Werder rutscht auf den letzten Platz ab Unten angekommen

Werder geht als Tabellenletzter in die Länderspielpause. Auch im siebten Anlauf gab es nicht den ersten Saisonsieg. Nach dem 1:1 gegen den SC Freiburg steht auch fest: Werder arbeitet so weiter wie bisher. Trainer Dutt steht nicht zur Diskussion.
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Unten angekommen
Von Marc Hagedorn

Werder geht als Tabellenletzter in die zweiwöchige Länderspielpause. Auch im siebten Anlauf gab es nicht den ersten Saisonsieg. Nach dem 1:1 (1:1) gegen den SC Freiburg steht auch fest: Bei Werder arbeitet man so weiter wie bisher. Der Trainer steht nicht zur Diskussion.

Bei den Bundesliga-Profis wird jeder Pass, jeder Zweikampf, jeder zurückgelegte Meter penibel registriert. Vielleicht sollte man auch die Laufwege der Trainer einmal erfassen. Bei Robin Dutt wäre da am Sonnabend eine anständige Strecke herausgekommen, so intensiv lotete der Werder-Trainer jeden Quadratzentimeter seiner Coaching-Zone aus. Wenn Dutt zeigen wollte, dass er mit vollem Einsatz bei der Sache ist, dann hat er diesen Beweis erbracht. Was ihm jetzt noch fehlt, ist das erste Erfolgserlebnis dieser Saison.

Denn auch gegen den SC Freiburg gab es im siebten Spiel immer noch nicht den ersten Sieg. 1:1 (1:1) trennten sich die beiden Abstiegskandidaten im beinahe ausverkauften Weserstadion. Es war exakt 16.06 Uhr, da rutschte Werder auf den letzten Platz der Bundesliga-Tabelle ab; zum ersten Mal seit Herbst 1998 mitten in einer Saison. In Dortmund hatte in diesem Moment Pierre-Michel Lasogga das 1:0 für den HSV erzielt. Und weil danach weder in Dortmund noch im Weserstadion weitere Tore fielen, geht Werder als Schlusslicht in die zweiwöchige Länderspielpause. „Das ist der Tiefpunkt“, gab Werders Bester, Zlatko Junuzovic, hinterher unumwunden zu.

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Was ist sonst noch zu sagen zu diesem Kellerduell, das ja auch ein ganz spezielles Spiel für Robin Dutt war. Der Werder-Trainer steht in der Kritik, drei Punkte hatte er gefordert, also einen Befreiungsschlag angekündigt, und nun doch nur das nächste, das vierte Unentschieden bekommen. Und jetzt? „Sollen wir uns alle in die Weser stürzen?“, fragte Geschäftsführer Thomas Eichin. Er sei enttäuscht, sagte Eichin. Er sei enttäuscht, sagte auch Dutt. Aber aufgeben? Nein.

„Ich kann alle Sorgen verstehen“, fuhr Eichin fort, „ich habe im Moment auch keine Argumente bei Platz 18. Aber wir werden die Ruhe bewahren. Diese Entscheidung ist jetzt schon gefallen.“ Das heißt, dass es in Bremen erst einmal so weiter geht wie bisher. Mit viel Arbeit, mit vielen Gesprächen. Hoffnung, dass Werder schnell unten wieder rauskommt, hat indes kaum jemand. Als nächstes geht es schließlich zum souveränen Tabellenführer FC Bayern München, danach kommt der 1. FC Köln ins Weserstadion. „Die Situation wird nicht angenehmer“, stellte Junuzovic fest.

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Was gibt es denn Positives zum Bremer Auftritt zu sagen? Werder hatte ein Plus bei den Torschüssen (18:7) und bei den Ecken (10:5). Werder hatte mehr Ballbesitz als Freiburg, Werder gestaltete die Zweikämpfe wenigstens ausgeglichen. Keine Frage: Die Mannschaft bemüht sich, sie versucht alles. Allein: Ihre fußballerischen Mittel scheinen beschränkt zu sein.

Einen Sturmlauf etwa entfachte Werder in der Schlussphase selbst dann nicht, als der Gegner stehend k.o. war. Im Gegenteil: Bei Freiburger Kontern lauerte stets die Gefahr der vierten Niederlage in Folge. So traf Jonathan Schmid bei einer dieser Aktionen mit der größten Chance des gesamten Spiels nur den Pfosten (48.).

Die Bremer versuchten schon früh, so ab der 60. Minute, mit langen und hohen Bällen in die Nähe des Freiburger Strafraums zu kommen. Das Problem: Der erste Ball kam zu selten an, und auch den zweiten Ball, auf den die Bremer immer wieder spekulierten, gewannen sie nicht oft genug, um Freiburg tatsächlich ins Schwimmen zu bringen. Schnelle, direkte Kombinationen sind im Moment von den Grün-Weißen offenbar nicht zu erwarten.

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„Wir betreiben einen hohen Aufwand, aber es fehlt die letzte Konsequenz, um uns zu belohnen“, sagte Eichin. Einsatz, Moral, Bemühen – alles vorhanden. Eine reife Spielanlage dagegen eher nicht. Die Mannschaft wirkte vor allem in der Anfangsphase verunsichert, erst recht, nachdem Kapitän Sebastian Prödl den Elfmeter zum frühen 0:1 verursacht hatte. Es sah danach eine Zeit lang so aus, als hätten einige Spieler große Probleme mit der schwierigen Ausgangslage. „Nervös“ habe man angefangen, sagte Eichin.

Aber es passt ja irgendwie zu dieser Saison, dass Werder nicht gänzlich kleinzukriegen ist. Nach und nach kämpften sich die Gastgeber ins Spiel zurück. Eljero Elia (24.), Franco Di Santo (40.) und der quirlige Fin Bartels (42.) kamen mit ihren Aktionen dem Freiburger Tor immerhin ein paar Mal gefährlich nahe. Später versuchten es Bartels (75.), Junuzovic (82.) und Cedrick Makiadi (84.) aus allen Lagen. Hundertprozentige Chancen waren aber auch das nicht. Und als der Ball dann tatsächlich doch einmal im Freiburger Tor lag, stand der eingewechselte Davie Selke im Abseits. „Vier Remis in sieben Spielen“, sinnierte Werders zuverlässiger Torwart Raphael Wolf, „wir brauchen aber keine Unentschieden, sondern Siege.“ Nur: Gegen wen?

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