Werders mieseste Auftaktbilanzen Schlecht gestartet – und doch gerettet

Werder hat nach elf Spieltagen so wenig Punkte auf dem Konto wie zuletzt 1974. Immerhin: Die schlimmsten Fehlstarts der Vereinsgeschichte blieben bisher stets ohne Folgen.
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Von Christoph Bähr und Malte Bürger

Werder schreibt in der laufenden Saison Geschichte, allerdings nicht im positiven Sinne. Platz 17 und fünf Punkte – so schlecht wie jetzt standen die Bremer in ihrer Bundesliga-Historie nach elf Spieltagen bisher nur im Jahr 1974 da. Selbst als Werder in der Saison 1979/80 zum einzigen Mal abstieg, war die Ausbeute zum Auftakt mit elf Zählern aus elf Begegnungen (umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regelung) deutlich besser als heute. Der Blick auf die neun schlechtesten Saisonstarts der Vergangenheit kann Bremer Fans aber auch Mut machen, denn am Ende ist es in diesen Spielzeiten trotz des verpatzten Auftakts immer gut gegangen, und Werder blieb in der Bundesliga.

Saison 1969/70 (neun Punkte, Platz 15):

Fritz Rebell hatte vor der Saison das Traineramt übernommen, und Werder befand sich im Umbruch. Große Namen wie Max Lorenz oder Gerhard Zebrowski standen nicht mehr im Kader. Diesen Aderlass konnte die Mannschaft zunächst nicht kompensieren. Nach elf Spielen hatten die Bremer neun Zähler auf dem Konto und belegten mit 13:20 Toren den 15. Rang. Immerhin hatte die Mannschaft um Kapitän Pico Schütz und Torjäger Werner Görts – im Gegensatz zum aktuellen Werder-Team – aber schon zwei Siege eingefahren. Trainer Rebell musste im Laufe der Saison gehen und wurde durch Hans Tilkowski ersetzt. Am Ende landete Werder auf dem elften Platz.

Saison 1970/71 (neun Punkte, Platz 16):

An der Seitenlinie gab Robert Gebhardt inzwischen die Kommandos, wirklich rund lief es bei Werder aber nicht. Nach einem Unentschieden zum Auftakt gegen den 1. FC Köln gab es vier Niederlagen in Folge, erst dann stabilisierten sich die Bremer allmählich. Als die Hanseaten elf Begegnungen absolviert hatten, stand dennoch erst einmal nur Rang 16 zu Buche. Immerhin reichte es am Ende noch zu Platz zehn. Gebhardt musste in der Folgesaison gehen, nachdem die legendäre „Millionenelf“ nicht wie gewünscht gestartet war.

Saison 1972/73 (zehn Punkte, Platz 14):

Ähnlich wie in der Gegenwart herrscht bei Werder zu Beginn absolute Torflaute. Nach sechs Begegnungen hatte die Mannschaft gerade einmal dürftige drei Treffer erzielt, nach elf Partien waren es – anders als heute – wenigstens schon neun. Zwar glückten unter Trainer Sepp Piontek im weiteren Verlauf noch ein paar Siege, auf den letzten Metern der Saison folgten gar zwei imposante Heimerfolge gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) und den VfL Bochum (5:2), als Elfter reichte es in der Endabrechnung trotzdem nur für einen Platz im grauen Mittelfeld der Liga.

Saison 1974/75 (fünf Punkte, Platz 17):

Erst 0:3 gegen Frankfurt, dann 0:4 gegen TeBe Berlin – Werder stolperte in die Saison. Nach elf absolvierten Partien hatten die Schützlinge von Sepp Piontek, der trotzdem bis zum Ende der Spielzeit im Amt blieb, erst einen Sieg und zwei Unentschieden verbucht. Mit fünf Punkten und 8:28 Toren rangierten die Bremer auf Rang 17. Am Ende der Spielzeit entgingen Karl-Heinz Kamp, Werner Weist und Co. dem Abstieg als Tabellen-15. nur ganz knapp.

Saison 1998/99 (sieben Punkte, Platz 17):

Trainer Wolfgang Sidka hatte Werder in der Vorsaison auf einen guten siebten Platz geführt, doch in der neuen Spielzeit klappte nicht mehr viel. Nach elf Spieltagen waren die Bremer Vorletzter. Lediglich sieben Zähler (ein Sieg, vier Unentschieden) hatten sie bis dahin gesammelt, dabei war das Torverhältnis mit 14:19 noch recht ordentlich. Sidka hatte nach dem achten Spieltag den Trainerstuhl für Felix Magath räumen müssen, der jedoch auch keinen Erfolg hatte. Also übernahm Thomas Schaaf am 29. Spieltag das Kommando und führte Werder als Tabellen-13. zum Klassenerhalt. Als Sahnehäubchen folgte der Pokalsieg.

Saison 2000/01 (zehn Punkte, Platz 17):

Unter Thomas Schaaf ging es für Werder kontinuierlich bergauf, doch in seiner zweiten kompletten Saison als Coach kam die Mannschaft zunächst nicht richtig in Tritt. Zehn Punkte (zwei Siege, vier Remis) und 14:19 Tore nach elf Spieltagen bedeuteten den vorletzten Tabellenplatz. Als es im Winter ins Trainingslager ging, war die Situation mit Rang zwölf nicht viel rosiger, im DFB-Pokal und UEFA-Cup war man zudem ebenfalls ausgeschieden. Am Ende war aber alles wieder gut, die zweite Saisonhälfte lief zufriedenstellend und Werder beendete die Serie auf Position sieben.

Saison 2014/15 (zehn Punkte, Platz 16):

Robin Dutt ging in seine zweite Saison als Werder-Trainer, und nach drei Unentschieden zum Auftakt stürzte die Mannschaft ab. Nach einem 0:1 gegen Köln am neunten Spieltag musste Dutt gehen. Bis dahin standen für die sieglosen Bremer nur vier Punkte zu Buche. Der neue Coach Viktor Skripnik startete dann mit zwei Erfolgen, sodass Werder nach elf Begegnungen auf zehn Zähler (14:24 Tore) kam und Platz 16 belegte. Nach 34 Partien hielten die Grün-Weißen als Tabellenzehnter souverän die Klasse.

Saison 2015/16 (zehn Punkte, Platz 16):

Skripniks zweite Saison als Werder-Trainer sollte eine ganz schwierige werden, und das deutete sich schon in den ersten elf Spielen an (drei Siege, ein Unentschieden). Zehn Punkte (11:18 Tore) holten die Bremer in diesem Zeitraum und waren damit 16. Der Abstieg drohte, im Verein und im Fanlager wurde kräftig gezittert. Und zwar eine ganze Weile lang. Die Rettung schafften die Werderaner schließlich erst am letzten Spieltag durch einen späten 1:0-Sieg über Frankfurt.

Saison 2016/17 (sieben Punkte, Platz 16):

Drei Niederlagen in den ersten drei Ligaspielen führten zur Entlassung von Viktor Skripnik. Alexander Nouri stieg daraufhin vom U 23- zum Profi-Trainer auf. Unter seiner Führung holte das Team bis zum elften Spieltag immerhin noch sieben Punkte (13:29 Tore) und schob sich auf den 16. Platz vor. Dank einer phasenweise furiosen Rückrunde beendete Werder die Spielzeit dann sogar als Achter, doch diese Entwicklung konnte die Mannschaft unter Nouri bekanntlich nicht fortsetzen.

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