Nach 0:3 gegen Wolfsburg

Schaaf bietet Rücktritt an

Bremen. Beim 0:3 gegen den VfL Wolfsburg hat Werder Bremen die schlechteste Leistung in einem Heimspiel dieser Saison abgeliefert. Das Angebot des maßlos enttäuschten Trainers Thomas Schaaf, "zur Seite zu treten", heizt die Diskussion um ihn an.
21.04.2013, 05:00
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Von Olaf Dorow und Thorsten Waterkamp
Schaaf bietet Rücktritt an

Werder-Trainer Thomas Schaaf ist nach dem 0:3 gegen Wolfsburg maßlos enttäuscht.

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Bremen. Als das Spiel vorbei war, pfiffen die Zuschauer. Sofern sie noch da waren – etliche hatten das Weserstadion schon lange verlassen. Bereits nach einer guten Stunde gingen die ersten. Nach 66 Minuten hatte der ehemalige Werder-Star Diego per Elfmeter das 3:0 für den VfL Wolfsburg erzielt. "Wir ha’m die Schnauze voll", dröhnte es aus Werders Fankurve.

Die Fans hatten einen Bremer Auftritt gesehen, der einen mehr als erschreckenden Eindruck hinterließ. Die Mannschaft hatte sich in den 90 Minuten lediglich zwei echte Torchancen erarbeitet: Einmal hüpfte Arnautovic an einer Flanke vorbei. Da stand es längst 0:2. Und als es dann schon 0:3 stand, kam noch ein Tor durch Arnautovic heraus, das aber wegen einer Abseitsstellung nicht zählte. Werder hatte gestern Abend durch die entsprechenden Ergebnisse der Konkurrenz die große Chance, sich aller Abstiegssorgen zu entledigen. Doch die Mannschaft wirkte verunsichert und leblos. Um nicht zu sagen: tot.

Der Unmut der Fans ließ sich auch auf Trainer Thomas Schaaf münzen. Er schickte eine Formation auf den Rasen, die manche verwunderlich fanden. Abwehrchef Sokratis lief als Linksverteidiger auf. Stürmer Nils Petersen blieb zunächst auf der Bank. Marko Arnautovic sollte die einzige Spitze geben. Er wich aber permanent auf den Flügel aus, als verkappten Stürmer konnte man mal ihn, mal Kevin de Bruyne, mal alle beide ausmachen. Funktioniert hat das alles: gar nicht. Der Spielaufbau blieb Stückwerk, die Torgefahr erschöpfte sich in einigen Eckbällen.

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Schaaf sagte, an der Taktik hätte es nicht gelegen, dass Werder so schlecht war. Er verwies auf das Zweikampfverhalten: "Wir gehen in einer Art und Weise in die Zweikämpfe, wie man es schlechter nicht machen kann." Über sich selbst und sein spätestens seit gestern heftigst diskutiertes Traineramt sagte er: "Wenn ich im Wege stehen sollte, dann gehe ich gerne zur Seite." Damit gab er sozusagen den Ball ab an die Geschäftsführung von Werder Bremen, die letztlich entscheiden muss, ob der Abstiegskampf weiter mit Thomas Schaaf in Angriff genommen werden soll. Der Langzeit-Trainer, der Anfang Mai sein 14. Jahr als grün-weißer Cheftrainer vollenden würde, hat jetzt seine Mannschaft seit neun Spielen nicht mehr zu einem Erfolg führen können. Schon in der vergangenen Saison siegte Werder neunmal in Folge nicht. Eine längere Sieglos-Serie hatte es in der Werder-Geschichte nur einmal unter den Trainern Aad de Mos und Dixie Dörner gegeben.

Geschäftsführer Thomas Eichin wich aus bei den entsprechenden Nachfragen. "Ich beantworte keine Fragen zum Trainer", sagte der Sportchef. Nur indirekt sagte er etwas zum Trainer. Die Mannschaft habe Schaaf komplett im Stich gelassen. "Das war eine Katastrophe, ich bin sprachlos", sagte Eichin zur gestrigen Leistung von Schaafs Elf.

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Die Elf hatte diesmal etwas länger als üblich gewartet, ehe sie sich das erste Gegentor fing. Diesmal fiel es nicht schon in den ersten zehn Minuten. Es fiel in der 13. Minute – und kam durch den ersten nennenswerten Angriff des Gegners zustande. Ein einfacher Steilpass auf Maximilian Arnold reichte aus. Arnold genoss die Freiheit, die ihm Kevin de Bruyne gewährte – und durfte unbedrängt Maß nehmen. Der Schuss ins linke untere Eck passte.

Nach weiteren 13 Minuten langte der zweite Wolfsburger Angriff des Spiels für das zweite Wolfsburger Tor des Spiels. Vieirinha hatte sich um den Aushilfs-Linksverteidiger Sokratis herumgedreht und ihn damit ausgeschaltet. Ein gescheiter Pass auf Ivica Olic schaltete auch noch die Innenverteidiger Sebastian Prödl und Assani Lukimya aus. Olic hatte keine Mühe mehr, Torhüter Sebastian Mielitz zu umkurven. "Wir woll’n euch kämpfen sehen", brüllten die Fans zur Halbzeitpause.

Sahen sie aber nicht. Die Verunsicherung lag auch über der zweiten Hälfte, die nur zur Fortsetzung der schwachen ersten wurde. Der eingewechselte Özkan Yildirim foulte schließlich in der 66. Minute Vieirinha elfmeterreif. Diego, der so schon so manchen Strafstoß im Weserstadion versenkt hatte, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen. Sein Freund und ebenfalls inzwischen ehemalige Bremer Naldo sagte: "Werder hat gute Spieler. Aber heute hat Werder nicht als Mannschaft gespielt. Wir haben die Lücken gefunden."

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Und noch ein Ex-Bremer wurde zu den schwer schlingernden Werderanern gefragt. Klaus Allofs, der einstige Bremer und heutige Wolfsburger Sportchef, litt mit seinem Ex-Verein – und mit seinem langjährigen Partner Thomas Schaaf. Allofs sagte: "Wenn man merkt, wie die Stimmung hier ist, lässt mich das nicht gerade durch die Decke hüpfen."

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