Werder wacht beim 1:2 zu spät auf Unsanft gelandet in Hannover

Nach drei Siegen in Folge und überzeugenden Leistungen enttäuschte Werder im Spiel bei Hannover 96 über weite Strecken. Nach Toren von Harnik und Klaus konnte Belfodil nur noch auf 1:2 verkürzen.
06.04.2018, 23:21
Lesedauer: 3 Min
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Unsanft gelandet in Hannover
Von Marc Hagedorn

Martin Harnik ging es zuletzt nicht so gut. Zu Beginn der Rückrunde hatte er viel auf der Ersatzbank gesessen. Zuletzt durfte er zwar wieder regelmäßiger von Beginn an spielen, dafür aber glückte ihm nicht viel. Und nun kam Werder, der Klub, bei dem er vor neun Jahren zum Bundesliga-Profi geworden war. Und nach diesem Spiel ging es Harnik wieder richtig gut. Ausgerechnet Harnik, der Ex-Bremer, hatte Werder hart getroffen, nämlich mit seinem Tor zur frühen 1:0-Führung für Hannover. Aber das war nur der Anfang. Als die Partie beendet war, hieß es 2:1 (2:0) für Hannover 96, weil auch Felix Klaus noch getroffen hatte und dem Tor von Ishak Belfodil kein weiterer Bremer Treffer mehr folgte.

Für Werder war das 1:2 die erste Niederlage nach zuletzt drei Siegen in Folge. Das Ergebnis holt Werder damit wieder auf den Boden: Es geht nach wie vor darum, den Klassenerhalt zu sichern, viel mehr wird für Werder in den letzten Wochen dieser Saison nicht mehr drin sein. Nach der Leistung in Hannover auch zurecht.

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Vor dem Spiel war viel von Tendenzen die Rede gewesen. Bei Werder war es zuletzt nur bergauf gegangen, bei Hannover 96 mit fünf Niederlagen in genau die andere Richtung. Am Freitag wurde alles auf den Kopf gestellt. Hannover machte von der ersten Minute an einen unheimlichen Druck, attackierte früh mit seiner Doppelspitze aus Ex-Werderanern, denn neben Harnik stürmte Niclas Füllkrug. Werder behagte das überhaupt nicht. Als die erste halbe Stunde rum war, hatten die 96-Profis 65 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, und als es in die Halbzeit ging, waren die 96-Profis fast fünf Kilometer mehr gelaufen als die Bremer.

Kein Vergleich zu den Vorwochen

Es war ein Bremer Auftritt, der lange Zeit so gar nicht zu den Auftritten der vergangenen Wochen passte. Auf den offensiven Außenpositionen kamen Ishak Belfodil und Florian Kainz, der den Vorzug vor Kapitän Zlatko Junuzovic erhalten hatte, überhaupt nicht zum Zuge. Kein Bremer Offensivspieler hatte eine positive Zweikampfquote. Und auch in der Abwehrarbeit überzeugte Werder ein ums andere Mal nicht. In der Innenverteidigung ersetzte Sebastian Langkamp den gesperrten Abwehrchef Niklas Moisander, hinten links vertrat Marco Friedl den angeschlagenen Ludwig Augustinsson.

Am ersten Gegentor war prompt Langkamp beteiligt. Hannovers Miiko Albornoz konnte auf der linken Seite den Ball unbedrängt in die Mitte geben, wo Harnik eine Fußspitze eher am Ball war als Langkamp – 1:0 für Hannover nach nur 17 Minuten. Es war Harniks siebtes Saisontor und das erste im Jahr 2018.

Werder kam in der Folgezeit nur durch Distanzschüsse zum Abschluss. Nachdem ein Kopfball von Thomas Delaney abgeblockt worden war, setzte Max Kruse den Abpraller aus 16 Metern weit übers Tor, das war eine sehr gute Gelegenheit gewesen (25. Minute). Delaney (28., daneben) und noch einmal Kruse (31., wieder drüber) versuchten es erneut.

Besser machten es die Gastgeber – auch dank großzügiger Bremer Hilfe. Philipp Bargfrede, in den vergangenen Wochen mit konstant starken Leistungen, verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung und in der eigenen Hälfte an Marvin Bakalorz. Einen Doppelpass später lupfte Bakalorz den Ball über Werders Torwart Jiri Pavlenka. Der Ball prallte vom Pfosten zurück, der Abwehrversuch von Milos Veljkovic mit der Hacke misslang, und Felix Klaus traf aus acht Metern ins leere Tor – 2:0 (42.).

Dass ein 0:2-Rückstand zur Pause nicht gleichbedeutend mit einer Niederlage ist, hatte Werder vor ein paar Wochen in Mönchengladbach gezeigt und Anfang März noch ein 2:2 geholt. Florian Kohfeldt wechselte zur zweiten Halbzeit Junuzovic ein, der vor Spielbeginn über leichte Rückenprobleme geklagt hatte und deshalb zunächst draußen geblieben war. Er sollte Werders lahmendes Offensivspiel ankurbeln.

Mit Junuzovic wird's besser

Tatsächlich wurde es besser. Eine abgeblockte Junuzovic-Hereingabe setzte Delaney mit einer Direktabnahme neben das Tor (54.). Nach einer weiteren Aktion, an der Junuzovic beteiligt war, schoss Kruse den Ball in die Arme von 96-Torwart Philipp Tschauner (57.). Gegen Gladbach hatte Werder nach 59 Minuten auf 1:2 verkürzt, diesmal dauerte es bis zur 74. Minute. Eine Hereingabe von Delaney köpfte Belfodil am kurzen Pfosten stehend ein, sein Gegenspieler Josip Elez war zu spät gekommen.

Keine 60 Sekunden später hätte Belfodil dann zum Mann des Abends werden können. Aber diesmal scheiterte er mit seinem Sololauf an Tschauner. Jetzt endlich entfachte Werder Druck, jetzt endlich war das Feuer der Vorwochen zurück. Und dann war da ja noch die Statistik: Elf Gegentore hatte Hannover in dieser Saison schon in der Schlussviertelstunde kassiert.

Kohfeldt brachte nun alles an Offensivkraft, was noch auf der Bank saß. Erst kam Milot Rashica, dann auch noch Johannes Eggestein. Und tatsächlich hatte Werder noch die Chance zum 2:2. Rashica setzte sich in der Nachspielzeit schön über links durch, flankte in die Mitte, aber der aufgerückte Langkamp schoss den Ball aus sechs Metern neben das Tor. Für den Ausgleich reichte es aber nicht mehr. Auch weil Werders Sturm- und Drangphase zu spät kam und auch nicht lange genug andauerte.

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