So plant Werder mit den Leihspielern

Zwei Rückkehrer und viele Fragezeichen

Insgesamt 13 Spieler hatte Werder in der abgelaufenen Saison an andere Vereine verliehen. Romano Schmid und Manuel Mbom dürfen jetzt zurückkehren, mit den anderen plant der Klub vorerst nicht.
18.07.2020, 16:47
Lesedauer: 6 Min
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Zwei Rückkehrer und viele Fragezeichen
Von Christoph Bähr
Zwei Rückkehrer und viele Fragezeichen

13 Werder-Spieler waren in der vergangenen Saison an andere Klubs verliehen.

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Die italienischen Vereine sind unerreicht. Atalanta Bergamo etwa hat 28 Spieler verliehen, bei US Sassuolo sind es 26. Da kann Werder nicht mithalten, auch wenn 13 verliehene Spieler für deutsche Verhältnisse schon außergewöhnlich sind. Bei dieser Zahl kann man leicht den Überblick verlieren, doch Werders Sportchef Frank Baumann hat sich zielsicher zwei Leihspieler ausgesucht, die in der neuen Saison den Bundesliga-Kader verstärken sollen: Romano Schmid und Manuel Mbom. Bei Niklas Schmidt, ­Michael Zetterer und Jannes Vollert läuft die Ausleihe noch ein weiteres Jahr, und Werder will sie nach aktuellem Stand nicht vorzeitig zurückholen. Martin Harnik ist ein spezieller Fall. Die restlichen sieben Leihspieler sind nach WESER-KURIER-Informationen für die neue Saison nicht für den Bremer Bundesliga-Kader eingeplant. Entweder sie werden erneut verliehen oder verkauft. Ein Überblick.

Romano Schmid (Wolfsberger AC)

Als Werder Romano Schmid Anfang 2019 aus Salzburg holte und schnell an den Wolfsberger AC weiter verlieh, hatten die Verantwortlichen genau diesen Plan im Kopf. Der 20-Jährige sollte beim österreichischen Erstligisten Stammspieler und Leistungsträger werden, und so ist es gekommen. 33 Pflichtspiele, drei Tore und elf Torvorlagen sind eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Dazu sammelte Schmid Erfahrungen in der Europa League, wo er beim 4:0-Sieg gegen Gladbach mit einer frechen Torvorlage inklusive Beinschuss für Staunen sorgte. In der neuen Saison soll der österreichische U 21-Nationalspieler bei Werder den Konkurrenzkampf im Mittelfeld anheizen. Der Dribbelkünstler kann auf der Achter- und Zehner-Position spielen. „Ich will immer den Ball haben, deswegen sehe ich mich auch eher im Mittelfeld als ganz vorne“, sagte Romano Schmid im WESER-KURIER-Interview.

Manuel Mbom (KFC Uerdingen)

2017 erhielt Manuel Mbom die Fritz-Walter-Medaille in Silber als bester U 17-Spieler Deutschlands. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an das Mittelfeldtalent, doch der Sprung in die Bundesliga gelang nicht auf Anhieb. Also wurde der 20-Jährige an den KFC Uerdingen verliehen und nutzte seine Chance. Mbom war Stammspieler beim Tabellendreizehnten der 3. Liga, bestritt 30 Pflichtspiele und schoss ein Tor. Uerdingen hätte ihn gerne behalten, doch Werder wollte Mbom zurückholen. Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld herrscht schließlich Bedarf.

Martin Harnik (Hamburger SV)

Beinahe hätte Martin Harnik in der Relegation mit seinem Leihverein Hamburger SV gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber Werder gespielt, doch der HSV scheiterte auf der Zielgeraden. Damit erledigte sich auch die Kaufpflicht der Hamburger für den Stürmer, die im Aufstiegsfall gegriffen hätte. Es werde demnächst Gespräche mit Harnik geben, kündigte Sportchef Frank Baumann an. Dass der 33-Jährige bei Werder keine Stammplatz-Perspektive besitzt, hatte Trainer Florian Kohfeldt ihm schon vor rund einem Jahr mitgeteilt. Es bleibt abzuwarten, ob sich jetzt ein Abnehmer für Harnik findet, der beim HSV mit drei Toren in 23 Spielen nicht gerade glänzte. Der Drittligist VfB Lübeck zeigte zwar schon Interesse, doch Harnik winkte ab. Sein gut dotierter Vertrag bei Werder läuft noch bis 2021.

Michael Zetterer (PEC Zwolle )

Anfangs saß Michael Zetterer beim PEC Zwolle nur auf der Bank, doch der Torwart erkämpfte sich den Status als Nummer eins beim niederländischen Erstligisten. In 13 Ligaspielen zeigte der 25-Jährige zumeist ordentliche Leistungen, dann wurde die Saison in der Ehrendivision wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Ganz wichtig: Zetterers linke Hand, die nach einem Kahnbeinbruch dreimal operiert werden musste, bereitet ihm keine Schmerzen mehr. Der Leihvertrag in Zwolle läuft noch bis 2021, Werder könnte den ehemaligen U21-Nationalspieler aber schon in diesem Sommer zurückholen, zum Beispiel dann, wenn Torhüter Stefanos Kapino Bremen verlassen sollte.

Niklas Schmidt (VfL Osnabrück)

Eine gute Zweitliga-Saison liegt hinter Niklas Schmidt. 25 Einsätze, fünf Tore und eine Torvorlage steuerte er zum Klassenerhalt des VfL Osnabrück bei. Ein Jahr hat der 22-Jährige noch, um in der zweiten Liga weitere Erfahrungen zu sammeln. Macht der offensive Mittelfeldspieler so weiter, könnte er 2021 eine echte Alternative für Werder sein. Schmidts Vertrag in Bremen läuft bis 2022. Bei Werder schätzen sie seine Fähigkeiten, insbesondere seine Schusstechnik, doch sein Lebensstil entsprach nicht immer dem eines Profisportlers. Das hat sich offenbar inzwischen geändert.

