2:3 gegen Hoffenheim Später K.o. für Werder

Werder hatte geführt, lag dann zurück, bekam einen Treffer aberkannt und spielte am Schluss in Unterzahl. Trotzdem gelang zwischenzeitlich der Ausgleich, am Ende gab es dennoch enttäuschte Gesichter.
25.08.2019, 13:29
Lesedauer: 4 Min
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Später K.o. für Werder
Von Malte Bürger

Emotionslos geht es bei Werder nicht. Auch am zweiten Spieltag gab es gleich wieder die komplette Gefühlspalette. Bei der TSG Hoffenheim führte Werder zwischenzeitlich, lag dann nach einem vermeidbaren Doppelschlag zurück und musste sogar in der Schlussphase in Unterzahl ran. Trotzdem gelang noch der zwischenzeitliche Ausgleich in dieser Auswärtspartie - allerdings währte die Freude wieder einmal nicht allzu lang. Aber der Reihe nach.

Florian Kohfeldt wagte in puncto Verteidigung eine taktische Kopie vom Auftritt im vergangenen Mai. Als Werder seinerzeit am 33. Spieltag mit 1:0 in Sinsheim gewann, hieß der Sechser ebenfalls Nuri Sahin - der sich bei gegnerischen Angriffen stets als fünftes Glied in die Abwehrkette zurückfallen ließ. Ähnlich verhielt es sich dieses Mal. Es dauerte allerdings keine Viertelstunde, da wurde das ausgetüftelte Konzept gleich wieder erschüttert. Der gerade erst genesene Ömer Toprak schlich mit einer dick bandagierten linken Wade vom Feld, für ihn kam nicht etwa positionsgetreu U23-Leihgabe Christian Groß in die Partie, sondern Kevin Möhwald. Werder behielt zwar das gewählte Spielsystem bei, doch Maximilian Eggestein gab fortan den Rechtsverteidiger, während Theodor Gebre Selassie in der Abwehrzentrale den Toprak-Posten einnahm. Personalnot macht erfinderisch.

Führung durch Füllkrug

Die Bremer brauchten einen Moment, um sich zu sortieren, waren dann aber sofort wieder bemüht, zu großen Ballbesitzanteilen zu kommen. Der Spielaufbau verlief in kontrolliertem Tempo, die Ansätze stimmten, wenngleich nicht jeder Pass bei diesem Geduldsspiel auch wirklich ankam und der Rhythmus auf beiden Seiten immer wieder verloren ging. Doch Werder arbeitete, hier war nicht etwa eine Mannschaft unterwegs, die sich von der Auftaktniederlage gegen Düsseldorf hatte verunsichern lassen. Im Gegenteil: Die Gäste waren genauso diszipliniert, wie es sich Florian Kohfeldt im Vorfeld gewünscht hatte - und obendrein gelang es, die recht harmlose TSG weitgehend vom Tor fernzuhalten.

Ein fußballerischer Leckerbissen war die Partie nicht. Ein ungefährlicher Kopfball von Niclas Füllkrug sorgte für etwas Brisanz (37.), kurz darauf spielte Werder einen Konter nicht konsequent genug zu Ende, weshalb ein Schuss von Möhwald noch abgelenkt wurde (41.). Die folgende Ecke ließ Florian Kohfeldt dann allerdings zu einem Jubelsprung ansetzen. Sahin brachte den Ball in den Strafraum, wo Füllkrug trotz doppelter Bewachung am höchsten stieg und unhaltbar zur Führung einköpfte (42.). Werder hatte nicht geglänzt, lag dank der größeren Bemühungen und eines schwachen Gegners nun aber völlig zurecht vorn. Das Team machte aus wenig viel - als solle allen Kritikern direkt gezeigt werden, dass der jüngste Vorwurf der mangelnden Cleverness ein unberechtigter gewesen sei.

Doppelschlag in Halbzeit zwei

Kurz nach dem Seitenwechsel war der Vorsprung aber auch schon wieder dahin. Die Hoffenheimer glichen mit ihrer ersten echten Chance nach einer Ecke durch Ermin Bicakcic aus, bei der Abwehrchef Niklas Moisander das entscheidende Kopfballduell verlor (54.). Werder reagierte aber keineswegs geschockt, sondern suchte nach einer direkten Antwort. Erst landete ein abgefälschter Schuss von Johannes Eggestein am Außennetz (55.), dann prüfte Maximilian Eggestein TSG-Torhüter Oliver Baumann aus der Distanz (56.).

Stattdessen kam es noch schlimmer. Kurz darauf wagte sich Hoffenheim erneut nach vorn, erneut zappelte der Ball kurz darauf im Netz des Tores von Jiri Pavlenka. Sebastian Rudy köpfte einfach mal in die Mitte, Robert Skov verlängerte, Friedl hob das Abseits auf, was Ihlas Bebou zum 2:1 nutzte (59.). Und plötzlich lag Werder wieder zurück in einem Spiel, in dem die Bremer eigentlich nicht wirklich zurückliegen mussten.

Videobeweis verhindert Ausgleich

Wenn es in diesem Moment noch eine gute Nachricht gab, dann war es die, dass der Kohfeldt-Elf noch genügend Zeit blieb, um für eine deutliche Ergebnisverbesserung zu sorgen. Die Minuten verstrichen jedoch zunächst, ohne dass die Gäste echte Ausrufezeichen setzten. Die Werder-Profis hatten zwar weiterhin häufig den Ball am Fuß, der Ertrag war allerdings überschaubar.

Bis zur 71. Minute. Erneut war es Niclas Füllkrug, der den Ball im Nachsetzen im gegnerischen Tor unterbrachte, doch dann schritt der Video-Assistent ein. Zwar war der Stürmer mit dem Kopf zum Ball gegangen, im Zweikampf prallte ihm das Spielgerät jedoch unabsichtlich an den Oberarm. Auf Grundlage der zu dieser Saison überarbeiteten Regularien lag somit ein klares Handspiel vor, Schiedsrichter Sascha Stegemann gab den Treffer somit folgerichtig nicht.

Osakos Treffer reicht nicht

Es blieb also bei der Hoffenheimer Führung, während es für Werder den nächsten bitteren Tiefschlag gab. Der bereits mit einer Gelben Karte belastete Johannes Eggestein leistete sich einen völlig überflüssigen Trikotzupfer bei einem gegnerischen Konter und sah dafür logischerweise Gelb-Rot (76.). In Unterzahl stemmten sich die Bremer weiter gegen die drohende Niederlage - und wurden tatsächlich belohnt. Nach einer Balleroberung schaltete Davy Klaassen blitzschnell und schickte Yuya Osako auf die Reise. Der Japaner umkurvte seinen Gegenspieler und traf mit einem trockenen Schuss zum Ausgleich (81.).

Werder wäre aber nicht Werder, wenn es nicht auch dieses Mal noch eine weitere schicksalhafte Wendung gegeben hätte. Nach 87 Minuten segelte wieder ein hoher Ball in den Bremer Strafraum, dieses Mal war Pavel Kaderabek zur Stelle und köpfte ein. Martin Harnik und Claudio Pizarro sollten in den verbleibenden Minuten dabei helfen, irgendwie noch zum Remis zu kommen. Allein es gelang nicht. Dieser Nachmittag war für die Bremer schlichtweg nicht dafür gemacht, mit einem Lächeln die Reise in die Heimat anzutreten. Dafür spielte Werder im zweiten Abschnitt zu fehlerhaft, dafür fehlte einfach das nötige Spielglück.

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