Ex-Werder-Trainer Thomas Schaaf

Schaafs Zukunft in Frankfurt ist ungewiss

Bislang ist Thomas Schaaf mit Eintracht Frankfurt nicht einmal in Abstiegsgefahr geraten. Mit der fordernden Art des ehemaligen Werder-Coaches soll manch Spieler der Hessen fremdeln.
29.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Hellmann
Schaafs Zukunft in Frankfurt ist ungewiss

Kommt am Sonnabend erstmals als Gegner ins Weserstadion: Werders Ex-Trainer Thomas Schaaf.

imago sportfotodienst, imago/Jan Huebner

Noch immer steht die Autogrammkarte von Thomas Schaaf im „Qualitätseck“ eher unbemerkt in einem Holzschränkchen neben der Kasse. In der Eckkneipe im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen schaut der Trainer von Eintracht Frankfurt häufig vorbei.

Denn der griechische Wirt ermöglicht es dem so lange für Werder arbeitenden Fußballlehrer, umgeben von traditionellen Apfelweinwirtschaften auch bremische Traditionen zu pflegen. Wie vor Wochen für Schaafs Freunde ein Grünkohlessen serviert wurde. Mit am Tisch bei Kohl und Pinkel sein altbekanntes Assistenz-Trio Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach und Michael Kraft und deren Familien, mit denen sich Thomas und Astrid Schaaf privat gern umgeben.

Auch auf einen seiner besten Freunde, eine echte Vertrauensperson, muss der 53-Jährige, der am Donnerstag Geburtstag hat, am Main nicht verzichten: Der ehemalige Bremer Jugendtrainer Bernd Pfeifer ist offiziell für die Gegnerbeobachtung eingeteilt und trägt einen Eintracht-Trainingsanzug. Wenn Schaaf seiner Mannschaft ein freies Wochenende gewährt, zieht es ihn selbst oft zurück nach Brinkum, wo er noch immer seinen Bungalow stehen hat. Nur soll bitte nicht der Eindruck aufkommen, er gehöre zu den Abertausenden Pendlern, die zur Bankenstadt keine Bindung aufbauen können.

Kritik hinter vorgehaltener Hand

Als vor dem ersten Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Verein im Dezember vergangenen Jahres ein Fernsehteam von Radio Bremen anrückte, hat Schaaf es auf einen kleinen Weihnachtsmarkt am Goetheturm geführt und seinen Berner Sennenhund Django gleich mitgenommen. Er bewohnt hier ein Domizil nah am Stadtwald, wohin jetzt die Spaziergänger strömen, um ins Grüne zu gelangen.

Auf die private und berufliche Herausforderung ließ sich Schaaf vom ersten Tag an ganz bewusst ein. Er erscheint jeden Morgen zeitig an der Arena und bleibt oft bis in den Abend auf der Eintracht-Geschäftsstelle. Und im Nachwuchsleistungszentrum findet es Leiter Armin Kraaz bemerkenswert, dass der Fleißarbeiter den am anderen Ende der Stadt gelegenen Riederwald bereits viel häufiger besuchte als Armin Veh in drei Jahren. Mit Marc Stendera (22 Saisoneinsätze) und Sonny Kittel (17) sind zwei Talente zu Stammspielern gereift. Und bislang ist die „launische Diva“ nicht einmal in Abstiegsgefahr geraten.

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Trotzdem ist längst nicht alles in Eintracht, wenn der Trainer jetzt mit seinem neuen Arbeitgeber am Sonnabend in der alten Heimat antritt. Hinter vorgehaltener Hand kennzeichnen Leistungsträger das Bild von einem gestörten Binnenverhältnis, und mit der fordernden Art soll manch Spieler fremdeln. Nur mag kein Profi öffentlich dazu etwas sagen. Reservisten, die nur die leiseste Beschwerde führten, fanden sich auf der Tribüne wieder.

Fakt ist, dass der Eintracht – genau wie Werder – die Balance nicht gelingen will. Das 4-4-2-System weist teils erschreckende Lücken auf, und Keeper und Kapitän Kevin Trapp steht mit 59 Einschlägen in einer Schießbude. Trotzdem hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen lieber das nörgelnde Umfeld kritisiert, um indirekt Schaafs Arbeit zu stützen. Der 66-Jährige verpflichtete den langjährigen Bremer bekanntlich im zweiten Anlauf, nachdem Sportdirektor Bruno Hübner vergeblich erst um Roger Schmidt, dann um Roberto di Matteo gebuhlt hatte.

Schaafs Vertrag läuft bis 2016 – und dann könnte es einen Umbruch auf allen Ebenen geben. Vorstandsboss Bruchhagen hört sicher auf, ebenso nun der Aufsichtsratschef Wilhelm Bender: Als Topkandidat fürs Kontrollgremium wird der vermögende Wertpapierhändler Wolfgang Steubing gehandelt, der möglicherweise Schaaf-Vorgänger Veh zum neuen Repräsentanten aufbauen möchte. Für den aktuellen Coach würde das gewiss nichts Gutes bedeuten.

Intern machen sich längst Zweifel breit, ob Schaaf wirklich der Richtige für die langfristige Weiterentwicklung ist. Sportchef Hübner hat angesichts zu vieler blutleerer Auftritte in jüngster Zeit einen Europacupplatz erst einmal zu den Akten gelegt und von einer „verfahrenen Situation“ gesprochen. Hübner missfällt gewaltig, dass viele der Frankfurter Berufsfußballer bereits in den Verwaltungsmodus geschaltet haben. Und er verlangt: „Die Mannschaft ist aufgefordert, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen.“ Und der Trainer?

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