Jannes Vollert (Hallescher FC)

Jannes Vollert war fast immer dabei, 34 von 38 Ligaspielen bestritt der Innenverteidiger für den Halleschen FC. Das Team schaffte den Klassenerhalt, sodass Vollert noch ein Jahr Spielpraxis in der 3. Liga sammeln kann. Ob der 22-Jährige danach eine Chance bei den Werder-Profis bekommt, muss sich zeigen.

Felix Beijmo (Greuther Fürth)

Für kolportierte drei Millionen Euro kaufte Werder Felix Beijmo im Sommer 2018 von Djurgardens IF. Seine Chance in der Bundesliga bekam der schwedische Rechtsverteidiger aber nie. Bei der SpVgg Greuther Fürth konnte der 22-Jährige nun auch nicht nachweisen, dass er das Zeug für die zweite Liga hat. Vor der Corona-Pause kam Beijmo zu vier Einsätzen, danach spielte er nur noch eine Minute. Aktuell postet er bei Instagram gerne Videos, die ihn mit einem Privattrainer zeigen. Beijmo scheint also hoch motiviert zu sein. Bei welchem Verein es für ihn nach der beendeten Leihe in Fürth weitergeht, ist offen. In Bremen hat er jedenfalls keine Zukunft, auch wenn sein Vertrag noch bis 2022 läuft.

Ole Käuper (Carl-Zeiss Jena)

Florian Kohfeldt hielt viel von Ole Käuper und stellte ihn im Dezember 2017 überraschend in die Startelf im Spiel gegen Bayer Leverkusen. Nach großem Verletzungspech sollte der defensive Mittelfeldspieler dann erst einmal woanders Spielpraxis sammeln, doch von den Ausleihen profitierte der 23-Jährige bislang überhaupt nicht. Bei Erzgebirge Aue wurde Ole Käuper suspendiert und bei Carl-Zeiss Jena in die zweite Mannschaft verbannt. Immerhin kämpfte der gebürtige Bremer sich zurück in die erste Mannschaft und bestritt in der abgelaufenen Saison 22 Spiele (drei Tore), fiel dann aber vier Monate lang wegen einer Kniescheiben-Verrenkung aus. Jenas Abstieg aus der 3. Liga konnte Ole Käuper somit nicht verhindern. Da sein Vertrag bei Werder Bremen bis 2021 läuft, müsste Werder den Kontrakt verlängern, um Käuper noch einmal zu verleihen.

Thore Jacobsen (1. FC Magdeburg)

Bei Werder war er bei fast jedem Profi-Training dabei, doch zum Einsatz kam Thore Jacobsen in der Bundesliga nie. Das war beim 1. FC Magdeburg nun ganz anders, dort entwickelte sich der gelernte Außenverteidiger zur Stütze im defensiven Mittelfeld, absolvierte 32 Spiele und schoss ein wichtiges Tor gegen Ingolstadt, das den vorzeitigen Drittliga-Klassenerhalt sicherte. Der Leihvertrag des 23-Jährigen ist ausgelaufen, Magdeburg würde ihn gerne behalten, es soll aber auch Interesse aus der zweiten Liga geben. Bei Werder hat Jacobsen einen Kontrakt bis 2021, die Bremer würden ihn daher sicher lieber verkaufen als verleihen.

Jonah Osabutey (Royal Mouscron)

Die Fans von Royal Excel Mouscron halten sehr viel Jonah Osabutey. Nach dem Abbruch der Spielzeit wählten sie den Stürmer, der fünf Treffer und vier Torvorlagen in 22 Spielen verzeichnete, zum Spieler der Saison beim belgischen Erstligisten. Aufgrund seiner überzeugenden Leistungen gibt es einige Interessenten für den 21-Jährigen. Zu Werder, wo sein Vertrag bis 2022 läuft, soll Osabutey zumindest in diesem Sommer noch nicht zurückkehren.

Boubacar Barry (KFC Uerdingen)

33 Einsätze – Boubacar Barry bekam beim KFC Uerdingen eigentlich reichlich Spielpraxis, nur seine Quote lässt zu wünschen übrig. Der Rechtsaußen, der auch Rechtsverteidiger spielen kann, schoss für den Drittligisten kein Tor und bereitete lediglich drei Treffer vor. Wie es mit dem 24-Jährigen nach beendeter Leihe weitergeht, ist offen. Eine Rückkehr nach Bremen ist trotz eines Vertrags bis 2022 nicht geplant.

Jan-Niklas Beste (FC Emmen)

Es war eine Saison zum Vergessen für Jan-Niklas Beste. Sechs Spiele bestritt der Linksverteidiger für den niederländischen Erstligisten FC Emmen, dann fiel er mit einer Knieverletzung lange aus. Aus den Niederlanden ist zu hören, dass Emmen den 21-Jährigen trotzdem gerne behalten würde. Für eine erneute Ausleihe müsste Werder Bestes Vertrag, der bis 2021 läuft, verlängern.

Isaiah Young (Royale Saint Gilloise)

16 Einsätze bekam Isaiah Young beim belgischen Zweitligisten Royale Union Saint Gilloise. Ein Tor oder eine Torvorlage gelang dem 22-jährigen Außenstürmer dabei nicht. Die Leihe ist nun beendet, sein Vertrag bei Werder läuft 2021 aus. Es ist derzeit unklar, wie es mit ihm weitergehen soll.

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