Werders Winter-Transfers auf dem Prüfstand Trio in Teilzeit

Im vergangenen Januar hat Werder mit Milot Rashica, Sebastian Langkamp und Marco Friedl gleich drei neue Spieler verpflichtet – die erste Bilanz fällt bei allen drei Akteuren unterschiedlich aus.
27.02.2018, 19:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Patrick Hoffmann und Marc Hagedorn

154 Minuten haben die Winter-Neuzugänge Milot Rashica, Sebastian Langkamp und Marco Friedl bislang für Werder absolviert. Wohlgemerkt: Nicht jeder für sich, sondern alle drei zusammengerechnet. Das ist in fünf Spielen seit Ende der Transferperiode – vier in der Fußball-Bundesliga, eines im DFB-Pokal – nicht besonders viel. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine erste vorsichtige Zwischenbilanz.

Milot Rashica

Geschätzte sieben Millionen Euro hat Werder an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim überwiesen. Damit ist Rashica einer der teuersten Transfers der Vereinsgeschichte, entsprechend hoch sind die Erwartungen an den 21-Jährigen. Gemessen daran sind die Auftritte des kosovarischen Nationalspielers bislang eher enttäuschend gewesen. Im Ligaspiel gegen Schalke (2:1) stand Rashica nur wenige Tage nach seiner Verpflichtung in der Startelf, ließ in ein, zwei Aktionen auch durchaus sein Talent aufblitzen, wirkte insgesamt aber noch reichlich überfordert mit dem Tempo und der Intensität im Spiel. Auch im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Leverkusen (2:4 nach Verlängerung) durfte Rashica über eine Stunde an ran, blieb aber ebenso blass wie nach seiner Einwechslung in Freiburg (0:1). Gegen Wolfsburg (3:1) und Hamburg (1:0) saß der Flügelstürmer 90 Minuten lang nur auf der Bank.

Die erhoffte Sofortverstärkung ist Rashica also nicht, ein gleichwertiger Ersatz für den bis Saisonende verletzten Fin Bartels erst recht nicht. Soll er aber laut Sportchef Frank Baumann auch (noch) gar nicht sein. „Milots Verpflichtung war schon ein Vorgriff auf den Sommer“, sagt Baumann im Gespräch mit MEIN WERDER. Aber hätte Werder das Geld dann nicht besser in einen gestandenen Profi investieren sollen, zumal sich die Mannschaft noch mittendrin im Abstiegskampf befindet? Zur Not auch per Leihgeschäft, weil gute Stürmer im Winter meist unbezahlbar teuer sind? Baumann wiegelt ab. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, keinen Spieler zu holen, der uns sofort weiterhilft, aber viel Geld gekostet hätte und dann im Sommer wieder weg gewesen wäre“, sagt Werders Sportchef.

Baumann findet auch, dass die ersten Auftritte von Rashica ein bisschen zu kritisch gesehen werden. „Er wird uns schon bald helfen“, glaubt Baumann, „Milot wird in den nächsten Wochen Einsatzzeiten bekommen, davon bin ich überzeugt.“ Generell habe der Neue bislang einen guten Eindruck hinterlassen, findet Baumann. „Er will dazulernen, er bietet sich in jedem Training an. Wir werden über den Sommer hinaus Freude an ihm haben.“

Sebastian Langkamp

Der Innenverteidiger ist für eine Million Euro Ablöse von Hertha BSC nach Bremen gewechselt und nimmt den Platz von Lamine Sané ein, der nach einem Trainingsstreik suspendiert und inzwischen in die USA transferiert worden ist. Langkamp ist (Bundesliga-)erfahren, kopfballstark und ganz offensichtlich ein guter Typ. Für mehr als acht Minuten Einsatzzeit – eine in der Liga gegen Schalke, sieben gegen Leverkusen im Pokal – hat es bislang aber noch nicht gereicht, weil Milos Veljkovic unter Trainer Florian Kohfeldt in der Viererabwehrkette gesetzt ist. „Sebastian ist aber auf gar keinen Fall ein reiner Back-up“, sagt Kohfeldt, „er sollte klare Ambitionen haben, zur Startelf zu gehören.“

Er sehe sich nicht als Option Nummer drei, sagt auch der 30 Jahre alte Langkamp, „ich sehe mich schon in der Lage, dass ich um die ersten Plätze konkurrieren kann“. So oder so: Der ehemalige Junioren-Nationalspieler erhöht den internen Konkurrenzkampf und steht bereit, wenn Veljkovic mal eine Pause benötigen oder in ein Formtief rutschen sollte. Schon allein deshalb ist der Transfer im Winter sinnvoll gewesen.

Marco Friedl

Ein Spiel hat der Verteidiger bereits für Werder absolviert, allerdings in der dritten Liga, für die U 23. Weitere Gastspiele dort sind denkbar, sollen aber nicht zur Regel werden. „Marco wird in der U 23 punktuell zum Einsatz kommen“, sagt Baumann. Eigentlich nämlich soll der 19-Jährige, der bis Sommer 2019 vom FC Bayern ausgeliehen ist, Spielpraxis bei den Profis sammeln. „Grundsätzlich ist er immer ein Thema für den Bundesligakader, er macht das im Training sehr gut“, sagt Baumann. Das Problem ist nur: „Marco hat mit Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson zwei absolute Leistungsträger vor sich.“ Solange beide fit bleiben oder sich keine Sperren einhandeln, dürfte es für Friedl schwer werden, regelmäßig zu spielen.

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