Werder-Gegner Schalke im Check Stark im Pressing, schwach im Spielaufbau

Der Werder-Gegner Schalke hat sich nach Schwierigkeiten zu Saisonbeginn wieder einigermaßen gefangen, Probleme im Spiel mit dem Ball hat die Mannschaft aber weiterhin. Wichtigster Spieler ist ein Ex-Bremer.
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Von Stefan Rommel

Das sind Schalkes Stärken:

Grundsätzlich ist die enorme Variabilität der Mannschaft eine überragende Stärke. Schalke hat es sich in mehreren Grundordnungen bequem gemacht: Die Dreier- beziehungsweise Fünferkette im Spiel gegen den Ball gehört ebenso zum Repertoire wie die Viererkette, auf die Trainer Domenico Tedesco in den jüngsten Partien zurückgriff. Da Schalkes Spielausrichtung eher abwartend und reagierend angelegt ist, gilt das Spiel gegen den Ball als Grundlage aller Überlegungen.

Die Anlaufhöhe und auch die Intensität des Pressings variieren ständig, die Mannschaft wechselt zwischen Angriffspressing und einem tieferen Mittelfeldpressing. Im hohen Angriffspressing geht Schalke fast immer in eine klare Mannorientierung über. Spielt der Gegner mit einer Dreierkette im Aufbau, stellen die drei offensiven Spieler im 3-4-2-1 oder im 4-2-3-1/4-3-1-2 die drei Innenverteidiger zu, die beiden Sechser übernehmen die gegnerischen Sechser und folgen diesen bis tief in die gegnerische Hälfte.

So wird nicht nur der Ballführende sofort unter Druck gesetzt, sondern auch mögliche Passempfänger finden sich schnell in engen Situationen wieder. Im Gegenzug vernachlässigt Schalke eher das Verteidigen im Raum und auch die Passlinien des Gegners. Erster Bezugspunkt bleibt der direkte Gegenspieler. Das verursacht permanenten Stress beim Gegner und in der Folge unsaubere Abspiele. Schalke hat nach großen Problemen zu Beginn der Saison zuletzt drei Mal in Folge zu Null gespielt und scheint in der Defensive wieder auf dem richtigen Weg zu sein.

Das Spiel mit dem Ball wird überlagert von einer überragenden individuellen Stärke der Mannschaft. Spieler wie Yevhen Konoplyanka oder Amine Harit sind begnadete Dribbler und im Eins-gegen-Eins brandgefährlich, die kantigen Angreifer Franco di Santo und Guido Burgstaller haben ihre Stärken in der Ballbehauptung sowie beim Verwerten zweiter Bälle.

Das sind Schalkes Schwächen:

Tedesco hat mit der Umstellung von einer Dreier- auf eine Viererkette zwar den richtigen Schluss aus der völlig verkorksten Startphase der Saison gezogen, die anhaltenden Probleme im Spiel mit dem Ball aber noch nicht beheben können. Schalke hat erhebliche Schwierigkeiten, Lösungen in der Offensive zu finden. Der Abgang von Ankerspieler Max Meyer wiegt offenbar schwerer als gedacht. Zudem funktionieren die Standards - in der vergangenen Saison die mit Abstand beste Waffe der Schalker - nicht.

Das Kernproblem bildet der Ballvortrag über die Sechser ins Angriffsdrittel. Tedesco versuchte es mit Nabil Bentaleb und Weston McKennie, zuletzt verstärkte auch Omar Mascarell das Zentrum vor der Abwehr. Mascarell und McKennie sind keine besonders ausgefeilten Strategen, Bentaleb ist zwar technisch stark und passsicher, verhält sich aber nicht immer positionsgetreu im defensiven Umschalten. Schalke sucht also immer noch nach der idealen Besetzung und Anordnung im Mittelfeldzentrum.

Die Breite im Offensivspiel durch die beiden klaren Flügelspieler ist Segen und Fluch zugleich: Zwar wird der Gegner dadurch auseinandergezogen, sodas im Idealfall Konoplyanka und Alessandro Schöpf (oder Breel Embolo) in Dribblingsituationen gebracht warden können. Andererseits fehlen aber durch das schlechte Nachrücken der Sechser die Anspielstationen, um vor dem gegnerischen Tor in einen echten Kombinationsfluss zu kommen. Der Ballführende und nur eine unterstützende Spitze plus Zehner Suat Serdar sind zu wenige Spieler, um richtig Druck aufbauen zu können.

Das ist Schalkes Schlüsselspieler:

Im Schalker Pressing sind drei Positionen entscheidend: Der Angreifer, der das Pressing auslöst, der Sechser, der rechtzeitig aufrückt, und der Innenverteidiger, der die Höhe hält. Naldo ist im fortgeschrittenen Fußballeralter auf Schalke noch einmal zu einer ganz zentralen Figur geworden und im Vorwärtsverteidigen derjenige, der aus seiner tiefsten Feldspielerposition alles überblicken kann und die notwendigen Ansagen macht. Natürlich ist Naldo auch in der Offensive bei Standards überragend, sieben Tore hat Naldo in der abgelaufenen Saison erzielt. Der Ex-Bremer ist ein beliebter Zielspieler im Angriff, sollte Schalke bei einem Rückstand auf lange Bälle zurückgreifen.

Hier gibt es die Umfrage zum Spiel:

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