Sargents unauffälliges Startelf-Debüt Toptalent auf Tauchstation

Es war DIE Überraschung des Abends gewesen: Erstmals stand Josh Sargent gegen Stuttgart in der Startelf. Ein richtig gelungenes Debüt war es allerdings nicht, der US-Stürmer blieb weitgehend unauffällig.
23.02.2019, 16:24
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Toptalent auf Tauchstation
Von Malte Bürger

Es hätte die Krönung einer richtig schönen Woche werden können. Nicht nur, dass Josh Sargent am vergangenen Mittwoch seinen 19. Geburtstag feierte, reichlich überraschend tauchte er nur zwei Tage später auch noch in der Bremer Startelf auf. Und nicht nur das: US-Nationaltrainer Gregg Berhalter war höchstpersönlich ins Weserstadion gekommen, um den Auftritt des Angreifers zu begutachten. Viel Eigenwerbung betrieb Sargent dann allerdings gegen den VfB Stuttgart nicht, phasenweise tauchte das Talent völlig ab.

Florian Kohfeldt vermied es dennoch nach der Partie, allzu kritisch mit Josh Sargent ins Gericht zu gehen. Stattdessen sagte Werders Coach: „Für sein Startelfdebüt war das völlig in Ordnung. Er hatte wie die gesamte Mannschaft auch nicht diesen einen Moment, in dem du denkst, dass es heute aber läuft.“ Das belegt auch ein Blick auf Sargents statistische Werte: Nicht einen einzigen Torschuss fabrizierte er, auch eine Vorlage gab es nicht. Zudem gewann er gerade einmal 29 Prozent seiner Zweikämpfe. Da hat es schon wesentlich angenehmere Startelf-Debüts gegeben.

Dabei hatte dieser Tag so gut begonnen. Einige Stunden vor dem Spiel hatte Kohfeldt seinen Schützling zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten und ihm die frohe Botschaft überbracht. „Ich habe ihn beim letzten Essen vor dem Spiel zur Seite genommen, damit er es nicht erst beim Umdrehen des Flipcharts sieht“, sagte Kohfeldt. „Ich habe ihm dann einfach nur mit auf den Weg gegeben, dass er unbekümmert sein soll.“

Sargent versuchte, cool zu bleiben

Sargent blieb während dieser Worte ziemlich cool. Zumindest probierte er es. „Er hat krampfhaft versucht, ernst zu bleiben und nicht zu lächeln“, schilderte Kohfeldt schmunzelnd. „Das habe ich ihm schon angemerkt, dass er eigentlich strahlen wollte. Seine Professionalität sagte ihm aber, dass er dem Trainer jetzt ernst zuhören und fokussiert wirken muss.“ Dabei hätte der Coach durchaus Verständnis gehabt, wenn Sargent einen kleinen Jubelsprung vollführt hätte. „Er ist gerade 19 Jahre alt geworden. Da ist doch klar, dass das etwas Besonderes für ihn ist.“

Das wussten natürlich auch seine zum Teil wesentlich älteren Mitspieler. Zusätzliche motivierende Worte gab es dennoch nicht. „Er ist eigentlich ein ruhiger Typ, mit dem muss man nicht viel reden. Er redet auch nicht gerne, deswegen lässt man den mal lieber in Ruhe“, sagte Sebastian Langkamp lachend. „Ich weiß das auch selbst noch aus der Zeit, als ich noch jünger war, dass man früher ist, wenn der eine oder andere erfahrene Spieler mal vorbeikommt – aber auch nicht im Übermaß. Du versuchst dich im Endeffekt nur auf das Spiel zu konzentrieren.“

Klarer Plan mit dem jungen Stürmer

Eben jenes Spiel war für Josh Sargent nach 61 Minuten beendet. Krachend gescheitert war das Experiment nicht, allerdings auch nicht wirklich geglückt. Im Vorfeld hatte Kohfeldt natürlich auf einen anderen Verlauf gehofft, die Aufstellung des Rotschopfes war jedenfalls nicht nur eine Belohnung für gute Trainingsleistungen gewesen. Es gab einen konkreten Plan: „Wir wollten vorne das größtmögliche Tempo und die größtmögliche Eins-gegen-eins-Qualität haben, die wir mit dem Rücken zum Tor haben können – und das ist bei Josh gegeben“, sagte der Bremer Trainer.

Das Nachsehen hatten so Claudio Pizarro und vor allem Johannes Eggestein. Letzterer hatte in den Vorwochen zwei Mal von Beginn an gespielt, nun ging es erst einmal wieder zurück auf die Bank. „Johannes ist eher ein Spieler, der aus der Tiefe kommt. Wir hatten im Vorfeld aber schon erwartet, dass wir gegen einen tiefstehenden Gegner spielen müssen“, sagte Kohfeldt. Da Sargent zudem über eine gewisse Strafraumpräsenz verfüge, war er dieses Mal die erste Wahl. Das Problem: Trotz dieses Wissens gelang es Werder nicht, die Stuttgarter vernünftig und effektiv zu bespielen. Im Gegenteil. Das lag keinesfalls allein an Josh Sargent, aber eben auch. „Er hat, und das ist ja immer meine Basisanforderung, super für die Mannschaft gearbeitet und Räume aufgerissen“, sagte Kohfeldt. „Ich habe immer gesagt, dass das alles Zeit braucht. Das ist völlig okay.“ Und somit versprach er noch: „Es wird mit Sicherheit nicht sein letzter Startelfeinsatz in der Bundesliga gewesen sein.“

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