Düsseldorf im Gegnercheck

Unbequem, aber verwundbar

Zum Saisonauftakt wartet auf Werder mit Fortuna Düsseldorf ein unbequemer Gegner, dessen Stärken auf Grund der enorm angespannten Personaldecke aber etwas eingeschränkt sind.
16.08.2019, 09:42
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Von Stefan Rommel
Unbequem, aber verwundbar
dpa

Das sind Düsseldorfs Stärken:

Das Düsseldorfer Zauberwort lautet „Kontinuität“, sowohl auf dem Trainerposten als auch in der inhaltlichen Herangehensweise an die verflixte zweite Saison in der Bundesliga. Friedhelm Funkel verfolgt dabei weiter einen konservativen, pragmatischen und sehr zielorientierten Ansatz, der bisweilen etwas langweilig wirken mag - gerade im Hinblick auf die vielen neuen Trainer der Liga mit ihren frischen Ideen. Aber: Funkels Plan brachte die notwendigen Punkte ein und ist deshalb unantastbar.

Funkels Vorgehen erscheint auf den ersten Blick eher manifestiert, er lässt im 4-4-2 oder 4-1-4-1 spielen, vereinzelt auch mit einer Dreierkette verteidigen. Auch die Umstellungen während des Spiels sind eher überschaubar - weil in der Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner offenbar schon sehr vieles richtig gemacht wird. Düsseldorf passt sich dabei doch recht stark den Stärken und Schwächen des Kontrahenten an, wirft die eine oder andere Idee über Bord, um das passende Gegenstück zu entwerfen. Das ist dann wieder sehr flexibel und überhaupt nicht dogmatisch.

Die Fortuna wird sich auch in der neuen Saison sehr über eine defensive Kompaktheit definieren, das recht simple, aber überaus effektive Mittelfeldpressing ist der Standard im Spiel gegen den Ball und Ausgangspunkt vieler Angriffe im Umschaltmoment. Darin war Düsseldorf ein Meister und entpuppte sich als eine der besten Kontermannschaften der Liga, mehr als ein Dutzend Tore erzielte die Fortuna in der letzten Saison nach überfallartigen Angriffen, drei davon allein gegen ein Werder, das in der Konterabsicherung nicht bundesligatauglich war.

Düsseldorf spielt einen sehr direkten Fußball, auch im geordneten Spielaufbau hält sich die Mannschaft nicht mit einer zu langen Ballzirkulation auf, sondern sucht relativ schnell den Weg auf die Flügel, die im 4-4-2 oder 4-1-4-1 mit hohen und sehr breiten Außenverteidigern und den beiden Achtern doppelt besetzt sind. Spieler wie Kenan Karaman oder Rouwen Hennings weichen aus dem Angriff dann gerne aus und stellen die Verbindungen entweder am Flügel oder zu den Sechsern her.

Das sind Düsseldorfs Schwächen:

Der im Grundsatz defensive Ansatz beschränkt die Mannschaft doch sehr oft auf das Kontermuster. Düsseldorf hatte gerade in der letzten Rückrunde auch einige gute Lösungen im geordneten Spielaufbau, konnte den Gegner auch mal ins hohe Pressing locken und dann mit flachen Kombinationen ausspielen.

Aber gerade im Hinblick auf die Partie im Weserstadion und mit dem schwachen Spiel im Pokal in Villingen im Hinterkopf, als sich die Fortuna in eine unangenehme Position brachte und lange zeit keinen Ausweg mehr fand gegen einen Fünftligisten, scheint der Plan doch vorhersehbar: Die Torsicherung dürfte an oberster Stelle stehen, in der Offensive sollen Chancen über Konterangriffe rausgespielt werden.

Die vereinzelten Mannorientierungen im Spiel gegen den Ball können hilfreich sein, machen die Fortuna aber auch verwundbar. Dazu reagiert die Mannschaft auf ein hohes Pressing des Gegners gerne auch risikolos, mit einem langen Ball in die Spitze, in der dann aber die entsprechend groß gewachsenen oder robusten Spieler fehlen, um diese Zuspiele auch festzumachen.

Das derzeit größte Problem dürften aber die vielen erzwungenen Umstellungen sein. Mit Benito Raman und Dodi Lukebakio sind die beiden gefährlichsten Angreifer nicht mehr dabei. Mit Kevin Stöger (Kreuzbandriss) fehlt das Hirn der Mannschaft, dazu fallen mit Michael Rensing und Raphael Wolf die beiden etatmäßigen Torhüter ebenso verletzt aus, wie Zugang und Hoffnungsträger Nana Ampomah. Mittelfeldabräumer Adam Bodzek ist gesperrt.

Funkel muss stark improvisieren und dürfte dabei seiner eher konservativen Linie treu bleiben, was dann hieße: Keine oder kaum Experimente mit Zugängen, stattdessen dürften so viele Spieler wie möglich in der Startelf stehen, die auch schon in der letzten Saison für die Fortuna aktiv waren. Düsseldorf hat in der Vorbereitung ein paar Ausrufezeichen gesetzt, trotzdem muss die Mannschaft nach dem Aderlass erst wieder zueinanderfinden - was der größte Unterschied zur eingespielten Bremer Mannschaft sein dürfte.

Das ist der Schlüsselspieler:

Passarten aller Art in allen großen und kleinen Räumen, Verlagerungen, vertikale Risikopässe, Schnittstellenpässe, Ablagen - dafür steht Kevin Stöger. Der Österreicher wurde im Laufe der letzten Saison zum Unterschiedspieler der Fortuna, einer der Besten in der Liga im zentralen Mittelfeld. Umso mehr schmerzt Stögers Ausfall nun, der unter Umständen erst wieder zur Rückrunde angreifen kann. Für das spielerische Element nicht nur im Umschaltspiel soll ab sofort unter anderem Lewis Baker sorgen. Dem Leihspieler vom FC Chelsea fällt die große Aufgabe zu, die in der vergangenen Saison überraschend starke Offensive der Fortuna anzukurbeln und in einer Mannschaft ohne die ganz große individuelle Qualität auch im Aufbauspiel Ballsicherheit und eine gewisse Pressingresistenz zu verleihen.

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