Großes Lob für Werder-Coach „Ole ist schlau und clever“

Ralf Becker, Sportgeschäftsführer von Dynamo Dresden, spart nicht mit Komplimenten, wenn er von Werder Coach Ole Werner spricht. Im Gespräch erklärt er, was Anfang und Werner aus seiner Sicht gemeinsam haben.
09.03.2022, 10:51
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Von Hans-Günter Klemm

Zwei Wochen benötigte er. Zwei Wochen und zwei Spiele im Jahr 2016, es reichte aus, damit sich Ralf Becker ein Urteil bilden konnte. Der Sportgeschäftsführer bei Dynamo Dresden, damals in ähnlicher Funktion bei Holstein Kiel, erlebte in dieser kurzen Periode den blutjungen Trainer Ole Werner, der nach der Entlassung von Karsten Neitzel als Interimscoach in der 3. Liga aushalf. „Er war ein großes Trainertalent“, sagt Becker heute, der am Sonntag im Weserstadion seinen damaligen Aushilfstrainer traf, „wie sich alles mal entwickeln wird, weiß man nie. Doch ich habe damals sofort gedacht, dass Ole seinen Weg machen wird.“

Werner war, ist und bleibt ein Siegertyp. Holstein betreute er, wie gesagt, in zwei Partien, beide wurden gewonnen. Für Becker kam und kommt der Erfolg nicht von ungefähr, wie er betont: „Ole hat die ganze Sache trotz seines jungen Alters perfekt moderiert. Er besitzt eine gute Ausstrahlung und findet die richtige Ansprache an die Spieler.“

So erlebt der 51-Jährige nun auch den einstigen Mitstreiter als Coach des Tabellenführers. Ihm imponiert vor allem die ruhige Art, das souveräne Auftreten in der Öffentlichkeit, das alle an der Weser auch an Werner schätzen. Becker: „Bei Werder erscheint er mir als der Ruhepol, der in dieser Zeit nach dem Erstliga-Abstieg der Mannschaft und dem gesamten Club guttut.“

Das Gesamtpaket, so Becker weiter über den 33-Jährigen, der in der Branche nun einen vergleichbaren Ruf genießt wie einst Ex-Trainer Florian Kohfeldt, stimme einfach, weil Werner auch fachlich seine Qualitäten hat. „Er ist schlau und clever, in Kiel hat er gute Dinge von seinen beiden Vorgängern Anfang und Walter übernommen, dabei erfolgreich eigene Ansätze in der Spielgestaltung hinzugefügt.“

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Becker kennt nicht nur Werner, Becker kennt auch Markus Anfang. „Noch wesentlich besser als Ole“, wie der Dresdner Boss ergänzt, „schließlich habe ich zwei Jahre mit ihm gut zusammengearbeitet.“ Zur Erinnerung: In der Ära Anfang/Becker stieg Holstein in die 2. Liga auf, erreichte als Aufsteiger ein Jahr später die Relegation zur 1. Liga und scheiterte nur knapp am VfL Wolfsburg.

Was unterscheidet Werner von Anfang? „In erster Linie sind es total unterschiedliche Typen“, antwortet Becker. Der impulsive und extrovertierte Anfang im Gegensatz zum ruhigen Vertreter Werner. „Doch die Art des Fußballs, die beide bevorzugen“, fügt Becker hinzu, „ähnelt sich schon stark.“ Beiden gehe es um dominanten Fußball, um spielbestimmende Aktionen, um Offensive, die im Vordergrund stehe.

Anfang ist längst Vergangenheit bei Werder. Die Gründe sind bekannt. Wie es dazu gekommen ist, tut dem ehemaligen Weggefährten leid. „Markus weiß selbst, dass er sich damit keinen Gefallen getan hat. Was er gemacht hat, das geht auf keinen Fall“, kommentiert Becker die Affäre mit dem gefälschten Impfpass. Beckers Zusatz zu dieser heiklen Geschichte: „Bei allem Unverständnis darüber schätze ich Markus weiterhin als Mensch.“

Beim letzten Treffen, der Partie in der Hinserie in Sachsen, feierte Dynamo einen überraschenden 3:0-Erfolg. Im Rückspiel am Sonntag langte es nicht zu einem Punktgewinn, der durchaus möglich gewesen wäre. „Gut präsentiert und gut im Spiel“, blickt Becker zurück auf das knappe 1:2. Und weiter: „Wir hatten nicht weniger klare Chancen als Werder.“

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Leider habe am Ende die individuelle Klasse der Bremer, besonders ausgeprägt im Offensivbereich, den Ausschlag gegeben, ergänzt Becker, der den Unterschied zum Aufeinandertreffen in der Hinrunde so festmacht. Im Herbst seien wichtige Spieler wie beispielsweise Toprak und Bittencourt noch ausgefallen. „Nun steht eine andere Mannschaft auf dem Platz, eine Truppe mit acht, neun Erstligaprofis.“

Werder gestern, Werder heute. Becker macht den Qualitätsunterschied an diesem Punkt fest, womit er zugleich ein besonderes Verdienst des neuen Trainers Ole Werner herausstellt: „Es ist gelungen, dass zwei der besten Zweitliga-Stürmer gemeinsam auf dem Platz stehen. Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug verstehen sich prächtig, sie zeigen keine Egoismen und jeder gönnt dem anderen auch den Erfolg.“

Nicht nur wegen dieser optimalen Entwicklung legt sich der Dresdner neun Spieltag vor dem Saisonende fest: „So ist Werder für mich Aufstiegsfavorit Nummer eins.“

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