Kommentar "Umbruch" als Schutzschild

Bremen. Geht es um Werders schlechte sportliche Lage, hört man von Thomas Schaaf oft die Begriffe "Umbruch" und "Geduld". Unser Redakteur Olaf Dorow kritisiert diese Argumentation und hält sie für zu einfach.
28.02.2013, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Olaf Dorow

Bremen. Im dritten Jahr in Folge droht Werder sein Saisonziel zu verpassen. Thomas Schaaf sagt, das liegt am Umbruch. Er sagt, dass alle über Geduld reden, aber niemand sie haben würde. Außer ihm und einigen wenigen Aufrechten, soll das wohl heißen.

Der Trainer und die Funktionsträger des SV Werder haben die Vokabeln "Umbruch" und "Geduld" in den letzten Monaten so oft ins Feld geführt, dass diese Gefahr laufen, Anwärter fürs Unwort des Jahres zu werden. Woran liegt es, dass viele Fans sie nicht mehr hören können? Dass Ex-Klubchef Born lästert, Ex-Spieler Borowka schimpft oder Ex-Aufsichtsrat Wontorra polemisiert? Ist das nur ein Problem der Fans? Von Born, Borowka, Wontorra? Oder eher doch eines von Schaaf?

Er kennt sich aus mit Umbrüchen. In seinen mittlerweile fast 14 Jahren als Werder-Trainer hat sich die Mannschaft oft rasant gewandelt. Wie eine Art Sisyphos der Bundesliga musste er oft von vorn beginnen und etablierte sein Team dennoch in der Spitzengruppe. Wer ihn fragte, ob er darüber nicht langsam amtsmüde werden würde, bekam als Antwort den Hinweis auf die ständigen Spielerwechsel. Sie hatten Werder selten geschadet.

Jetzt sollen sie schuld sein am sportlichen Tiefflug. Dass neuerdings viele junge und wenig erfahrene Profis auf dem Platz stehen, wurde dabei weder per Gesetz angeordnet noch führt es auf ein Naturereignis zurück. An der Entwicklung, die zu dem Punkt führt, an dem Werder jetzt steht, hat Schaaf maßgeblichen Anteil. Er war der Meister der ständigen Erneuerung. Jetzt soll er Opfer einer Erneuerung sein?

Ob Schaafs Nur-Geduld-Taktik Werder wieder zurück in die Spitzengruppe der Liga führt, lässt sich weder vorhersagen noch ausschließen. Momentan gibt es wenig Anhaltspunkte für eine schnelle Besserung. Der Ist-Zustand ist nicht gut: Viele Gegentore und wenig Beweglichkeit auf dem Transfermarkt. Liegt alles am Umbruch? Mag sein. Aber Schaaf und Werder haben sich selbst in die Situation gebracht, in der sie sich jetzt befinden.

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