VfB-Profi Waldemar Anton "Werder ist für jeden Gegner gefährlich"

Am Samstag trifft Werder Bremen auf den VfB Stuttgart. Im Vorfeld haben wir mit VfB-Profi Waldemar Anton über das Wiedersehen mit seinem alten Kollegen Niclas Füllkrug und die Situation bei Werder gesprochen.
12.08.2022, 19:24
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Seit drei Spielzeiten ist Waldemar Anton für den VfB Stuttgart aktiv, der Ex-Hannoveraner fiebert aktuell dem Wiedersehen mit seinem alten Mannschaftskollegen Niclas Füllkrug entgegen. Im Interview mit unserer Deichstube spricht der 26-Jährige über das direkte Duell im Weserstadion (Sonnabend, 15.30 Uhr) sowie Werders Wiederaufstieg – und hat obendrein einen Tipp für den neuen Bremer Kapitän Marco Friedl parat.

Herr Anton, hätten Sie Werder den direkten Wiederaufstieg zugetraut?

Waldemar Anton: Auf jeden Fall. Weil Werder auch in der zweiten Liga eine sehr gute Mannschaft hatte. Anfangs lief es noch nicht so, wie es sich die Bremer vorgestellt hatten, doch dann haben sie sich gefunden. Und es war abzusehen, dass Werder es schaffen kann. Sie haben in dieser Hinsicht eine gewisse Erfahrung.

Mit Hannover 96 sind Sie damals nach dem Abstieg auch sofort wieder aufgestiegen. Welche Erinnerungen haben Sie daran? War das ein vergleichbarer Prozess wie nun in Bremen?

Schwer zu sagen. Es ist bei jedem Verein eine spezielle Situation. Ich weiß nicht, wie die Lage in Bremen konkret war. In Hannover damals war es so, dass es das klare Ziel war, sofort wieder aufzusteigen. Entsprechend groß war der Druck. Doch wenn es dann geglückt ist, fällt einem doch ein Stein vom Herzen. Ich denke, dies war bei den Bremern auch der Fall.

Wie ist es in Hannover gelungen, nach dem Abstieg aus dieser Negativspirale herauszukommen? Worauf kommt es an?

Es muss alles abgehakt werden. Das ist das Entscheidende. Zudem muss ein guter Teamspirit entwickelt werden. Jeder muss Erfolg haben wollen. Und es braucht natürlich dieses Quäntchen Glück, auch mal nicht so gut zu spielen und dennoch zu gewinnen. Am Ende erarbeitet man sich so den Erfolg. Das sind die entscheidenden Faktoren, die ausschlaggebend dafür sind, ob der Aufstieg gelingen kann oder nicht.

Vor zwei Jahren sind Sie zum damaligen Aufsteiger VfB Stuttgart gewechselt. Liga-Neulinge haben es gemeinhin schwer, die Klasse zu erhalten. Der VfB hat es nun zwei Mal in Folge geschafft. Wie ist das gelungen?

Als Neuling muss man die Mentalität entwickeln, dass jeder Punkt zählt, ob am ersten Spieltag oder in der Schlussphase der Saison. Nur so kann es gelingen, die Klasse zu erhalten.

Werder ist mit einem Remis in Wolfsburg gestartet, hätte sogar den Sieg verdient gehabt. Hat Sie dieser Start überrascht?

Ich habe die Konferenz im TV geschaut, habe somit nur einige Ausschnitte gesehen. Ich hatte erwartet, dass Werder ein gutes Spiel macht. Die Mannschaft hat den Schwung aus der erfolgreichen letzten Spielzeit mitgenommen. Sie geht meistens nicht als Favorit ins Spiel, hat somit nichts zu verlieren und ist für jeden Gegner gefährlich. Mit Spielern wie Füllkrug, Bittencourt und Ducksch besitzt die Mannschaft Qualität in der Offensive. Zudem haben sich die Bremer gut verstärkt in der Hintermannschaft, mit Akteuren, die viel Erfahrung in der Bundesliga aufweisen, was wertvoll sein kann.

Als eine der Stützen haben Sie Ihren früheren Mannschaftskollegen Niclas Füllkrug genannt. Freuen Sie sich auf das Wiedersehen auf dem Platz?

Ich freue mich natürlich, Lücke wiederzusehen. Wir haben nach wie vor losen Kontakt. Ich schätze ihn als einen super Typen. Er ist ein unangenehmer Gegenspieler auf dem Platz, wenn es zum Zweikampf kommen sollte, werden wir uns sicher nichts schenken.

Bremens Trainer Ole Werner hat einen ähnlichen Werdegang hingelegt wie Ihr Coach Pellegrino Matarazzo. Quasi aus dem Nichts ist er aufgetaucht und in die erste Reihe der Trainergilde aufgerückt.

Zu Ole Werner kann ich nicht viel sagen, ich hatte bislang keinen Kontakt zu ihm. Seine bisherige Karriere als Trainer spricht für ihn und seine Qualität.

Aber Ihren eigenen Coach haben Sie natürlich schon intensiver kennengelernt...

Er ist ein sehr ehrlicher Typ, ein Perfektionist, der jedes Detail in den Blick nimmt. Es ist schon bemerkenswert, wie er Dinge anspricht und korrigiert. Wenn beispielsweise ein Pass falsch oder zu ungenau gespielt wird. Er ist bestrebt, jeden von uns zu verbessern. Und ich schätze an ihm, dass er stets einen ruhigen Kopf behält in Phasen, wenn es mal hektisch wird. Das ist wichtig für unsere doch recht junge Mannschaft.

Im Heimspiel gegen Leipzig zum Start haben Sie mit Ihrem Team ein 1:1 geholt. Sind Sie zufrieden mit dem Auftakt?

Wir haben ein gutes Spiel gehabt. Dass wir mitunter mit allen Mann verteidigen mussten, war uns bewusst. Wir hätten unsere Konter besser ausspielen müssen, am Ende können wir mit dem Punktgewinn zufrieden sein.

Nun folgt der Gang ins Weserstadion. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Arena?

Ein Stadion, in dem immer eine gute Stimmung herrscht. Ich freue mich auf dieses Auswärtsspiel und hoffe, dass unsere Fans uns unterstützen werden.

In Hannover wurden Sie von Andre Breitenreiter 2018 zum Kapitän ernannt – mit gerade mal 21 Jahren. Bei Werder ist der 24-jährige Marco Friedl nun Mannschaftsführer. Nach einem Jahr sind Sie von Thomas Doll abgesetzt worden. Sie sollen, wie es heißt, erleichtert gewesen sein. Welchen Rat können Sie Friedl dennoch geben?

In der Saison lief es nicht so gut. Ich hatte mir in dem Amt vielleicht zu viel vorgenommen, wollte zu viel Verantwortung übernehmen. Daraus habe ich gelernt. Es war ein Fehler, in der Rolle als Kapitän als Einziger vorangehen und die Dinge regeln zu wollen. Es ist sehr wichtig, den Mannschaftsrat einzubeziehen, gerade die älteren Spieler mit größerer Erfahrung.

Das Interview führte Hans-Günter Klemm.

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