."

Tatsache ist aber auch, dass die laufende Saisonvorbereitung für Werder die schlechteste seit 2007 ist. Das sagen die nackten Zahlen, die Ergebnisse. Die Kardinalfrage bei Testspielen allerdings ist immer, wie aussagekräftig diese Zahlen wirklich sind. Sportchef Thomas Eichin hat da eine glasklare Auffassung: "Vorbereitungsspiele können gewaltig lügen."

Beispiel Leipzig: Bei dem 1:2 spielten über 68 Minuten Profis, die nach aktuellem Stand der Vorbereitung weitgehend der zweiten Reihe zuzuordnen sind. Einige fanden sich gar auf ungewohnten Positionen wieder– wie das Nachwuchstalent Levent Aycicek, von Haus aus eine Offensivkraft, in Leipzig aber als Rechtsverteidiger eingesetzt. Dazu steckte den Bremern die intensive Vorbereitung in den Knochen, wie Aaron Hunt betont: "Man konnte schon sehen, dass der eine oder andere mit sich zu kämpfen hatte." Der Gegner dagegen war frischer, agiler, aggressiver – kein Wunder, weil die Drittligisten ihre Vorbereitung längst hinter sich haben und bereits im Pflichtspielbetrieb stecken.

All das sind Gründe, warum man nicht nur auf, sondern auch hinter Testspielresultate schauen muss. Grundsätzlich gilt: Ein Testspiel heißt Testspiel, weil es zum Testen da ist – Erkenntnis kommt vor Ergebnis. Auch für Robin Dutt: "Klar, wir wollen auch gewinnen, aber ich bleibe dabei: Es geht darum, Bausteine zusammenzufügen. Wir haben einen Plan. Diesen Plan muss man ergebnisunabhängig durchziehen – und er wird sich über die ganze Saison hin durchziehen."

Dennoch: Unberührt lässt die aktuelle Situation die grün-weiße Führungsriege nicht. Auch ein Thomas Eichin weiß, dass die Gegner in der Vorbereitung – Ajax Amsterdam einmal ausgeklammert – keineswegs Spitzenfußball verkörpern. Deshalb will der Sportchef personell noch einmal nachrüsten. Gesucht wird nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Lukas Schmitz ein Linksverteidiger – und weiterhin ein Stürmer. "Es ist immer schön, wenn du noch einen hast, der Tore schießen kann", sagt Eichin mit Blick auf die Abschlussschwäche, die Werders Angreifer in Leipzig offenbarten: "Wenn wir das nicht verbessern, kriegen wir ein Problem."

Die Bundesliga-Saison wird auch so schon schwer genug für Werder, die aktuellen Resultate hin oder her. Denn wenn Testspiele auch lügen können – Fakten bleiben. Es sind nur noch zehn Tage bis zum Pflichtspielstart, bis zur Pokalpartie beim Drittligisten. Und nur noch 16 Tage bis zum Bundesliga-Auftakt beim Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Bis dahin sollte der Rohbau Werder zumindest Richtfest gefeiert haben.

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