Premiere in der Saison Schmidt und Mai bei Werder auf der Bank - ein Fingerzeig?

Erstmals in der laufenden Saison saßen Lars Lukas Mai und Niklas Schmidt beim Werder-Spiel gegen St. Pauli 90 Minuten nur auf der Bank. War das nur eine Verschnaufpause oder steckt mehr dahinter?
02.11.2021, 17:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Für Lars Lukas Mai war es gewiss keine Überraschung. Er hatte nach seinem haarsträubenden Fehler gegen den SV Sandhausen mit Konsequenzen rechnen müssen. Für Niklas Schmidt waren die Vorzeichen dagegen nicht so klar gewesen, aber am Ende saß der Mittelfeldspieler beim 1:1 des SV Werder Bremen gegen den FC St. Pauli genauso wie sein Kollege aus der Abwehr 90 Minuten lang nur auf der Bank.

Es war das erste Mal in der laufenden Saison, dass Trainer Markus Anfang gar nicht auf Schmidt setzte und das zweite Mal, dass auch Mai nicht mitwirken durfte. Nun gehört es im Fußball – gerade für junge Spieler – dazu, mal nur der zwölfte oder 13. Mann zu sein. Es muss auch nicht auf jede Nicht-Berücksichtigung hypersensibel reagiert werden. Doch wenn – wie in beiden Fällen – die Leistungskurven schon vorher klar im Negativtrend gewesen waren, zudem Änderungen in Ausrichtung und Besetzung der Mannschaft einen persönlichen Nachteil bringen, dann stellt sich schon die Frage: Wo bleiben jetzt Mai und Schmidt?

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Clemens Fritz stellt in seinen Antworten eines klar nach vorne: Sorgen macht sich der Leiter Profi-Fußball weder um den einen noch um den anderen. „Er ist ein super Typ mit einer starken Mentalität“, sagt er über Mai – und über Schmidt dann dies: „Wir haben ein unglaublich hohes Vertrauen in ihn.“ So hoch ist es, dass Werder den 23-Jährigen Anfang Oktober mit einem neuen Vertrag ausstattete. Doch es fällt auf, dass der Mittelfeldspieler, Typ Spielmacher, nicht mehr die Leistung abruft, die ihn noch zu Saisonbeginn zu einem Aufsteiger im Team des Absteigers gemacht hatte. Einen Zusammenhang zwischen Vertragsunterschrift und Leistungsknick will Fritz freilich nicht erkennen: „Ich würde nicht sagen, dass seitdem nichts mehr kommt. Niklas hat es eine Zeit lang sehr gut gemacht, jetzt hat er ein paar Schwankungen drin, was aber normal ist.“

Schmidt war lange der Standard-Beauftragte bei Werder, Coach Markus Anfang nannte die Ecken und Freistöße des 23-Jährigen eine „Waffe“. Und das waren sie auch. Doch dann entdeckte Anfang, dass Marvin Ducksch aus ruhenden Bällen ebenso gut gefährliche Bälle machen kann. Was Schmidt ein Stück verzichtbarer machte. Weil sein Einfluss auf das Bremer Spiel auch sonst mehr und mehr nachließ, der Trainer schließlich gegen St. Pauli mit langen Bällen auf die Doppelspitze Ducksch/Füllkrug operieren ließ, statt den Ball durch das Mittelfeld laufen zu lassen, war Schmidt am Wochenende gar nicht mehr gefragt. Fritz sieht darin aber mehr ein Einzelereignis als einen Trend: „Es kommt immer auf das Spiel an. Niklas wird auf jeden Fall weiter Einsätze bekommen. Ich habe eine hohe Meinung von ihm.“

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Dass Markus Anfang eine solche auch von Lars Lukas Mai hat, ist allgemein bekannt. Schließlich holte er seinen Spieler bei Darmstadt 98 auch nach Bremen. Doch der Rückpass in Sandhausen, der dem Gegner einen Elfmeter und Werder in dem Spiel aus dem Tritt brachte, ließ dem Trainer fast keine andere Wahl, als den U21-Nationalspieler gegen St. Pauli rauszunehmen. Zudem stellte Anfang auf Dreierkette um – auch ein Grund, weshalb Mai nicht erste Wahl war. Wenn in Kürze Ömer Toprak ins Team zurückkehrt, dürfte es noch enger werden für die Leihgabe des FC Bayern.

Doch selbst wenn die Durststrecke für Mai länger werden sollte, ist sich Fritz einer Sache total sicher: Aufgeben wird der 1,90 Meter große Verteidiger nie: „Er spielt seine zweite Saison in der 2. Liga, kann noch kein gestandener Spieler sein. Er macht sicherlich noch Fehler, aber er bricht deswegen nicht zusammen, sondern lernt daraus. Und er kommt immer über die Mentalität, hat einen starken Charakter. Lasse traut sich was auf dem Platz, versteckt sich nie. Ich finde, er hat auch eine gute Spieleröffnung.“ Kurzum: Die Veranlagung passt, doch zur Entwicklung gehören auch Verschnaufpausen. So sieht es jedenfalls Fritz und bescheinigt Mai: „Er bringt alles mit.“ 

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