Werder Bremen Schoppenhauer sieht seine Chance

Donaueschingen. Clemens Schoppenhauer will in der Verteidigung von Werder Bremen mehr als ein Notnagel sein. "Ich sehe die Chance", so der 19-Jährige. Werder-Boss Klaus Allofs glaubt, dass Schoppenhauer seinen Weg gehen werde.
19.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Schoppenhauer sieht seine Chance
Von Olaf Dorow

Donaueschingen. Er ist ein guter Junge. Das hat Thomas Schaaf über ihn gesagt. Werders Trainer hat über Clemens Schoppenhauer aber auch gesagt, dass es fatal wäre, aus Verletzungs- beziehungsweise Sparzwängen ihn sofort bringen zu müssen in der Bundesliga. Dann müsste man die Saisonziele korrigieren.

So ist der junge Mann aus Stotel bei Bremerhaven, gerade 19 Jahre alt, zu einer Art Drohgebärde geworden in dem schwelenden Konflikt um Geld und Risiko. Zugespitzt formuliert nach dem Motto: Wenn kein weiterer Innenverteidiger hinzukommt, werdet ihr schon sehen; dann gehen wir halt mit Balogun und Schoppenhauer ins Rennen. Das kann einen 19-Jährigen schon mal umtreiben, dass das so oder so ähnlich in den Zeitungen steht. Mittlerweile diskutiert schon die halbe Stadt darüber.

Clemens Schoppenhauer sitzt in der Hotellobby des "Öschberghofes" in Donaueschingen. Er schaut dem Reporter in die Augen, er überlegt, wie er was formuliert. Nicht, weil er nicht wüsste, was er sagen soll, sondern weil er es gut sagen will, durchdacht. "Ich sehe mich nicht als Notnagel", sagt er, "ich sehe die Chance." Es belaste ihn nicht, dass Schaaf das mit dem Fatalen gesagt hat. Er fühle sich "nicht auf den Schlips" getreten, er sei doch logischerweise noch keine Routinier, es überwiege die Vorfreude. Er habe auch "keinen Bammel" davor, Fehler zu machen. "Fehler gehören dazu", sagt er, "ich habe schon viele gemacht." Man lerne ja daraus.

Zurzeit ist er so etwas wie ein Stammspieler. Mertesacker, Naldo, Prödl, Silvestre sind verletzt, der Etat ist vorerst ausgereizt. Hat er bislang seine Chance schon genutzt? Wieder überlegt er, um es gut zu sagen. In einer Reporterrunde wie hier im "Öschberghof" sitzt er eher selten, mehrere Mikrofone sind scharf gestellt. "Ich bin dabei, sie zu nutzen", sagt er. Ob er seine Chance genutzt habe, würde sich zeigen, wenn Schaaf ihn tatsächlich zum Pflichtspielstart aufstellen würde.

Werder-Chef Klaus Allofs sagt, dass es ein Riesenschritt sei, Woche für Woche Bundesliga zu spielen. Aber Clemens Schoppenhauer werde seinen Weg gehen. Der junge blonde Mann, groß geworden bei der JSG Weser-Stotel, hat einen Kindheitstraum. Er will ein Bundesligaprofi werden, möglichst beim SV Werder.

Der Fußball als Lebensmittelpunkt

Man kann sagen: Er hat einen Traum, ohne ein Träumer zu sein. Es gibt diesen klaren Plan in seinem Kopf. So gesehen passt er ganz gut in die neue deutsche Fußballzeit: Junge Leute, die wissen was sie wollen, die für Aufsehen sorgen ohne auf den Putz zu hauen. Der aktuelle deutsche Meister Borussia Dortmund ist der jüngste deutsche Meister aller Zeiten.

Werders Abwehr-Jüngling hat gerade Abitur gemacht, mit Sport und Deutsch im Leistungskurs. Und er sagt nicht, was Abiturienten erst mal gern sagen: mal gucken. Er sagt, dass er sich jetzt ganz auf den Fußball konzentrieren will. In ihm steckt die innere Überzeugung, dass er sich durchsetzen wird. Noch hat er nur einen Vertrag als Amateur, bis 2012. Aber er will das schaffen, Profi zu werden. "Fußball soll mein Lebensmittelpunkt werden", sagt er.

Wenn aus ihm und seinen Plänen etwas wird, dann wird man einmal berichten können: Bloß gut, dass Werder 2004 das Double geholt hat, da hat der Verein gleich etwas für die Generation von morgen getan. Clemens Schoppenhauer war damals zwölf, als er zur Meisterfeier nach Bremen fuhr, Schaaf und Allofs, Ailton und Micoud sah. Und spätestens da war es um ihn geschehen. Er kommt aus einer Familie, die mit Fußball nicht besonders viel am Hut hat. Aber nun, in dieser wundervollen Werder-Double-Jubel-Zeit, wurde der Plan geboren, ein Werder-Profi werden zu wollen. Er übte noch mehr und landete in Werders U14. Täglich holte ihn ein Fahrdienst aus Bremerhaven ab.

Noch ist er kein Profi, zumindest keiner mit Vertrag. Der Weg, den er gehen will, ist verdammt schwer. Er findet es auch eine sehr schwere Frage, ob er nun eigentlich zu den Profis oder Amateuren gehört. Schwer auch deswegen, weil er ehrlich antworten will - und nicht nur, damit irgendwas gesagt ist. "Beides so ein bisschen", sagt er schließlich. Er fühle sich schon dazugehörig, fühle sich aber auch als Teil der U23.

Noch so eine schwere Frage kommt aus der Reporterrunde: Findet er es eigentlich gut oder nicht gut, dass Werders Sportliche Leitung gerne noch einen weiteren Innenverteidiger holen würde? Er will ehrlich sein, und deswegen gibt er zu: Seine Chancen zu spielen, würde das verringern, wenn noch jemand kommt. Andererseits sei eine weitere Verstärkung zum Wohle des Vereins eine gute wie wichtige Sache. Die letztlich auch ihm guttäte. Schließlich profitiere er vom erfahrenen Nebenmann Andreas Wolf, der ihm Tipps gibt. Auch mit seinem jungen Kollegen (und Konkurrenten) Leon Balogun hat er vereinbart, sich gegenseitig auf Fehler hinzuweisen.

Der Weg wird kein leichter sein für Clemens Schoppenhauer, er steht ganz am Anfang. Trotzdem kann man in mehrfacher Hinsicht sagen: Er ist weiter als manch anderer 19-Jähriger. Das auf jeden Fall.

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