Die Mein-Werder-Prognose Schafft Werder es nach Europa?

Es ist kein Muss, aber ein großer Traum: Werder will am Ende der Saison die Teilnahme am Europapokal erreicht haben. Doch wie gut stehen die Chancen? Das meinen die Experten der Mein-Werder-Redaktion.
18.01.2019, 09:47
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von mw

Mein-Werder-Experte Dieter Eilts:

„Insgesamt lechzen alle Fans und ehemaligen sowie aktuellen Werderaner natürlich danach, wieder europäisch zu spielen, aber ich denke noch nicht, dass die Mannschaft auch die Qualität besitzt, einen internationalen Platz zu erreichen. Das Team ist noch nicht in der Lage in positiver Hinsicht konstant zu spielen. Wer nur fünf Punkte aus den vergangenen neun Spielen holt, ist einfach noch nicht reif genug, um im Europapokal zu spielen. Darüber hinaus fehlt mir bei Werder aktuell noch ein richtiger Torjäger, den andere Klubs wie Eintracht Frankfurt beispielsweise haben. Es gibt zwar gute Stürmer in Bremen, aber nicht mit dieser Treffsicherheit. Des Weiteren ist Werder von einigen Spielern noch zu abhängig. Wenn zum Beispiel Philipp Bargfrede ausfällt, macht sich das sofort bemerkbar, weil der Kader noch nicht ausgewogen genug ist. Da sind andere Vereine besser aufgestellt, Bayer Leverkusen etwa. Ein einstelliger Tabellenplatz wird für Werder möglich sein, aber für mehr reicht es noch nicht.“

Reporter Malte Bürger:

„Der Fußball besitzt ja bekanntlich seine ganz eigene Dynamik. Da kann im Vorfeld noch so sehr gerechnet und orakelt werden. Gefühlt scheint Werder als Tabellenzehnter im Kampf um Europa schon geschlagenen. Andererseits beträgt der Rückstand aufs ersehnte Paradies auch gerade einmal fünf Pünktchen. Wohin also führt die Reise? Ein zweifelndes Fanherz wähnt die Konkurrenz natürlich immer ein bisschen stärker, zumindest Murphys Gesetz wird doch wohl schon dafür sorgen, dass alle anderen jubeln nur nicht Werder. Hoffnungslose Optimisten malen sich dagegen schon die Feierlichkeiten am 34. Spieltag aus. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Werder wird auf der einen Seite selbst in Vorleistung gehen und guten Fußball in der Rückrunde bieten, der dieses Mal auch noch erfolgreich ist. Auf der anderen Seite passieren gerade auf der Zielgeraden einer Saison derart viele unvorhersehbare Dinge, dass noch einmal enorme Sprünge möglich sind. Da nimmt sich ein Topteam plötzlich eine Auszeit, da ärgert ein designierter Absteiger auf einmal im Wochentakt die wesentlich besser positionierten Klubs. Genau deshalb wird Werder es am Ende hauchdünn nach Europa schaffen – nach dem Wie fragt danach sowieso niemand mehr.“

Taktikexperte Cedric Voigt:

„Eins vorweg: Dass Werder das ,Erreichungsziel' Europa League ausgerufen hat, sollte man dem Team trotz einer durchwachsenen Hinrunde nicht vorhalten. Wer drei bis fünf Punkte auf sein Ziel aufholen muss, kann sich für die Rückrunde sicher besser motivieren als jemand, der ein Acht-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge verwalten darf. Dennoch wird es verdammt schwierig, schon in dieser Saison die angestrebte Rückkehr nach Europa perfekt zu machen. Denn auch, wenn der Werder-Kader so schlagkräftig scheint wie seit Jahren nicht mehr, gibt es in der Summe doch zu viele kleine Problemzonen im Vergleich zur Konkurrenz: In der Innenverteidigung fehlt der Mittelbau zwischen Ü30-Spielern und Talenten mit Leistungsschwankungen. Im Mittelfeld hängt viel an der Fitness von Philipp Bargfrede. Und im Angriff gehört Milot Rashica, Johannes Eggestein und Josh Sargent die Zukunft, in der Gegenwart aber fehlt ein zuverlässiger Knipser. Am Ende wird Werder sich wie immer in der Rückrunde steigern. Schon gegen Hannover sollte es besser laufen als vor einem halben Jahr. Drei Punkte zum Auftakt können einen positiven Trend vorgeben. Letztlich dürfte es zu einem Endergebnis zwischen Platz sieben und Platz neun reichen – Europa wäre damit unwahrscheinlich, die Grundlage für einen neuen Versuch in der Folgesaison aber gelegt.“

Chefreporter Christoph Sonnenberg:

„Eins kann ich Werder nicht vorwerfen: Langweilig war die Hinrunde keineswegs. Nach kurzzeitiger Super-Euphorie zum Start (geht vielleicht sogar Champions League???) kam die Enttäuschung (doch wieder nur Mittelmaß!), gefolgt von Erstaunen (wunderbarer Fußball, nur zu wenig Punkte) zum Ende. In der Rückrunde darf sich Werder ein derartiges Auf-und-ab nicht leisten, wenn es für die Europa League reichen soll. Und es gibt ja durchaus Anzeichen, die positiv stimmen, dass es eine stabile Halbserie wird. In den vergangenen vier Spielzeiten war die Rückrunde besser als die Hinrunde. Wichtige Spieler wie Max Kruse, Davy Klaassen oder Ludwig Augustinsson haben sich ihre Schwächephase in der Hinrunde genommen, bei ihnen geht es nun bergauf. Und Werder hat, wie Florian Kohfeldt kürzlich erklärte, immer dann richtig gut funktioniert, wenn der Druck groß war. Den Druck, Europa zu erreichen, hat sich die Mannschaft selbst gemacht. Es wird knapp, aber ich denke, dass sie diesem Erwartungsdruck standhält und liefern wird."

Reporter Christoph Bähr:

„Drei Monate ist es gerade einmal her, dass die kühnsten Optimisten schon von der Champions League sprachen. Werder hatte beim FC Schalke erstaunlich ungefährdet gewonnen und war auf Tabellenplatz drei geklettert. Vorschnelle Träume von der Königsklasse waren zu dem Zeitpunkt natürlich vollkommen überzogen. Genauso überzogen ist es aber, angesichts von Rang zehn zur Winterpause schon alle Europa-Pläne in den Schredder zu werfen. Es gibt gute Gründe dafür, dass Werder den Rückstand noch aufholt. In den Spielen gegen Hannover (1:1), Nürnberg (1:1), Stuttgart (1:2) und Mainz (1:2) haben die Bremer mindestens sechs Punkte leichtfertig verschenkt. Mit sechs Zählern mehr würden sie jetzt auf einem europäischen Platz stehen, aber das nur am Rande. Viel wichtiger ist, dass die Mannschaft daraus lernt und solche engen Partien gegen schwächere Gegner künftig für sich entscheidet. Die Vorzeichen dafür stehen gut. Max Kruse ist auf dem Weg zur alten Form. Youngster wie Johannes Eggestein, Josh Sargent und Milot Rashica wecken Hoffnungen. Nuri Sahin konnte erstmals die Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren und wird sich steigern. Außerdem holte Werder in den vergangenen vier Jahren nach der Winterpause stets mehr Punkte als davor. Das gelingt auch dieses Mal, und die Mannschaft kämpft sich bis auf Rang sieben vor. Da der Pokalsieg an eines der Topteams geht, reicht das für Europa."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+