Arminia-Sportchef Arabi im Interview „Werder hat ein paar PS mehr als wir“

Vor dem Duell im Abstiegskampf mit Werder Bremen gibt sich Arminia Bielefelds Sportchef Samir Arabi optimistisch. Im Interview spricht er über die Arminia, Werders Stärken und die Verteilung der TV-Gelder.
06.02.2021, 14:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Seit einem Jahrzehnt formt Samir Arabi die neue Bielefelder Arminia. Der gebürtige Aachener, am Dienstag 42 Jahre alt geworden, amtierte zunächst als sportlicher Leiter, seit 2016 als Geschäftsführer Sport. Im Interview mit der Deichstube blickt der sympathische Manager der Ostwestfalen auf den Abstiegskampf, redet vor dem Duell am Sonntag über die Gefahr durch die auswärtsstarken Bremer, denen er im Vergleich zum „Gummiboot“ Arminia bescheinigt, ein Motorschiff mit einigen PS mehr zu sein. Zur Debatte um die Verteilung der TV-Gelder und das Handeln des Bayern-Bosses Karl-Heinz Rummenigge, der zu einer Zusammenkunft die Bielefelder wie drei andere Clubs nicht eingeladen hatte, sagt Arabi nur: „Ich habe mich nicht geärgert, habe nur geschmunzelt.“

Haben Sie sich am Dienstag das Pokalspiel der Bremer angeschaut, Samir Arabi?

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich nur mit einem Auge hingeschaut habe und auch nur in der zweiten Hälfte. Wir hatten mit den Kindern und meiner Frau etwas zu feiern…

Pardon, herzlichen Glückwunsch nachträglich. Sie sind 42 Jahre alt geworden. Somit sind Sie natürlich entschuldigt. Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen des Kontrahenten?

Grundsätzlich gilt wie für viele Mannschaften, dass sich Werder in den Heimspielen recht schwertut. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt spielt auswärts sicherer und besser, kann ihr Umschaltspiel vortragen. Diese Beobachtung konnten wir schon bei unserem Auftritt im Weserstadion im letzten Jahr machen. Nach der Pause hatten wir extrem viel Ballbesitz und hatten unsere Chance. Leider hat der Schiedsrichter bei der Situation kurz vor Schluss, als van der Hoorn ein Tor gelungen war, zu früh gepfiffen, damit der VAR die Szene überhaupt hätte überprüfen können.

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Zahlen verdeutlichen Ihre Erkenntnis. Beim Sieg gegen Fürth verzeichnete Werder nur 42 Prozent Ballbesitz und dies gegen einen Zweitligisten. Müssen Sie damit rechnen, dass die Bremer Ihnen auch in der SchücoArena das Spiel überlassen? Ist dies eine Gefahr?

Darauf sollten und müssen wir uns einstellen. Es ist die Aufgabe von Trainer Uwe Neuhaus, mit der Mannschaft einen entsprechenden Plan zu entwickeln.

Werder weist fünf Punkte mehr auf als die Arminia. Zu diesem Zeitpunkt schon ein nennenswerter Vorsprung?

Natürlich, Werder hat sich etwas abgesetzt, deutlich von Schalke und Mainz auf den Abstiegsrängen. Werder steht mit Hoffenheim und Augsburg an der Spitze der sechsköpfigen Gruppe, die momentan um den Relegationsplatz ringt. Für uns bietet diese Konstellation die große Möglichkeit, mit einem Heimsieg den Abstand zu verkürzen. Diese Chance wollen wir wahrnehmen.

Glauben Sie an den Klassenerhalt?

Ich bin nicht nur optimistisch, sondern überzeugt davon, dass wir in der Bundesliga bleiben. Von vielen sind wir als Abstiegskandidat Nummer eins vor der Saison eingestuft worden. Doch wir haben uns gewehrt und uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet. 17 Punkte in der Hinserie – die gleiche Ausbeute noch mal, dann haben wir gute Chancen, mindestens den Relegationsrang zu erreichen.

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Bei Ihrem Auftritt im Aktuellen Sportstudio zu Saisonbeginn haben Sie die Arminia als „Sexy-Aufsteiger“ betitelt. Ist die Mannschaft diesem Anspruch gerecht geworden?

