Nach der 1:6-Niederlage in München Schaafs Geduldsprobe

Bremen. Nach der 1:6-Niederlage hat Thomas Schaaf am Dienstag viel erklären müssen - erst auf dem Trainingsplatz, später vor den Mikrofonen. Einmal mehr wirbt er für Geduld mit seiner jungen Mannschaft.
27.02.2013, 05:00
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Schaafs Geduldsprobe
Von Patrick Hoffmann

Bremen. Nach der 1:6-Niederlage hat Thomas Schaaf am Dienstag viel erklären müssen - erst auf dem Trainingsplatz, später vor den Mikrofonen. Einmal mehr wirbt er für Geduld mit seiner jungen Mannschaft.

Wer ein Smartphone und viel Freizeit hat, kann die Geschicke des SV Werder Bremen derzeit ganz einfach selbst in die Hand nehmen. Auf der Internetseite des Bundesligaklubs können sich Fans seit Kurzem den "Werder Bremen Fantasy Manager 2013" herunterladen. Als eine Art digitaler Felix Magath 2.0 können sie dann Spieler kaufen und verkaufen, die Mannschaftsaufstellung bestimmen und die Finanzen verwalten. Und wenn es zwischenzeitlich doch mal haken sollte mit dem ganz persönlichen Fußballprojekt, hilft ein digitales Abbild von Thomas Schaaf mit wertvollen Ratschlägen.

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Das klappt ganz gut in der virtuellen Fußballwelt. Im echten Leben aber wäre Bremens Trainer Thomas Schaaf gerade vermutlich selbst für ein paar wertvolle Ratschläge dankbar. Denn auch sein Fußballprojekt ist ein wenig ins Stocken geraten. Vor der Saison war viel vom Umbruch die Rede gewesen, von einem Neuanfang mit jungen, talentierten Kickern. Dafür hatte Schaaf Geduld eingefordert, und er hatte davor gewarnt, dass es immer wieder Rückschläge im Entwicklungsprozess geben werde.

Das 1:6 beim FC Bayern München am vergangenen Wochenende war so ein Rückschlag, einer von recht vielen, die Werder in dieser Saison bereits erlitten hat, und die den Klub ins Niemandsland der Tabelle geführt haben. Schaaf war also gefragt, gestern Vormittag nach dem Training, nur dass auf den gezückten Smartphones der Journalisten nicht das Manager-Spiel lief, sondern das Aufnahmegerät.

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Natürlich sei er unzufrieden, sagte der Trainer nach der hohen Niederlage gegen den FC Bayern mit den Gegentoren Nummer 42 bis 47. "Es ist ja nicht so, dass wir uns irgendeine rosarote Welt darstellen. Was wir in München erlebt haben, tut weh. Natürlich war das ein Scheißwochenende. Das war so nicht geplant." Aber jetzt gleich wieder alles infrage stellen, sich vielleicht auch selbst infrage stellen? Das ging Schaaf dann doch zu weit. "Wir haben eine völlig neue Mannschaft, und die braucht Zeit", sagte er. "Selbstverständlich wünschen wir uns eine konstant leistungsstarke Mannschaft. Aber das schaffen wir nicht so schnell. Das Problem ist doch, dass alle über Geduld reden, aber keiner will sie haben."

Schaaf merkt, dass die Stimmung in Bremen zu kippen droht. Zu schwankend sind die Leistungen in den vergangenen Monaten gewesen, und eine plausible Erklärung dafür, warum seine Mannschaft immer wieder so "böse auf die Mütze bekommt" (Schaaf) hat der Werder-Trainer auch nicht. "Wir machen halt Fehler", sagte er gestern.

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Wie lange aber darf diese Bremer Mannschaft noch so viele Fehler machen? Ein paar Wochen? Ein paar Monate? "Das wird über eine ganze Saison gehen, vielleicht auch noch über eine zweite Saison", sagte Schaaf. "Gucken Sie doch mal, wie lange Bayern München gebraucht hat, wie lange Dortmund gebraucht hat. Gucken Sie mal, wie lange Leverkusen gebraucht hat, wie lange der HSV braucht. Das geht nicht in drei Wochen oder in sechs." Mal davon abgesehen, dass ein Umbruch in München ja meist nur das Jahr zwischen zwei Meisterschaften bezeichnet: Alles das, was Schaaf gestern sagte, klang ein bisschen danach, als müsse sich das Bremer Publikum noch ein ganze Weile mit Umbruch und Mittelmaß auseinandersetzen.

Ob er denn wenigstens einen Fortschritt in der Entwicklung seiner Mannschaft sehen würde, wurde Schaaf dann noch gefragt. Er antwortete ein bisschen ausweichend. "Wir arbeiten daran", sagte er. Dann überlegte er kurz und fügte hinzu: "Es gibt viele Dinge, die in dieser Saison sehr unbefriedigend sind. Aber es gibt auch viele Spieler, die sich hier enorm weiterentwickelt haben." Als Beispiel nannte Schaaf Kevin De Bruyne. "Der spielt doch einen tollen Ball." Das stimmt. Nur spielt er den in der kommenden Saison aller Voraussicht nach wieder für seinen Stammverein FC Chelsea, von dem er ausgeliehen ist.

Werder wird sich ziemlich strecken müssen, um diesen tollen Fußballer über den Sommer hinaus an der Weser halten zu können. Beim "Werder Bremen Fantasy Manager 2013" reicht ein Tastendruck.

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