Werder hat nach dem Saarbrücken-Debakel Stempel weg Tauglich für die Bundesliga?

Bremen. Die Pokalniederlage beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken lässt die Bedenken wachsen, ob Werder fit ist für die am kommenden Wochenende beginnenden Bundesliga-Saison. Warnende Stimmen gibt es.
06.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Tauglich für die Bundesliga?
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Die Pokalniederlage beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken lässt die Bedenken wachsen, ob Werder fit ist für die am kommenden Wochenende beginnenden Bundesliga-Saison. Warnende Stimmen gibt es.

Clemens Fritz überlegte lange. "Och..." Kratzte sich den blonden Zweitagebart. "Hm..." Sah fragend auf den Fußboden, als könne er da eine Antwort finden. "Ja..." Dabei war die Aussage, für die er die passenden Worte suchte, ganz einfach gestellt: "Es wird erzählt, dass Ihr ein Abstiegskandidat seid." Schließlich entschloss sich Fritz zu einer einfachen Variante der Erwiderung: "Das hab’ ich auch schon gelesen. Aber ist doch klar, dass ich das nicht bestätigen kann."

Nein, bestätigen wollen sie diese schlimmsten Befürchtungen bei Werder lieber nicht. Dass Werder, der stolze Klub, der Champions-League-Teilnehmer, der Pokalsieger und deutsche Meister, der Widerpart der Bayern und der anderen Großen der Liga, der Zweite der ewigen Bundesligatabelle, der Weserwundermacher; dass diesem Werder also plötzlich nicht einmal das minimalste alle Minimalziele, der Klassenerhalt in der Bundesliga, zugetraut wird, das schmerzt und entsetzt die Fans.

Am Sonntag in Saarbrücken hatten die Anhänger auf Besserung gehofft, auf ein Signal für den Aufbruch in die neue Zeit nach dem Ende der Schaaf-Ära. Gerade der DFB-Pokal wäre perfekt gewesen, nach den Pleiten der beiden Vorjahre in Heidenheim und Münster. Doch statt der Läuterung kam alles noch viel schlimmer und mit dem spielerischen Debakel zum Frust die angstmachende Erkenntnis: Es kann in dieser Saison um nicht weniger gehen als die Existenz in der Bundesliga.

Rangnick hinterfragt Spielermaterial

"Die Aufbruchstimmung ist natürlich gedämpft", sagt Robin Dutt. Ihm geht es wie seinem Kapitän Fritz. Natürlich kann weder der eine noch der andere eingestehen, dass Werder in dieser Saison ein Abstiegskandidat sein könnte. Warnende Stimmen gibt es aber nicht erst seit dem vergangenen Wochenende.

Schon während des Trainingslagers in Blankenhain und wenig später beim Trainerkongress in Bremen hatte Ralf Rangnick Bedenken an der grün-weißen Bundesliga-Tauglichkeit geäußert: "Spielen sie aber so weiter wie gegen RB Leipzig, dann wird es nicht einfach. Überzeugend ist etwas anderes", sagte der Red-Bull-Sportdirektor, der den 2:1-Sieg des Drittligisten gegen Werder von der Tribüne aus beobachtet hatte. "Das Team muss sich steigern, das weiß auch Robin." Und: "Es gibt sicher dankbarere Aufgaben als die, die er sich jetzt ausgesucht hat. Aber das weiß er selber." Die Frage sei, "inwieweit das vorhandene Spielermaterial taugt".

In Saarbrücken ist diese Frage in einer Art beantwortet worden, wie sie selbst Pessimisten kaum erwartet hatten. Dieser Werder-Mannschaft fehlte die Ordnung, die Abstimmung, das Umschaltverhalten, die Aggressivität, die spielerische Reife, die Abgeklärtheit, die individuelle Sicherheit, vielleicht auch einfach die Mentalität, sich gegen einen Drittligisten behaupten zu wollen. "Es verschließt ja keiner die Augen vor den Fehlern, die wir in dem Spiel gemacht haben", sagt Clemens Fritz, "wir müssen schnellstmöglich aus dem Spiel lernen."

Wenn Saarbrücken die Rangnicksche Frage nach der Qualität der Spieler negativ beantwortet hat, steht nun Thomas Eichin unter Zugzwang. Der Sportchef hatte zuletzt betont, dass bei Bedarf nach dem Pokalspiel gehandelt werden könne. "Wenn wir dann zur Erkenntnis kommen, wir müssen noch etwas tun, dann ist das so", hatte Eichin gesagt. Das Pokal-Aus jedoch schränkt Werder ein. Denn im Wirtschaftsplan war das Erreichen der zweiten Runde fest eingeplant. "Natürlich fehlt das Geld, keine Frage", sagt Eichin nun, "es macht die Situation nicht einfacher." Ohnehin stellt sich die Frage: Wo anfangen? Denn die Probleme in Saarbrücken begannen ganz hinten und endeten ganz vorne.

Eklatant waren vor allem die individuellen Fehler, ob nun vom italienischen Neuzugang Luca Caldirola, der in eins-zu-eins-Situation überfordert war, ob nun von Schlussmann Sebastian Mielitz in der ersten Halbzeit, der sich slapstick-artige Einlagen erlaubte, ob nun vom erfahrenen Cedrick Makiadi, der durch seine Unentschlossenheit im eigenen Mittelfeld den Gegner regelrecht zu Zweikämpfen aufforderte. Es ist, glaubt man dem verlängerten Arm des Trainers, die wichtigste Stellschraube, an der gedreht werden muss. "Wir müssen", fordert Makiadi, "unsere individuellen Fehler abstellen. Sonst wird es ganz, ganz schwer in der Bundesliga."

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