Chong will Werder unbedingt nach vorn bringen Spaßfußballer ohne Starallüren

Tahith Chong hat gegen Jena gezeigt, wie wichtig er für Werder sein kann. Der 20-Jährige will der Mannschaft in dieser Saison unbedingt weiterhelfen – aber als Teil des Teams und nicht als Solokünstler
18.09.2020, 09:23
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Spaßfußballer ohne Starallüren
Von Malte Bürger

Wer einen Blick in Werders Vorschauheft für die neue Saison wirft, kommt beim Gedanken an das eigene Alter und das mancher Spieler durchaus ins Straucheln. Tahith Chong zum Beispiel hat natürlich auch die Weltmeisterschaft 2006 verfolgt. In Deutschland gehört das Sommermärchen irgendwie zur Identität der vergangenen Jahre dazu, wie selbstverständlich wähnt man sich als Teil des Ganzen. Bei Chong war das anders. Nicht, weil er Niederländer ist und deshalb eine andere Beziehung zu dem Turnier hat, sondern weil er damals schlichtweg erst sechs Jahre alt war. Für ihn ist es die allererste fußballerische Erinnerung – und durch seinen Wechsel nach Bremen ist es nun eine mit Aha-Effekt.

In diesem Moment kommt Tim Borowski ins Spiel. Werders heutiger Co-Trainer hat bekanntlich seinerzeit zur deutschen Auswahl gehört, nun hilft er Tahith Chong bei dessen Werdegang. „Das ist wirklich lustig. Ich kannte natürlich nicht alle Spieler von damals, doch jetzt bei Werder kamen immer mehr Teamkollegen zu mir und haben mir gesagt, dass er damals auch dabei war“, sagte der 20-Jährige am Donnerstag in einer kleinen Medienrunde. „Das ist verrückt – bestimmt auch für ihn, weil er jetzt einen Spieler unter sich hat, der ihm damals als Kind zugeschaut hat.“

Sammelbild vom Co-Trainer

Nun ist es gerade in WM-Zeiten ein beliebtes Hobby, die Jagd nach kleinen Klebebildchen zu eröffnen. Auch Chong hat die Sticker damals gesammelt, irgendwann aber vorzeitig aufgegeben. Nun ärgert er sich ein wenig darüber. „Ich hatte leider keinen Sticker von Tim Borowski“, sagte er. „Jetzt wünschte ich natürlich, ich hätte einen gehabt und könnte ihm das zeigen.“ Notfalls muss jetzt über eine Auktionsplattform im Internet nachgeholfen werden. „Ich könnte dann reinkommen und ihn anlügen, dass ich das damals 2006 schon hatte“, sagte Chong und begann laut zu lachen.

Die gute Laune ist ein steter Begleiter der Leihgabe von Manchester United. Er wirkt wie der klassische Spaßfußballer, gibt sich im Gespräch nahbar und völlig aufgeräumt. Keine Allüren, keine großen Töne. „Es gibt schlimmere Dinge auf der Welt, als Fußball zu spielen“, sagte Chong. „Ich fühle keinen Druck, sondern möchte einfach meine Art des Fußballs spielen und es genießen.“

Das Knie ist okay

Gegen Jena hat er zuletzt eine Halbzeit lang angedeutet, wie das aussehen kann. Technisch versiert, temporeich, mit Zug zum Tor. Das war gegen einen Viertligisten, nun soll in der Bundesliga der nächste Schritt folgen. Bei Werder gibt es die Hoffnung, dass Chong ein Spieler sein könnte, der in engen Momenten den Unterschied ausmacht. Er selbst will seinen Stellenwert nicht überhöhen. Folglich hat er sich auch keine Marge an Toren gesetzt, die er unbedingt erreichen möchte. „Ich brauche solche Ziele nicht. Wenn das Team gewinnt, ich aber kein Tor schieße, bin ich genauso glücklich, als wenn ich getroffen hätte.“

In Jena gab es aber auch diesen einen Moment, der für einen kollektiven Schrecken gesorgt hat. Tahith Chong hatte sich in einer Situation unglücklich am linken Knie verletzt, einige Mitspieler gestikulierten bereits energisch. Es dauerte einen Moment, ehe sich die Lage beruhigt hatte und Chong nicht nur weiterspielen konnte, sondern später auch noch den Treffer zum 2:0-Endstand erzielte. Sein erster überhaupt in einem Profispiel. „Es ist alles wieder gut“, sagte er jetzt. Es bestehe kein Grund zur Sorge. Dabei war diese durchaus berechtigt, denn Chong hat unschöne Erfahrungen mit einer Knieverletzung gemacht. Das Kreuzband im rechten Bein war nämlich in der Vergangenheit schon einmal gerissen, zehn Monate hatte er seinerzeit aussetzen müssen. Eine lange Zeit der Entbehrung.

Hinfallen, aufstehen, weitermachen

Auch deshalb liebt es Chong jetzt umso mehr, einfach auf dem Rasen zu stehen. „Ich genieße es einfach jede Sekunde, Fußball zu spielen. Das ist das Beste, was es gibt“, sagte er. Nun wurde der Angreifer ausgerechnet dabei im Pokal häufiger unterbrochen, lag gleich mehrmals am Boden. Florian Kohfeldt prophezeite bereits: „Er wird sich wahrscheinlich leider daran gewöhnen müssen, dass, wenn man so spielt, man auch eine Menge Fouls kassiert.“ Tahith Chong selbst hat damit keine Probleme. „Ich habe das erwartet“, sagte er. „Wenn du ein Flügelspieler bist und an den Gegenspielern vorbeidribbeln möchtest, dann kann es schon mal passieren, dass du ein paar Tritte abbekommst. Das war überall so, egal wo ich gespielt habe. Wichtig ist, dass du immer wieder aufstehst und es gleich noch mal probierst.“ Was für ihn persönlich gilt, trifft in dieser Saison ganz allgemein auch auf Werder zu. Nach dem Fast-Abstieg will sich die Mannschaft nun aufrappeln und neu angreifen. Mit Tahith Chong. Was danach passiert, steht noch nicht fest. „Für mich ist es sehr schwierig, jetzt über einen Ein- oder Zwei-Jahres-Zeitraum zu sprechen“, sagte er. „Der Fokus liegt erst einmal auf dem Spiel am Sonnabend und der ganzen Saison. Wenn diese vorbei ist, dann können wir uns hinsetzen und schauen, was danach kommt.“

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