Werder besiegt Leverkusen Schöne Bescherung für Dutt

Bremen. Werders Heimsieg gegen Leverkusen hat Robin Dutt emotional stark berührt. Die Erleichterung war dem Trainer anzumerken.
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Schöne Bescherung für Dutt
Von Patrick Hoffmann

Der SV Werder geht mit einem Erfolgserlebnis in die kurze Winterpause. Der Fußball-Bundesligist setzte sich gestern Nachmittag gegen Bayer Leverkusen etwas unerwartet mit 1:0 durch und kletterte in der Tabelle auf Platz elf. Das Tor des Tages erzielte der argentinische Linksverteidiger Santiago Garcia.

Kurz nach dem Schlusspfiff hatte Santiago Garcia die passende Arbeitskleidung für diesen so besonderen Tag gefunden. Der Linksverteidiger des SV Werder streifte sich einen roten Mantel über, setzte sich eine Zipfelmütze auf und schulterte einen großen, braunen Sack. Und während aus den Lautsprechern des Weserstadions besinnliche Weihnachtsklänge säuselten, schossen Garcia und seine Kollegen einige Dutzend Fußbälle auf die Ränge.

Das kam erwartungsgemäß gut an bei den meisten der 39145 Zuschauer, die mit winkenden Armen nach weiteren Bällen verlangten. Dabei hatte ihnen Garcia das größte Geschenk ja schon einige Minuten früher gemacht, als er noch in grün-weißer Sportkleidung auf dem regennassen Rasen gestanden hatte. Der Argentinier hatte eine Viertelstunde vor Spielende das Tor des Tages geschossen und Werder so zu einem unerwarteten 1:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen verholfen. Die Bremer überwintern nun auf Tabellenplatz elf, noch vor dem Hamburger SV übrigens – und wie wichtig diese drei Punkte in der momentanen Situation für den Klub waren, konnte man später im Gesicht von Robin Dutt ablesen.

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Der Bremer Trainer wirkte völlig abgekämpft, als er knapp eine Stunde nach dem Spiel zur Pressekonferenz erschien. „Nehmen Sie es mir nicht übel“, sagte Dutt gleich zu Beginn, „aber ich möchte heute eigentlich gar nicht so viel zum Spiel sagen.“ Er konnte es wohl auch gar nicht. Dutt war die Ergriffenheit jedenfalls deutlich anzusehen, er hatte feuchte Augen. „Heute ist ein großer Druck von uns allen abgefallen“, sagte der 48-Jährige. Und wer den sonst so redseligen Fußballlehrer in diesem stillen Moment erlebte, hatte keinen Zweifel daran. Das gestern, gab der Trainer zu, sei einer der emotionalsten Tage für ihn seit Amtsantritt an der Weser vor ziemlich genau sechs Monaten gewesen.

Seit Sommer hat Dutt in Bremen etliche Höhen und Tiefen durchlebt, wobei es zuletzt eher weniger Höhen und mehr Tiefen waren: 2:3 gegen Mainz, 4:4 in Hoffenheim, 0:7 gegen München, 2:3 in Berlin. Werder hatte die Balance zwischen Abwehr und Angriff in den vergangenen Wochen völlig verloren, und deshalb wählte Dutt gestern gegen Leverkusen eine deutlich defensivere Taktik, mit zwei Absicherungen vor der Abwehr (Cedrick Makiadi und Philipp Bargfrede), mit zwei weit zurückgezogenen Flügelstürmern und mit Aaron Hunt und Nils Petersen als Alleinunterhalter im Angriff. Wobei der Einsatz von Hunt durchaus überraschend kam. Der Mittelfeldspieler hatte sich Anfang der Woche einen minimalen Muskelfaserriss zugezogen und war erst am Freitag wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt.

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Und der 27-Jährige bewies einmal mehr, wie wichtig er für Werder in dieser Saison ist. Hunt war Dreh- und Angelpunkt im Bremer Angriffsspiel und bereitete auch das Siegtor von Garcia vor. Nach einem klasse Solo landete sein Pass bei Makiadi und anschließend irgendwie vor den Füßen von Garcia, der aus 14 Metern einschob (74.). „Aaron hat ein super Spiel gemacht“, fand auch Bremens Sportchef Thomas Eichin, der dank des Sieges ein deutlich positiveres Zwischenfazit ziehen konnte als befürchtet. „Mein Ziel waren 20 Punkte nach der Hinrunde, jetzt sind es 19 geworden“, sagte Eichin und stellte fest: „Das ist nicht so weit davon entfernt.“ Eichin sagte aber auch: „Nach diesem Sieg gegen Leverkusen ist nicht alles gut.“ Ähnlich sah es auch Hunt. „Wir müssen ehrlich zueinander sein: Wir haben zu wenig Punkte geholt“, sagte der Spielmacher, der den verletzten Clemens Fritz als Mannschaftskapitän vertrat. Fritz musste aufgrund von Problemen mit dem rechten Hüftbeuger passen, teilte der Klub vor dem Anpfiff mit.

Für den 33-Jährigen rückte Theodor Gebre Selassie auf die rechte Abwehrseite, zudem bot Dutt den gerade erst wieder genesenen Sebastian Prödl in der Innenverteidigung auf. Und der Österreicher machte seine Sache gegen die allerdings auch enttäuschenden Leverkusener hervorragend. „Wir wollten heute über unsere Defensive zum Erfolg kommen“, sagte Prödl, „aber dass das so ausgegangen ist, ist natürlich ein Traum.“

Und Dutt? Der suchte auch gegen Ende der Pressekonferenz noch immer nach den richtigen Worten für das, was er da gerade erlebt hatte. „Ich bin einfach nur glücklich“, sagte der Bremer Trainer. Und: „Frohe Weihnachten.“

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