Werder Bremens Jahresbilanz

Thomas Eichins Prognose

Werders Bremens Sportchef Thomas Eichin sagt: Ein Sieg im Pokal-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach würde für die schwarze Null im Geschäftsjahr 2015/16 schon reichen.
18.11.2015, 00:00
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Thomas Eichins Prognose
Von Olaf Dorow

Werders Bremens Sportchef Thomas Eichin sagt: Ein Sieg im Pokal-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach würde für die schwarze Null im Geschäftsjahr 2015/16 schon reichen.

Werder hat seine Bilanz vorgelegt. Und eine Prognose abgegeben. Die Bilanz war schlecht, weil das vergangene Geschäftsjahr im Sommer mit einem Minus von 5,9 Millionen endete. Vom einstmals üppigen Eigenkapital ist bis auf zwei Millionen Euro nichts mehr da. Die Prognose war hingegen gut. Der Klub kündigte an, dass er das laufende Geschäftsjahr mit einer ausgeglichenen Bilanz abschließen kann. Dass der Abwärtstrend nun endlich gestoppt werden kann. Dass nach vier Dürrejahren endlich Schluss ist mit den Miesen.

Aber zu welchem Preis? Von seiner kostspieligen Strategie mit teurem Stadion, vielfältigem Sportangebot und sozialem Engagement will beziehungsweise kann der Klub nicht abrücken. So wird es vor allem auf eines ankommen, um zu schaffen, dass es demnächst keine neuen Miesen gibt: auf sportlichen Erfolg und eine gute Transferbilanz. „Die meisten Klubs sind nicht unabhängig von Transfererlösen“, sagt Werders Chef des Aufsichtsrates, Marco Bode. Er will einerseits nicht an der Spitze eines Klubs stehen, der nur wie eine Handelsgesellschaft „Spieler kauft und verkauft“. Bode weiß andererseits nur zu gut, „dass man als Klub nicht dauerhaft Verluste erwirtschaften kann“.

Transfer-Überschüsse sind am Fußball-Standort Bremen ein wichtiges Mittel zum Zweck. Oft genug waren sie in der Klubgeschichte der Hauptgrund dafür, dass die Bilanz gut war. Oder wenigstens okay. Oder zumindest: nicht ganz so schlimm. Das jüngste Minus von 5,9 Millionen Euro wäre deutlich höher ausgefallen, wenn RB Leipzig nicht stattliche acht Millionen Euro für Davie Selke überwiesen hätte.

Bodes Wunsch

Muss der Klub also wieder einen – oder gar einige – seiner besten Spieler verkaufen, um die schwarze Null zu erreichen? Muss er nicht, sagt der für den sportlichen Bereich zuständige Geschäftsführer Thomas Eichin. „Wir müssen nicht auf Gedeih und Verderb Spieler verkaufen“, sagt er. In seiner Position verbietet es sich, öffentlich von einer Notwendigkeit zu sprechen, Spieler zu verkaufen. Das wäre nicht gut für die Preise, die er auf dem Transfermarkt erzielen könnte. Im Moment sind solche Notwendigkeiten aber nicht bekannt, auch nicht unausgesprochene. Werder, das derzeit in der Bundesliga-Tabelle auf Rang 14 steht und im DFB-Pokal ein schweres Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach zu bestreiten hat, kann zumindest theoretisch seine Ziele immer noch erreichen.

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Die Ziele hat Klub-Chef Klaus Filbry auf der Jahreshauptversammlung am Montagabend noch einmal benannt: Es soll ein einstelliger Tabellenplatz werden, es soll möglichst bis ins Pokalfinale von Berlin gehen. Thomas Eichin sagte hinterher zum WESER-KURIER: „Die schwarze Null würden wir schon damit erreichen, dass wir ins Pokal-Viertelfinale kommen“ – unabhängig von Transfererlösen. Der DFB vergütet das Viertelfinale mit mehr als einer Million Euro, Werder hätte bei einem Sieg im Achtelfinale in Mönchengladbach allein an Prämien bereits knapp zwei Millionen Euro eingenommen. Zuschauereinnahmen aus nahezu ausverkauften Spielen gegen Köln und in Gladbach kämen hinzu.

