Werders Saisonvorbereitung Selassie gefällt neue Rolle

Bremen. Er kam im Sommer 2012 nach der Europameisterschaft als hoffnungsvoller Außenverteidiger. Unentbehrlich hat sich Theo Gebre Selassie seitdem bei Werder aber nicht machen können. Das soll in seiner neuen Rolle anders werden.
05.08.2014, 08:17
Lesedauer: 3 Min
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Selassie gefällt neue Rolle
Von Marc Hagedorn

Bremen. Er kam im Sommer 2012 nach der Europameisterschaft als hoffnungsvoller Außenverteidiger. Unentbehrlich hat sich Theo Gebre Selassie, immerhin tschechischer Nationalspieler, seitdem bei Werder aber nicht machen können. Das soll nun anders werden: als Mittelfeldspieler.

Was sofort auffällt: die Sprache. Theo Gebre Selassie spricht inzwischen ganz ausgezeichnet Deutsch. Bis in die vergangene Saison hinein mussten sich Spieler und Reporter mit einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch behelfen, wenn sie sich verständigen wollten. Das war kein großes Problem, denn über Theo Gebre Selassie gab es ohnehin nicht so sehr viel zu berichten, weswegen er auch nicht zu den Top 10 der am häufigsten gewünschten Interviewpartner gehörte.

Das könnte in dieser Saison aber anders werden, und da trifft es sich gut, dass sich Gebre Selassie, der gebürtige Tscheche und Sohn eines äthiopischen Vaters, inzwischen so hervorragend ausdrücken kann. Gebre Selassie könnte in der anstehenden Spielzeit, seiner dann bereits dritten in Bremen, eine bedeutendere Rolle spielen als bisher. Er sagt das in dem folgenden Gespräch zwar nicht so offensiv, aber dieser Theo Gebre Selassie im Sommer 2014 ist ein anderer als der Theo Gebre Selassie, der 2012 zu Werder gekommen ist – und das erkennt man nicht nur an der Sprache.

Theo Gebre Selassie ist kräftiger geworden, muskulöser. Er trainiert in Bremen mehr als zu seiner Zeit in Tschechien bei Slovan Liberec oder Slavia Prag. „Ich bleibe nach dem Training länger im Kraftraum“, sagt der 27-Jährige.

Kurz nach der Europameisterschaft 2012 war er als leichtfüßiger Außenbahnrenner von Werder verpflichtet worden. Gebre Selassie spielte eine Premierensaison in derBundesliga, die typisch ist für einen Spieler aus einer international nicht so starken Liga. Selbst die regelmäßigen Einsätze in der Nationalmannschaft konnten nicht verhindern, dass Gebre Selassie Umstellungsprobleme hatte; Tempo, Intensität, die taktischen Anforderungen in der deutschen Liga waren größer als gewohnt.

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Auch die zweite Saison bedeutete lange Zeit keinen Fortschritt. Dass man Theo Gebre Selassie trotzdem nicht abschreiben darf, liegt im letzten Viertel der vergangenen Spielzeit begründet. Damals nämlich wurde aus dem gelernten Außenverteidiger Gebre Selassie der Mittelfeldspieler Gebre Selassie. Die letzten vier Saisonspiele absolvierte er allesamt über die kompletten 90 Minuten, schoss gegen die Bayern und Bayer Leverkusen sogar ein Tor. Für Thomas Eichin, Werders Geschäftsführer Sport, ist Gebre Selassie deshalb einer der Spieler, die jetzt einen besonders großen Schritt nach vorn machen sollen.

Die Vorbereitung läuft für den Spieler, der seit Kurzem Papa eines Sohnes ist, nach Plan. „Ich bin zwar fast nie mit mir zufrieden“, sagt Gebre Selassie, „aber es ist seit derRückrunde schon viel besser.“ Robin Dutt hat ihn in allen Testspielen eingesetzt, gegen Bilbao und Innsbruck von Beginn an, beim 3:0 gegen Chelsea am Sonntag kam er nach einer Stunde für den offensiver ausgerichteten Fin Bartels ins Spiel. Gebre Selassie ist vor allem dann eine Option im rechten Mittelfeld, wenn Werder tiefer und kompakter stehen will. In diesem Fall ist er die ideale Unterstützung für Kapitän Clemens Fritz, der hinter ihm spielt. Gegen die Bayern klappte das im Vorjahr eine Halbzeit lang besonders gut.

Ein mannschaftsdienlicher Spieler

Hinten rechts in der Viererkette sieht er sich nur noch „wenn’s dort Probleme“ gibt. „Ich hoffe, dass ich im Mittelfeld spielen kann.“ Und dann am liebsten rechts in der Raute. Zwar hat Dutt in der Vorbereitung auch ein 3-5-2-System trainieren und spielen lassen, also mit einem zusätzlichen Platz im Mittelfeld. Aber obwohl dieses System Gebre Selassies Chancen auf einen Startelfplatz rein rechnerisch erhöhen würde, mag er nicht dafür werben. „Beim 3-5-2 muss man sehr ballsicher sein, man muss das sehr gut eingeübt haben“, sagt er. Soweit ist die Mannschaft aber offenbar noch nicht. „Mit der Raute sind wir besser“, sagt Gebre Selassie ganz mannschaftsdienlich.

Im Trainingslager in Österreich brachte ihm diese Haltung einmal sogar einen Sonderapplaus von Mannschaft und Trainer ein. Weil beim abschließenden dritten Teil des Triathlonwettbewerbs, dem Fahrradfahren, Kollege Marnon Busch nicht mittun konnte, absolvierte Gebre Selassie die komplette Strecke kurzerhand selbst. „Wir sind ein Team, gut so, Theo“, sagte Robin Dutt bei der Zieleinfahrt. Das würde Gebre Selassie nur zu gern wieder hören, wenn demnächst die Pflichtspiele beginnen.

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