Ich glaube schon. Wir wollen uns als gesamter Verein positiv präsentieren, doch am Ende geht es um Profifußball, es geht um Siege und Punkte. Wir wollten sympathisch rüber kommen und auf eine bestimmte Art und Weise auftreten, dabei indes nicht zum Punktelieferanten werden. Das ist gelungen. Wir haben schon öfter den Gegner geärgert und kämpfen weiter um den Klassenerhalt.

Ähnlich wie der Club aus der Nachbarschaft, der vor Bielefeld zweimal in der höchsten Spielklasse gastierte. Auch Paderborn bekam viel Lob trotz des sportlichen Scheiterns.

Doch ich möchte hier schon differenzieren. Die Paderborner waren recht früh weit abgeschlagen, hatten nicht zum selben Zeitpunkt der Spielzeit diese Anzahl von Punkten wie wir. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Damals, als Sie und der Verein ins bundesweite Blickfeld rückten, haben Sie die Arminia als ein „Gummiboot“ im eigentlichen ungleichen Wettkampf mit Motorbooten bezeichnet. Wie viel PS hat aus Ihrer Sicht der ins Stottern geratene Motor der Werder-Fregatte?

Grundsätzlich hat ein Verein wie Werder Bremen auf Grund der langjährigen Bundesligazugehörigkeit schon einige Pferdestärken mehr als unser Schiff. Doch auch wir haben nun durch die Aktivitäten im Winter-Transferfenster einige PS dazu bekommen.

Sie spielen auf die beiden Einkäufe an. Können Masayan Okugawa und Michel Vlap auf Anhieb die erhofften Verstärkungen werden?

Wir haben bewusst diese Typen geholt, die bisher in unserem Kader gefehlt haben. Der Japaner Okugawa kann uns auf den Außenbahnen gefährlicher machen. Und der Niederländer Vlap erhöht unsere Durchschlagskraft in der Offensive, verkörpert sowohl als zweite Spitze als auch im offensiven Mittelfeld enorme Torgefahr. Wir haben so unsere größten Baustellen geschlossen.

Diese Transferaktivitäten, die finanziert werden müssen, widersprechen nicht dem proklamierten Grundsatz, der da heißt: Klassenerhalt, aber nicht um jeden Preis?

Nein, wir orientieren uns an dieser Leitlinie und sind mit diesen beiden Leihgeschäften nicht ins wirtschaftliche Risiko gegangen. In der Vergangenheit hat Arminia in dieser Hinsicht nicht immer vorbildlich agiert. Gemeinsam mit den Partnern und Unterstützern aus der ostwestfälischen Wirtschaft und Industrie haben wir einen anderen Kurs eingeschlagen.

Wie sehr hat Sie geärgert, dass Bielefeld wie auch die anderen „Revoluzzer“ Mainz, Augsburg und Stuttgart nicht zu der Zusammenkunft eingeladen gewesen war, die auf Initiative der Bayern stattgefunden hat?

Es hat mich nicht geärgert, ich habe lediglich geschmunzelt über diese Vorgehensweise.

Hat Sie eigentlich der Initiator Karl-Heinz Rummenigge schon kontaktiert, der sich um eine Entschärfung in der Debatte über die Verteilung der TV-Gelder bemühen will?

Nein, dazu gab es auch keinen Grund. Im neuen Verteilerschlüssel tauchen jedoch einige Anregungen auf, zu der wir mit den Anstoß gegeben haben. Ich fand unser Vorgehen damals auch legitim. Wir wollten Ideen einbringen.

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Wie finden Sie die neue Regelung?

Grundlegend ist erst einmal die Tatsache, dass es durch die Corona-Krise knapp 20 Prozent weniger TV-Geld für alle Vereine geben wird. Das trifft alle, die Großen wie auch die kleinen Clubs. Nun geht es vordringlich darum, dass wir alle relativ unbeschadet durch die Pandemie kommen.

In dieser Woche wurde der Abschlussbericht der „Task Force Profifußball“ vorgestellt. Was halten Sie davon?

Es sind viele verschiedene und richtige Sachen angesprochen, die langfristig bis 2030 angedacht sind. Daher schauen wir uns jetzt alles in Ruhe an und wollen bei der Gestaltung der Zukunft des Fußballs mitwirken.

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