Warum Schaaf für Eilts der richtige Mann ist

Schluss mit Wohlfühloase im Nachwuchs

Seit Juli ist Thomas Schaaf als Technischer Direktor im Amt. Dieter Eilts zieht ein erstes Fazit und beschreibt, weshalb Schaaf die richtige Wahl ist und was er bei Werder verändern wird.
25.10.2018, 07:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts
Schluss mit Wohlfühloase im Nachwuchs
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Vor mehr als fünf Jahre trennte sich Werder Bremen vom damaligen Cheftrainer der Bundesligamannschaft. Jetzt hat eben dieser ehemalige Cheftrainer die Position des neugeschaffenen Postens des Technischen Direktors bei Werder übernommen. Die Rede ist natürlich von Thomas Schaaf, den nach Otto Rehhagel erfolgreichsten Trainer in der Vereinsgeschichte von Werder Bremen.

Das Aufgabengebiet von Schaaf ist nicht mehr der Profi-, sondern der Nachwuchsbereich. Genauer gesagt, das Leistungszentrum mit seinen U-Mannschaften sowie die Trainer der jeweiligen U-Mannschaften. Der ehemalige Bundesligatrainer soll für eine einheitliche Spielphilosophie sorgen. Dazu gehört auch eine ineinandergreifende Trainings- beziehungsweise Ausbildungsphilosophie, die sich an denen der Profimannschaft orientiert.

Es müssen klare Trainings- und Ausbildungsziele mit allen verantwortlichen Trainern entwickelt, und dann auch vom Technischen Direktor kontrolliert werden. Die Entwicklung der Spieler muss im Vordergrund stehen und nicht unbedingt ein Erfolg im nächsten Meisterschaftsspiel. Es ist sinnvoll, hochbelastete Jugendnationalspieler auch in wichtigen Spielen mal eine Pause zu geben. Oder wenn beispielsweise ein jüngerer Spieler schon im nächst höherem Jahrgang spielen kann, dies auch zu machen. Das Ziel, die Spieler an die Bundesliga heranzuführen, darf nicht für kurzfristige Erfolge aus den Augen verloren werden. Die Nachwuchsspieler sollen optimal auf die Anforderungen im Profifußball vorbereitet und ihnen die Möglichkeit gegeben werden, in kürzester Zeit Anschluss an die etablierten Spieler zu bekommen.

Frischer Wind

Für die verantwortlichen Trainer muss der Technische Direktor regelmäßig Fortbildungen organisieren, damit sie permanent auf dem neuesten Stand der Entwicklungen im nationalen und internationalen Fußball gebracht werden. Um all das umzusetzen, müssen alle verantwortlichen Trainer in einem Boot sitzen. Das gilt auch für den Trainer der Bundesligamannschaft, denn durch seine Mitarbeit dokumentiert er sein Interesse und die Wichtigkeit der Arbeit im Nachwuchsbereich.

Es gibt viel zu tun im Leistungszentrum, aber mit Thomas Schaaf an der Spitze hat Frank Baumann die richtige Person an die richtige Position gesetzt. Der neue Technische Direktor wird die Komfortzone oder auch Wohlfühloase von Werders Leistungszentrum aufbrechen und für frischen Wind sorgen.

Der neue Fixpunkt

Durch seine Arbeit bei der Uefa, für die er Turniere analysiert und technische Reports angefertigt, aber auch Spiele in der Champions League beobachtet hat, ist er genauestens informiert über die Anforderungen im internationalen Spitzenfußball. Er weiß genau, welche Fähigkeiten die jungen Spieler mitbringen müssen und er wird sie exakt darauf vorbereiten. Thomas wird der neue Fixpunkt sein, an dem sich alle orientieren und der auch klare Entscheidungen treffen wird, wenn es nötig ist.

Solch eine Person hat mir seit dem Weggang von Wolf Werner gefehlt. Werner hat als Co-Trainer unter Jupp Heynckes gearbeitet und war eine echte Führungspersönlichkeit. Er hat sich auch dann noch um Veränderungen bemüht, wenn diese von seinen Vorgesetzten eigentlich schon abgelehnt wurden. Werner war eine Autoritätsperson, die dem Leistungszentrum in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Jetzt hat das Leistungszentrum mit Thomas Schaaf wieder eine solche Person.

Die Früchte der Arbeit von Schaaf werden sicherlich nicht unmittelbar nach seinem Amtsantritt zu sehen sein, aber ich bin davon überzeugt, dass die Veränderungen, die Werder mit seiner Person anstrebt, in naher Zukunft sichtbar werden und zu neuen Erfolgen führen.

Talente dürfen nicht mehr durchfallen

Es darf nicht mehr passieren, dass es die Verantwortlichen nicht schaffen, hochtalentierte Spieler wie Niklas Schmidt an die Bundesliga heranzuführen und sie dort zu etablieren. Es sollte nicht mehr vorkommen, dass man fast sechs Jahre warten muss, bis sich wieder ein Jugendspieler aus dem eigenen Nachwuchszentrum in der Bundesliga langfristig durchsetzt. Wir alle wünschen uns mehr Spieler wie Maximilian Eggestein, Johannes Eggestein oder Luca Plogmann, die aus dem Leistungszentrum von Werder stammen und jetzt die Bundesliga bereichern.

Da Thomas Schaaf und ich schon zusammen in der Bundesliga gespielt haben und er in meinen letzten Jahren als Profi auch mein Trainer bei Werder war, drücke ich ihm ganz fest die Daumen für diese spannende aber auch herausfordernde Tätigkeit.

Also Thomas, pack an, was immer du für richtig hältst, und lass dich nicht von deiner akribischen und fordernden Arbeit abhalten.

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