Kaum Zuschauer beim Werder-Testspiel Sieg mit Beigeschmack

Tianjin. Werder hat sein sportliches Programm der China-Reise mit einem 2:1 gegen Tianjin TEDA zu Ende gebracht. Das Spiel wollten allerdings nur 3500 Zuschauer sehen. Für die Gründe kann Werder selber aber nichts.
06.07.2014, 00:00
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Sieg mit Beigeschmack
Von Thorsten Waterkamp

Auf dem alten chinesischen Markt im Herzen Tianjins bekommt man alles, was das Luxus-Herz begehrt. Rolex, Bulgari, Prada neben Nippes und Jade – alles garantiert echte Kopien. Werders Fußballer waren am Sonnabend nicht auf dem Markt, sondern auf dem Rasen, was aber am Ergebnis nicht wesentlich etwas änderte. Warum nur sah der Pokal, den es für das schmeichelhafte 2:1 (0:1) gegen Tianjin TEDA gab, jener Trophäe, die es drei Tage zuvor in Changchun gegeben hatte, bloß so ähnlich?

„Ob das der gleiche ist, weiß ich nicht“, scherzte Sportchef Thomas Eichin nach dem zweiten Testspielerfolg im Land der Kopisten, auch wenn dieser Sieg deutlich schwerer fiel als der in Changchun. Tianjin TEDA hatte die Bremer Abwehr vor allem im ersten Abschnitt mehrmals in Verlegenheit gestürzt und hätte zur Pause höher führen können als nur 1:0. Einmal pfiff der Schiedsrichter den Siebten der chinesischen Super League zurück und verweigerte einem Treffer die Anerkennung (10.); ein anderes Mal rettete Raphael Wolf mit einem Reflex gegen einen Kopfball des kolumbianischen Stürmers Carmelo Valencia (32.), dann drosch der Brasilianer Andrezinho den Ball über das Bremer Tor (36.). Mehrfach gelang es den Gastgebern, mit Pässen in den Raum die Bremer Viererkette zu düpieren. Die Pausenführung durch Andrezinho (41.) war verdient, zumal Tianjins Du Zhenyu noch das 2:0 auf dem Fuß hatte (45.).

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„Das war nicht einfach“, sagte Eichin später, nachdem Nils Petersen (53.) und Eljero Elia (72.) das Spiel gedreht und der Schiedsrichter nach einem Lukimya-Foul (79.) keinen Strafstoß für Tianjin gegeben hatte. Die Bremer litten sichtlich unter den Strapazen, die die China-Reise mit Smog, Schwüle, Reisestress und Zeitumstellung mit sich gebracht hatte. „Wir waren kaputt“, verwies Werders Sportchef zwar auf die „tropischen Bedingungen“. Aber er zollte Tianjin TEDA – der Klub des niederländischen Trainers Arie Haan steckt selbst in der Vorbereitung auf die in zwei Wochen beginnende Rückrunde – auch Respekt: Auf dem stumpfen Rasen „haben die das gut gemacht“, fand Eichin.

50 Euro für eine Sitzplatzkarte

Insgesamt gaben sich Eichin und auch Robin Dutt mit dem sportlichen Beiprogramm der Werbereise durch China zufrieden. Enttäuschend dagegen aber war das Interesse, das den beiden Spielen entgegengebracht wurde. Wie schon am Mittwoch in Changchun kamen auch am Sonnabend nur etwa 3500 Zuschauer. Sie verloren sich im modernen Tianjin Olympic Center – in die Arena, die von außen wie das Bremer Universum in XXL aussieht, passen 60.000 Zuschauer. „Schade“ sei das, sagte Eichin zunächst und gestand schließlich ein, eigentlich mit mehr Besuchern gerechnet zu haben.

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Schließlich ging es für Werder nicht nur darum, die DFL in China zu vertreten. Der Klub wollte sich auch selbst präsentieren und sich für mögliche Werbepartner – sprich: Sponsoren – interessant machen. Der schwache Besuch indes könnte die guten Absichten ein Stück weit konterkariert haben.

Dafür allerdings kann Werder selbst gar nichts. Vielen Einheimischen dürfte der Besuch im Stadion schlichtweg zu teuer gewesen sein. Preise von bis zu 50 Euro, die in Tianjin für einen normalen Sitzplatz aufgerufen wurden, vertragen sich nicht mit einem durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen von umgerechnet etwa 1000 Euro. Zum Vergleich: In der Chinese Super League kostet der Besuch eines Spiels von Tianjin TEDA umgerechnet etwa sechs Euro. Die Preise für die Testspiele jedoch setzte Werders chinesische Partneragentur fest, die an den Zuschauereinnahmen ordentlich partizipiert. Das ging auch am Sonnabend wieder auf Kosten chinesischer Fußballfans und auf Kosten Werders – und ist ein Modell, das sich eher nicht zum Kopieren eignet.

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