Die Legende ist zurück

Schaaf soll Werder wieder begeistern

Einen Rollkoffer hinter sich, eine Laptoptasche umgehängt - so ist Thomas Schaaf am Sonntag in Werders Quarantäne-Hotel in Barsinghausen zu seiner besonderen Mission eingetroffen.
16.05.2021, 19:25
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips
Schaaf soll Werder wieder begeistern

Thomas Schaaf ist am Sonntag als frisch beauftragter Interimstrainer im Werder-Quarantäne-Hotel in Barsinghausen eingetroffen. 

Moritz Frankenberg /dpa

Sonntag, 16. Mai, 12.49 Uhr, Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen – es ist ein Moment, der gewiss in die Geschichte des SV Werder Bremen eingehen wird. Denn einer, der schon so viele Geschichten mit dem Bundesligisten geschrieben hat, ist wieder ganz vorne im Club dabei, um die Grün-Weißen unten aus der Tabelle herauszuholen. Thomas Schaaf soll seinen SV Werder vor dem Abstieg retten und hat dafür nur ein Spiel Zeit, vielleicht werden es durch eine Relegation auch drei. Der 60-Jährige ist der Nachfolger von Florian Kohfeldt, dem der Klassenerhalt nach der 0:2-Pleite in Augsburg und den damit verbundenen Sturz auf den Relegationsplatz nicht mehr zugetraut wurde.

Schaaf zieht einen Rollkoffer hinter sich her, hat eine Laptoptasche umgehängt. Passend zu seiner Ankunft in Barsinghausen hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft. Bevor Schaaf in Werders Quarantäne-Hotel geht, wartet er noch auf Wolfgang Rolff. Der alte Weggefährte darf beim Cheftrainer-Comeback nicht fehlen. Mit dem 61-Jährigen hat Schaaf schon erfolgreich bei Werder zusammengearbeitet, dann nahm er den Vize-Weltmeister von 1986 auch mit nach Frankfurt und Hannover. Zuletzt arbeitete Rolff als Coach in Katar. Er trägt genauso Maske wie Schaaf. Beide sind schon im Vorfeld so ausreichend auf Corona getestet worden, dass sie die strengen Kriterien für den Einlass erfüllen, teilt der Verein mit. Ob das ein Hinweis darauf ist, dass das Duo quasi Gewehr bei Fuß stand, lässt Sportchef Frank Baumann offen. Aber nach Informationen der DeichStube war Schaaf schon vor drei Wochen, als Kohfeldt nach der 0:3-Pleite bei Union Berlin vor dem Rauswurf stand, der Topkandidat als Feuerwehrmann.

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Sein Einsatz kommt nun mit Verzögerung. Baumann berichtete, er habe Schaaf am Samstagabend „mit einem gewissen Abstand zum Spiel“ kontaktiert und dessen grundsätzliche Bereitschaft abgeklopft: „Thomas hat sich da noch ein paar Stunden Bedenkzeit erbeten, was ja nur menschlich und professionell ist. Die Frage war ja: Will ich mir das überhaupt antun?“ Die Antwort lautete schließlich: Ja, er will! „Das ist natürlich eine riesige Herausforderung, aber wir haben noch alle Möglichkeiten, um in der Liga zu bleiben. Wir haben nur wenig Zeit, werden aber alles tun, um mit Leidenschaft, Zuversicht und dem Glauben an unsere eigene Stärke in die Partie am Samstag gegen Mönchengladbach zu gehen und am Ende erfolgreich zu sein“, wird Schaaf in einer Pressemitteilung zitiert. Der 60-Jährige wollte am Sonntag erst mal mit der Mannschaft und dem Betreuerstab sprechen, bevor er sich den Fragen der Medien stellt. Das wird nun am Montag passieren.

Baumann erklärte derweil, was er sich von dem Trainerwechsel erwartet. „Alles neu zu machen, wäre jetzt auch nicht das Richtige. Es gibt aber eine Art und Weise, wie man gewisse Dinge einfordert und was man fordert“, sagte der Sportchef, der einst selbst unter Schaaf trainiert und mit ihm 2004 das Double gewonnen hat: „Thomas ist da mit seiner Erfahrung, mit seiner Überzeugungsstärke und Begeisterungsfähigkeit aus unserer Sicht der Richtige. Auch weil er die Mannschaft schon kennt.

Das war aufgrund der Kurzfristigkeit ein wichtiges Argument für Thomas. Er hat die Spiele alle verfolgt, ohne dass er zu nah an der Mannschaft dran war.“
Vor drei Jahren ist Schaaf, nachdem er 2013 als Chefcoach entlassen worden war, zu Werder zurückgekehrt. Als Technischer Direktor. In dieser Funktion ist er vor allem für den Fußball im Nachwuchsleistungszentrum zuständig, kümmert sich aber auch um die Trainerausbildung. Als im Herbst 2019 Björn Dreyer, der Co-Trainer der U 23 verletzt ausfiel, sprang Schaaf ein, stand wieder vermehrt auf dem Trainingsplatz und bei den Spielen sogar an der Seitenlinie, wo er Coach Konrad Fünfstück unterstützte. Der Ex-Profi tauschte sich auch immer mal wieder mit Kohfeldt aus. Genauso wie mit Baumann, wie zuletzt in der Krise. „Thomas hat ja selbst erlebt, was es bewirken kann, wenn ein Verein kontinuierlich mit einem Trainer arbeitet. Er hat gesagt: Solange ihr das Gefühl habt, dass ihr mit Florian das Ziel Klassenerhalt erreichen könnt, müsst ihr mit ihm weitermachen“, berichtete Baumann. Der Glaube an Kohfeldt war weg – und deshalb ist Schaaf wieder da.

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Keiner ist so grün-weiß wie er. Schaaf gewann als Spieler zwei Meisterschaften, zwei Mal den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger mit Werder. Als Trainer holte er sogar drei Mal den Pokal und dazu eine Meisterschaft. Unter ihm war Bremen Dauergast in der Champions League, bis es dann ab 2010 langsam bergab ging. Als 2013 sogar der Klassenerhalt in Gefahr war, musste Schaaf gehen. Das tat weh. Doch nun ist er zurück auf der Trainerbank, wo er – so ist das in der Werder-Familie – auf weitere alte Bekannte treffen wird. Tim Borowski und Christian Vander waren einst seine Spieler und dürfen trotz der Kohfeldt-Entlassung vorerst im Trainerteam bleiben. Genauso wie Danijel Zenkovic.

Was nach der Saison passiert, ist offen. Schaaf soll und will nicht Chefcoach bleiben, heißt es. Sein Vertrag als Technischer Direktor läuft am 30. Juni aus und wurde bislang aufgrund der ungewissen Zukunft des Clubs nicht verlängert. Angeblich soll sich Werder Schaaf nur als Erstligist leisten können, daran ist er nun selbst direkt beteiligt. kni

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