Werder Bremen Schaaf findet richtige Taktik

Bremen. Das 1:1 von Werder Bremen in Mönchengladbach ist nicht nur ein kleines Erfolgserlebnis für die Mannschaft, sondern auch eines für ihren viel kritisierten Trainer.
10.03.2013, 20:55
Lesedauer: 3 Min
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Schaaf findet richtige Taktik
Von Patrick Hoffmann

Bremen. Das 1:1 von Werder Bremen in Mönchengladbach ist nicht nur ein kleines Erfolgserlebnis für die Mannschaft, sondern auch eines für ihren viel kritisierten Trainer. Thomas Schaaf hat am Wochenende genau die richtige Taktik gefunden.

Eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff war im Borussia-Park die Zeit für Nettigkeiten gekommen. Arm in Arm machten sich die Trainer Thomas Schaaf und Lucien Favre auf den Weg zum Medienraum, und als sie da auf dem Podium Platz genommen hatten, schickte Favre noch ein paar ganz besondere Worte an die Adresse seines Kollegen. „Wir haben heute gegen eine kompakte Mannschaft gespielt“, sagte Mönchengladbachs Trainer, das alleine wäre nach den vielen, vielen Gegentoren für die Bremer schon ein tolles Kompliment gewesen.

Favre legte aber sogar noch einen drauf. Seine Mannschaft, sagte der Schweizer, habe „ein wenig Angst vor den Kontern“ gehabt. Schaaf hätte jetzt nicken können, er hätte sich vielleicht auch einfach nur bedanken können. Dinge, die man in so einer Situation halt macht. Aber Schaaf verzog keine Miene.

Vielleicht wollte er sich seine Zufriedenheit am späten Sonnabendabend nach dem 1:1 bei Borussia Mönchengladbach einfach nicht anmerken lassen. Vielleicht war das seine Art, den Kritikern zu zeigen: Euer ganzes Ist-der-Trainer-noch-der-Richtige-Gerede interessiert mich nicht!

Dieser Frage, ob er denn noch der richtige Trainer für Werder Bremen sei, musste sich der Trainer ja tatsächlich in den vergangenen Tagen immer mal wieder gefallen lassen. Nach außen versuchte er bei Fragen um seine Person zwar stets, unbeeindruckt zu wirken. Und doch war dem Trainer bei einigen Antworten anzumerken, dass die teils heftige Kritik nicht immer spurlos an ihm vorbeigezogen ist.

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Gestern Vormittag, bei der Nachbereitung des Spiels in Mönchengladbach, war das ähnlich. Schaaf trat sachlich nüchtern vor die Presse, wie man das von ihm kennt. Er war weit davon entfernt, den Punktgewinn vom Wochenende auch als persönlichen Erfolg zu werten. Dabei hatte der Trainer ja durchaus seinen Anteil am so wichtigen Erfolgserlebnis der Bremer gehabt. Schaaf hatte eine völlig neue Anfangsformation auf den Rasen geschickt als noch im Heimspiel gegen den FC Augsburg in der Woche zuvor.

Sokratis, Marko Arnautovic, Aaron Hunt und Mehmet Ekici raus. Mateo Pavlovic, Theodor Gebre Selassie, Clemens Fritz und Tom Trybull rein. Schaaf entschied sich für ein deutlich defensiver orientiertes Personal, und er wählte auch eine ungewohnt defensive Taktik: Erstmals in dieser Saison rückte der Trainer von seinem gewohnten 4-1-4-1-System mit fünf Offensivspielern ab. Stattdessen bildeten Tom Trybull und Clemens Fritz im defensiven Mittelfeld eine zusätzliche Absicherung vor der Abwehr, auch die Außenstürmer Zlatko Junuzovic und vor allem Aleksandar Ignjovski zogen sich oft weit zurück in die eigene Hälfte.

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Das zahlte sich aus. Werder stand stabiler als noch in den Partien gegen Freiburg (2:3), München (1:6) und Augsburg (0:1). „Das neue System hat uns gut getan“, sagte Torwart Sebastian Mielitz. Auch Clemens Fritz („Wir standen kompakt“) und Nils Petersen („Das war heute genau die richtige Taktik“) haben offenbar Gefallen an der neuen Grundausrichtung gefunden, mit der der Trainer auch die These seiner Kritiker widerlegt hat, er lasse seine Mannschaft immer nur mit einem festgelegten System spielen. Dieses Thema verfolgt ihn schon seit der Vorsaison, als er auch nach etlichen Misserfolgen konsequent auf die Raute im Mittelfeld gesetzt hatte. Schaaf aber interessieren diese Diskussionen nicht, sie sind ihm „Wurst“, wie er sagt.

Vielleicht hat er sich aber ja heimlich doch ein bisschen darüber gefreut, mit dem Spiel in Mönchengladbach auch den Vorwurf entkräftet zu haben, Werder könne unter dem Trainer Schaaf nicht defensiv spielen. Denn so defensiv wie am Sonnabend hat man schon lange keine Bremer Mannschaft mehr spielen sehen. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass die Zeiten des Bremer Hurra-Fußballs nun erstmal vorbei sind. „Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man Dinge weiterverfolgt, wenn sie gut funktionieren.“

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