Bremen. Eine Woche nach seiner Verpflichtung steht Ludovic Obraniak vor seiner Feuertaufe im Werder-Dress. Im Mittelfeld unterstützt er Spielmacher Aaron Hunt – nach der Lesart: Gemeinsam sind sie stark.
Standfest erwiesen sich nicht alle im Abschlusstraining. Der Wind wehte novemberlich heftig, und so sanken einige gelben Pappkameraden, die zu Trainingszwecken in den Rasen gerammt worden waren, halt- und kraftlos zu Boden. Ein kleines Malheur nur und das einzige, denn ansonsten trotzten die Bremer den fiesen Böen, selbst Ludovic Obraniak. Das war gut so: Der zierlich wirkende Neuzugang, in einschlägigen Datenbanken gelistet mit knapp über 70 Kilo, wird gebraucht beim SV Werder, schon heute gegen Borussia Dortmund. Wozu, das zeigte er im Abschlusstraining.
Auf Ludovic Obraniak vereint sich die Bremer Hoffnung in der wohl prekärsten Rückrunde seit anderthalb Jahrzehnten. Gemeinsam mit Aaron Hunt, davon ist auszugehen, wird der gebürtige Franzose mit polnischen Wurzeln heute auflaufen. Die beiden offensiven Mittelfeld sollen sich ergänzen, ein Solo für zwei soll Werders Angriffsspiel beleben, das völlig zum Erliegen gekommen ist. Zählt man die beiden Testspiele von Jerez dazu, haben die Grün-Weißen seit Anfang Dezember in nur zwei von insgesamt sieben Partien selbst getroffen.
Dutt weiß, wie dringend nötig Werder mehr Impulse aus dem Mittelfeld hat, um für Leben im und am gegnerischen Strafraum zu sorgen. Und dass seinem Spielmacher die Unterstützung fehlte, die Obraniak liefern soll. „Er alleine und auch Aaron alleine“, sagt Robin Dutt, „werden natürlich nichts machen können.“ Aber gemeinsam sind sie stark, hofft Dutt. Sind sie das?
Wer muss für Obraniak Platz machen?
Dutt sagt: Ja. „Sie stellen“, urteilt Werders Trainer, „im Vergleich zum letzten Spieltag einen Mehrwert her.“ Im gestrigen Training übernahm Obraniak gleich mal eine typische Hunt-Aufgabe, als er wiederholt Freistöße aus dem Halbfeld vors Tor schlug. Wie er das machte, war beeindruckend: Die Bälle kamen hart, mit Schnitt, präzise – und fanden ihre Abnehmer. Im Prinzip ist das nichts Großartiges, es stellt das Spiel einer Mannschaft nicht auf völlig neue Füße. Werders spielerisches Potenzial aber ist derart eindimensional besetzt, dass schon der Mann aus Bordeaux – das durfte man aus diesem Trainingsdetail lesen – die Bremer Variabilität deutlich verbessern könnte. Das Tandem Hunt-Obraniak, sagt Dutt, könne „natürlich schon das Zünglein an der Waage sein“.
Fragt sich, wer für den 29-jährigen Neuzugang weichen muss. Linksfuß Obraniak selbst könnte zentral oder, was nach den Trainingseindrücken wahrscheinlicher ist, auch der rechten Seite im Mittelfeld spielen. Dort hat Dutt in dieser Saison viel experimentiert, ohne eine perfekte Lösung zu finden. Mal spielte dort Franco Di Santo, von haus aus Stoßstürmer. Dann kam dort Eljero Elia, ebenfalls Linksfuß, zum Einsatz – er könnte nun wieder auf die ihm gefälligere linke Seite rücken. Zlatko Junuzovic, der rechts ebenfalls fremdelt, wäre damit eine Option für die Doppel-Sechs – womit Philipp Bargfrede und Felix Kroos die Leidtragenden des Obraniak-Einbaus wären.
Dass die Ernstfall-Premiere für Ludovic Obraniak ausgerechnet das Spiel gegen das Spitzenteam aus Dortmund ist, nimmt Dutt mit einem Schulterzucken. „Es gibt in der Bundesliga keine richtigen oder falschen Zeitpunkte, um gegen irgendwelche Mannschaften zu spielen“, winkt Werders Trainer ab. Als Beispiel führt er den Auftritt des BVB vor Wochenfrist bei Eintracht Braunschweig an. „Dass Dortmund nur 2:1 in Braunschweig gewinnt, spricht für Braunschweig und nicht gegen Dortmund“, urteilt Dutt. Allerdings vergab der BVB Chancen in Hülle und Fülle, ehe kurz vor Schluss nur der Pfosten das Braunschweiger 2:2 verhinderte. Wenn Werder heute so weit kommt, wäre Obraniaks Mission zumindest schon mal teilerfüllt.
Wir berichten ab 15.30 Uhr im Live-Ticker von der Partie.