Zurück nach vorn So hat Alexander Nouri Werder Bremen gestärkt

Gebre Selassie statt Santiago Garcia, Fritz zurück in die Startelf, Viererkette: Werders Trainer Nouri hat einige seiner Entscheidungen rückgängig gemacht und die Mannschaft dadurch gestärkt.
20.02.2017, 00:00
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So hat Alexander Nouri Werder Bremen gestärkt
Von Nikolai Fritzsche

Gebre Selassie statt Santiago Garcia, Fritz zurück in die Startelf, Viererkette: Werders Trainer Nouri hat einige seiner Entscheidungen rückgängig gemacht und die Mannschaft dadurch gestärkt.

So mancher Werder-Fan mag am Sonnabend an Berlin gedacht haben. Zum einen waren da die offensichtlichen Parallelen: Das 1:0 in Berlin am 10. Dezember war der letzte Werder-Sieg und das letzte Spiel ohne Gegentor bis zum 2:0 in Mainz. Aber da war noch mehr. Wie in Berlin überließ Werder auch in Mainz der Heimmannschaft das Spiel, zog sich weit zurück, griff den Gegner meist erst in der eigenen Hälfte an.

Wie in Berlin ging Werder in der ersten Halbzeit in Führung. Und wie in Berlin verteidigte Werder auch danach so kompakt, dass die Führung bis zum Schlusspfiff Bestand hatte. Man kann es auch so ausdrücken: Werder hatte, in Mainz wie in Berlin, einen klar erkennbaren Matchplan, und er ging auf.

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Dieser Plan war in Mainz ein anderer als in Augsburg, er war anders als in allen anderen Spielen seit der Winterpause. Er lautete: Gegentore verhindern. Und nur so nach vorne spielen, dass sich daraus bei eigenen Ballverlusten keine Konterchancen für den Gegner ergeben. „Wir wollten aus der Kompaktheit spielen, weil wir wussten, dass Mainz im Umschalten nach vorne über große Qualität verfügt“, sagte Trainer Alexander Nouri.

Spieler mögen Viererkette

Als geeignetes System dafür betrachtete Nouri, anders als in den vorigen vier Spielen, die Viererkette mit zwei defensiven Mittelfeldspielern davor. Das erwies sich als gute Entscheidung – Werder ließ wenig Mainzer Torchancen zu. Ob es auch am System lag, dass die Spieler, anders als in den vorigen Spielen, keine folgenschweren Fehler machten, lässt sich nicht so einfach beantworten.

Die Spieler sprachen sich aber mehr oder minder deutlich dafür aus, die Viererkette auch für die nächsten Partien in Erwägung zu ziehen. Clemens Fritz antwortete auf die Frage, ob Werder mit dem veränderten Spielsystem defensiv sicherer stehe: "Man hatte heute zumindest den Eindruck." Robert Bauer sagte: "Ich mag die Viererkette lieber als die Dreier- beziehungsweise Fünferkette, weil man auf den Außenbahnen nicht alleine ist, sondern zu zweit.“

Das Toreverhindern sei "die erste Aufgabe" der Verteidiger, und diese zu lösen sei leichter, wenn es noch einen weiteren Spieler auf jedem Flügel gibt, der sich hauptsächlich um die offensiven Aufgaben kümmert.

Nouri setzt auf Selassie

Das Toreverhindern traute Nouri gegen Mainz mal wieder Theo Gebre Selassie zu. Dafür musste Santiago Garcia auf die Bank, der im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach als Außenverteidiger in der Dreierkette sichtlich überfordert gewesen war. Es war die zweite Veränderung, die Nouri vor dem Spiel in Mainz vornahm, und auch sie erwies sich als gute Entscheidung. Bauer machte auf der linken Seite eines seiner besten Spiele für Werder; rechts überzeugte Gebre Selassie ebenfalls mit gutem Stellungsspiel und konsequentem Zweikampfverhalten.

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Auch die dritte Entscheidung, die Nouri fällte, betraf die Defensive, und auch mit ihr machte er, wie mit der Systemumstellung und der Aufstellung von Gebre Selassie als Rechtsverteidiger, eine eigene Entscheidung rückgängig: Nouri holte Clemens Fritz zurück in die Startelf. Auch das zahlte sich aus – Fritz lief gemeinsam mit Thomas Delaney die Räume im Mittelfeld zu und unterbrach viele Angriffsversuche der Mainzer.

Dass Nouri nach dem Spiel nicht nur die taktische Disziplin loben konnte, sondern auch den kämpferischen Einsatz, den er im Spiel gegen Gladbach phasenweise vermisst hatte, lag auch an Fritz. Nouri hatte zuletzt betont, wie wichtig Fritz für Werder sei, „egal in welcher Rolle“. Fritz hat in Mainz auf dem Platz bewiesen, wie wichtig er für Werder ist. Vor allem dann, wenn seine Aufgabe überwiegend die Defensive betrifft.

Öffentlicher Druck hat abgenommen

Mit seinen erfolgbringenden Entscheidungen – zu denen auch die um einen Tag vorverlegte Anreise nach Mainz inklusive eines gemeinsamen Abendessens in einem Wiesbadener Steakhouse am Donnerstag gezählt werden darf – hat Nouri Anteil daran, dass der öffentliche Druck auf ihn selbst und die Mannschaft deutlich abgenommen hat. Es wird spannend sein, zu beobachten, welche Entscheidungen Nouri in den nächsten Wochen trifft. Und ob sie wieder von Siegen oder jedenfalls von Punkten gefolgt werden – denn dann, und nur dann, werden sie als gute Entscheidungen beurteilt werden.

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Vielen Fans dürfte Robert Bauer aus der Seele gesprochen haben, als er sagte: „Wenn wir eine kleine Serie starten, werden wir auch wieder anders spielen, mit mehr Ballbesitz, und uns die Chancen besser herausspielen, statt nur zu kontern. Aber im Moment ist es das Wichtigste, dass wir hinten sicher stehen.“ Und: „Wir müssen wieder über den Kampf ins Spiel kommen.“

Ob sein Trainer das auch so sieht, wird sich in den folgenden Partien zeigen. Nouri deutete zumindest an, dass Werder in Wolfsburg ähnlich defensiv antreten könnte wie in Mainz. „Das ist ein legitimes Mittel für uns“, sagte er. In Mainz war es nicht bloß legitim. Es war ein Grund dafür, dass die Trainerdiskussion rund um Werder in den nächsten Tagen Pause hat.

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