Werder Bremen Schwankende Leistungen bei Werder

Bremen. Werders Torwart Sebastian Mielitz wird in Freiburg zur Blaupause seiner Mannschaft: Erst offenbart er Schwachpunkte – doch im entscheidenden Moment ist er auf dem Posten.
28.09.2012, 05:00
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Schwankende Leistungen bei Werder
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Werders Torwart Sebastian Mielitz wird in Freiburg zur Blaupause seiner Mannschaft: Erst offenbart er Schwachpunkte – doch im entscheidenden Moment ist er auf dem Posten.

Nach dem Spiel setzte ein kleiner Stau ein. Nicht zu vergleichen mit dem, der Werder vor der Partie wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens rund um die Freiburger Fußballarena verspätet hatte ankommen lassen. Nein, einige Werder-Profis und -Trainer blieben direkt vor dem Spielerausgang stehen. Ursache der stockenden Abreise: ein Fernseher, auf dem gerade Bilder der Partie in Freiburg liefen. Auch Sebastian Mielitz und sein Torwarttrainer Michael Kraft sahen zu, und während Mielitz schweigend Gebäck aß, sagte Kraft: "Das war ganz wichtig."

Man darf diese Aussage grundsätzlich verstehen, denn ganz wichtig war der Bremer Sieg im Breisgau allemal. Gemünzt hat Kraft sie jedoch auf eine ganz bestimmte Szene: Jene aus der 46. Minute, als sein Schützling Mielitz Werder mit einer Glanzparade vor dem 0:2 bewahrte. Stattdessen machte Joseph Akpala 60 Sekunden später das 1:1 – die Bremer waren wieder im Spiel.

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Der Blitzreflex gegen den Ex-Bremer Max Kruse, der aus nur vier Metern abgezogen hatte, war Mielitz’ eindrucksvollste Tat, seit er Werders Nummer eins ist. Beim Sportinformationsdienst brachte sie ihm am Mittwochabend erstmals gar die Nominierung in die SID-Mannschaft des Spieltages. Unberücksichtigt blieb dabei aber, dass der Schlussmann in Freiburg nicht nur die schönen Seiten der Bremer Auswärtsleistung widergespiegelt hatte, sondern dass sein Auftritt eine Blaupause für das gesamte Werder-Spiel war. Und das bot wenige Glanz- und viele Schwachpunkte.

Klaus Allofs hatte schon nach dem Stuttgart-Spiel lakonisch festgestellt, dass "Fußball ein Fehlerspiel" sei. In Freiburg schienen drei Tage später beide Mannschaften die Interpretation des Werder-Chefs bestätigen zu wollen: Der Streufaktor in den Zuspielen wurde hüben wie drüben so eindrucksvoll erweitert, als stünde präzises Passspiel auf dem Index. Weshalb die Devise des Abends lange lautete: Es verliert, wer die meisten Fehler macht. Oder die größten. Letzteres passierte schließlich Werders Kapitän Clemens Fritz, dessen viel zu kurz geratener Rückpass zu einem Freistoß für Freiburg führte – und der wiederum zum 1:0 der Gastgeber durch Jonathan Schmid (36.). "In der ersten Halbzeit", sprach aus Fritz auch Selbstkritik, "haben wir das schlecht gemacht."

Für Sebastian Mielitz gab es in diesem Moment nichts zu halten. Er machte sich lang und länger und alles richtig, den Ball aber, der in den Torgiebel fiel, konnte er nicht erreichen. Trotzdem war auch an ihm das Spiel bis dahin vorbeigelaufen: Seine sichtbare Nervosität, die sich vor allem zeigt, wenn er den Ball schnell ins Spiel zurückbringen will, gipfelte in einer eigentlich harmlosen Szene: Einen Rückpass von Sokratis wollte er postwendend dem Absender zurückspielen – und verursachte stattdessen eine völlig unnötige Ecke (22.).

"Wir werden innerhalb von drei Tagen jetzt nicht plötzlich keine Fehler mehr machen", winkte Allofs nach den 90 Minuten ab, in denen Werder nach der Pause seine Fehlerquote deutlich reduzierte und seine Chancen effektiv nutzte. Auch Mielitz wirkte etwas sicherer – vor allem aber hielt er das, was auf sein Tor kam, durchaus souverän. Und es kam einiges, denn Werder schaltete in den letzten zehn Minuten rein auf Abwehrmodus. Fritz mutmaßte: "Vielleicht hatten wir Hannover in den Köpfen, wo wir zum Schluss zu viel wollten" – und bestraft wurden. In Freiburg blieb die Strafe aus, obwohl die Gastgeber noch mit Großchancen durch Daniel Caligiuri, der den Pfosten traf (85.), und Mensur Mujdza, der völlig frei stehend über das Tor köpfte (89.), aufwartete. "Wir hätten wohl mehr Entlastungsangriffe fahren müssen", überlegte Innenverteidiger Sebastian Prödl, "da war natürlich viel Glück dabei." Und Allofs verwies auf die relativ geringe Erfahrung der Mannschaft: "Da sind wir einfach noch nicht abgeklärt genug." So oder so: Gegen eine effektiver angreifende Mannschaft als Freiburg hätte diese Schlussoffensive wohl den Ausgleich gebracht.

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Eine solche Mannschaft wird morgen in Bremen gastieren. "Natürlich müssen wir uns steigern", sagte Aaron Hunt mit Blick auf die Bayern, "wenn man schon gegen Freiburg so viele Chancen zulässt." Immerhin: Der zweite Saisonsieg nimmt einigen Druck. "Das ist jetzt eine ganz andere Ausgangsposition", atmete Allofs auf, "jetzt können wir das relativ locker spielen."

Vielleicht hilft diese Erkenntnis ja auch Sebastian Mielitz, seine Unruhe ein Stück weit abzulegen. In Freiburg jedenfalls, als seine Vorderleute auf Teufel komm’ raus, aber auch kopflos verteidigten, bewies er plötzlich die Abgeklärtheit, die seinen Vorderleuten fehlte. Er spielt einfach konsequent auf Zeit. Die Gelbe Karte, die er dafür beim zweiten Mal kassierte, war später im Fernsehen nicht mehr zu sehen.

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