Kommentar zu Selke und RB Leipzig Übergroßer Ehrgeiz

Für seinen neuen Klub RB Leipzig verzichtet Davie Selke im Sommer auf die U20-WM in Neuseeland. Eine fragwürdige Entscheidung, die zeigt, unter welchem Druck das Projekt RB Leipzig steht. Ein Kommentar.
18.05.2015, 14:53
Lesedauer: 1 Min
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Übergroßer Ehrgeiz
Von Andreas Lesch

Es mutet seltsam an, dass der Angreifer Davie Selke bei seinem letzten Spiel für Werder im Weserstadion ausgepfiffen worden ist. Selbstverständlich erwirbt jeder Zuschauer mit seiner Eintrittskarte für ein Bundesligaspiel auch das Recht, schlechte Laune zu haben und sie öffentlich kundzutun. Aber kein Bremer braucht beleidigt zu sein, weil Selke nach dieser Saison zu RB Leipzig wechselt. Denn Werder erhält für das Talent die fürstliche Ablöse von acht Millionen Euro und findet diesen Deal ziemlich gelungen. Nicht nur Selke, der künftig besser verdienen wird als jetzt in Bremen, profitiert also finanziell von dem Transfer, sondern auch sein bisheriger Verein.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob Selkes Wechsel eine gute Idee ist, nun noch einmal in verschärfter Form – und zwar aus Sicht des Spielers. Denn er verzichtet auf Wunsch seines neuen Arbeitgebers auf die Teilnahme an der U20-Weltmeisterschaft in Neuseeland. Das muss man sich mal vorstellen: Selke fehlt allen Ernstes bei einem so wichtigen, so wertvollen internationalen Turnier, um sich ganz in Ruhe auf eine Zweitliga-Saison vorzubereiten. Er, der bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Sommer Torschützenkönig geworden ist und seinem Team zum Titel verholfen hat, darf nun nicht nach dem nächsten Triumph streben – weil ihm sonst angeblich die Regenerationszeit fehlt.

Nur zur Erinnerung: Selke ist kein 33 Jahre alter Weltklasse-Routinier, der eh schon alles gesehen hat und dem nach der zehnten Saison hintereinander mit mehr als 50 Pflichtspielen die Kräfte schwinden. Er ist ein 20 Jahre junges Talent, dem die Erfahrungen einer WM gewiss guttun würden. Frank Wormuth, der Trainer des deutschen Nachwuchsteams, hat soeben betont, das Turnier sei „enorm wichtig für die Entwicklung der jungen Spieler“.

Dass Selke in Neuseeland nicht mitmachen soll, deutet an, unter welchem Druck das Projekt RB Leipzig steht. In dieser Saison hat die Mannschaft den Aufstieg in die erste Liga nicht geschafft, in der nächsten Saison muss er her – um jeden Preis. Das sportliche Fortkommen des Angreifers Selke scheint in dieser Situation weniger zu zählen als der übergroße Ehrgeiz des mit Red-Bull-Millionen gesponserten Vereins und das Ego seiner Chefs.

andreas.lesch@weser-kurier.de

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