„Wir sind im Pokal zuletzt zu oft zu früh ausgeschieden“, sagt Bode. Dabei sei Werder doch jahrelang eine Pokalmannschaft gewesen, er selbst habe doch als Spieler sechsmal im Finale gestanden. Die Einnahmen aus dem Pokalgeschäft seien auch „wirtschaftlich relevant“, sagt Bode.

Wirtschaftlich relevant wird im Laufe dieser Saison so einiges werden. Auch wenn laut Werder im Winter keine großartigen Aktivitäten auf dem Transfermarkt geplant sind. Spätestens im Sommer wird auf dem Markt jede Menge los sein. Dann gehen die Klubs aus der englischen Premier League auf Shopping-Tour. Ausgerüstet mit einem exorbitanten TV-Vertrag, können sich die Klubs von der Insel quasi jeden Spieler leisten, den sie haben wollen.

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Thomas Eichin gibt sich da ganz entspannt. Die Super-Angebote aus England könnten für super Einnahmen sorgen. Im Kader stehen in Jannik Vestergaard oder Anthony Ujah durchaus Profis, deren Profil reizvoll erscheint für die potenten Bieter. Andererseits muss Werder Sorge tragen, immer Spieler in den Kader zu holen, die attraktiv für die potenten Bieter sind oder werden könnten. Es ist anzunehmen, dass solche Spieler durch die Geldschwemme ebenfalls teurer werden.

Hess-Grunewalds Hinweis

Einen neuen Franco Di Santo wird Eichin in England demnächst kaum noch finden. Eichin hatte für den damals vereinslosen argentinischen Stürmer, dessen Vertrag bei Wigan Athletic nicht verlängert wurde, keine Ablösesumme berappen müssen. Und im vergangenen Sommer immerhin sechs Millionen Euro eingenommen, als Di Santo zum FC Schalke wechselte. „Dann muss ich einen neuen Di Santo eben woanders finden als in England“, sagt Eichin.

Für ihn, für seinen Kaderplaner Rouven Schröder, für das Trainerteam um Viktor Skripnik wird es ein schwieriger Balanceakt bleiben: Die schwarze Null soll erreicht werden, ohne dass der Spielerkader schwächer oder unattraktiver wird. Allein mit der Förderung, Entwicklung und Wertsteigerung eigener Talente wird das kaum zu schaffen sein. Auch wenn Werder nicht müde wird, dies als einen der wichtigsten Aspekte seines Weges hervorzuheben.

So besonders ist Bremens Fokus auf den Nachwuchs auch längst nicht mehr. Hubertus Hess-Grunewald, einer der drei Geschäftsführer und gleichzeitig Präsident des SV Werder, wies auf der Jahreshauptversammlung explizit darauf hin. Inzwischen würden von den 36 deutschen Profi-Klubs mehr als 20 – wie Werder – vom DFB drei Sterne für die Qualität ihres Nachwuchs-Leistungszentrums erhalten. Noch vor Kurzem sei höchstens eine Handvoll Klubs so hoch bewertet worden wie Werder. „Es ist definitiv schwieriger geworden“, sagt Hess-Grunewald. Kleine Talente, die mal große Stars werden könnten, werden von mehr Klubs umgarnt als früher. Werders Weg ist am Montag erneut als richtig und alternativlos ausgerufen worden. Ein schwerer Weg bleibt er trotzdem.

SV Werder erhöht die Beiträge

Werder hebt die Beiträge für seine 36.000 Mitglieder an. So zahlen bei den Erwachsenen Vollmitglieder monatlich künftig 14 statt 12 und Fördermitglieder 7 statt 6 Euro. Präsident Hubertus Hess-Grunewald begründete die Erhöhung damit, dass nur so eine ausgeglichene Bilanz des Sportvereins zu erreichen sei. Im abgelaufenen Jahr hatte der Verein 13 Eigentumswohnungen verkauft, um das zu erreichen.

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