Veränderungen im Kader

Agu möchte bei Werder bleiben

Felix Agu wollte Werder verlassen - zumindest wurde ihm das vor einigen Wochen nach dem Abstieg nachgesagt. Ob seine Pläne ernst oder nicht waren, ist nicht klar. Aber klar ist: Agu will bleiben.
04.08.2021, 14:38
Lesedauer: 3 Min
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Von dco
Agu möchte bei Werder bleiben

Felix Agu auf dem Weg vom Parkplatz zur Kabine am Weserstadion.

Andreas Gumz

Fünf Minuten, viel länger dauert es nicht, denn der Weg vom Osnabrücker Stadtteil Wüste bis zum „Sportpark Illoshöhe“ ist kurz. Felix Agu dürfte ihn auch heute noch locker mit geschlossenen Augen finden – schließlich hat die Strecke früher einmal eine zentrale Rolle in seinem Alltag gespielt. Fünf Minuten, immer wieder: Vom Elternhaus zum Trainingsgelände des VfL Osnabrück, wo Agus Reise in den Profifußball einst ihren Anfang nahm. Sehnsuchtsort: Bremer Brücke, das Stadion der Profis, in dem der Verteidiger im April 2018 tatsächlich sein Profidebüt feiern sollte – und in das er nach seinem Abschied 2020 nun erstmals zurückkehrt. Als Gegner. Mit dem SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals (Samstag, 15.30 Uhr).

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„Es wird ein Gänsehaut-Moment sein, dort wieder zu spielen“, sagt Agu, ganz Osnabrücker Junge, auf den sie in der Heimat noch immer sehr stolz sind – und der in dieser Saison nun auch bei Werder endgültig seinen Platz finden will.

Ein Junge aus dem eigenen Nachwuchs, mutig auf dem Platz, bisweilen zwar noch etwas ungestüm, aber mit vielen auffälligen Aktionen – und dann macht der auch noch dieses Tor! Das ist der Stoff, aus dem gemeinhin Publikumslieblinge gemacht werden. 20. April 2019: Im Drittliga-Auswärtsspiel beim VfR Aalen bringt Agu den VfL Osnabrück per Kopf mit 1:0 in Führung und ebnet dadurch den Weg zum vorzeitigen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ein Moment, den der heute 21-Jährige nie mehr vergessen wird und der sogar musikalisch für immer festgehalten wurde. Im Song „Felix Agu“, der nichts weniger als eine Ode an den Fußballer ist, beschreibt es der Osnabrücker Rapper Robin von „dick & dope“ so:

Hab die Haare immer fresh,
schönster Mann hier auf
dem Platz,
und köpf‘ ich mal ein Tor,
jubelt gleich die ganze Stadt

War so. Osnabrück im Freudentaumel, Agu mittendrin. Entsprechend groß dann die Enttäuschung der Fans, als „ihr“ Felix im Sommer 2020 ablösefrei zu Werder wechselt, um den berühmten nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Nach 15 Bundesligaspielen und dem bitteren Abstieg ist Agu nun allerdings doch wieder in der 2. Liga gelandet – und scheint sich damit abgefunden zu haben. Waren ihm vor einigen Wochen noch Wechselabsichten nachgesagt worden, meint Agu jetzt: „Ich gehe davon aus, dass ich weiterhin für Werder spiele.“ Natürlich sei es das Ziel eines jeden Fußballers, in der 1. Liga zu spielen, „aber das kann ich genauso gut auch mit Werder wieder schaffen, wenn wir wieder aufsteigen“. Die große Frage dabei ist nur, welche Rolle Agu bei dieser Mission spielen wird.

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Trainer Markus Anfang hatte den gelernten Außenverteidiger während des Saisonauftakts gegen Hannover 96 (1:1) überraschend als Linksaußen aufgeboten. Ein Experiment, das, sagen wir, eher nicht aufging. „Der Trainer kam relativ früh in der Vorbereitung zu mir und hat gesagt, dass er mich gerne auf der Flügelposition ausprobieren möchte“, berichtet Agu. Nach dem Ausfall von Leonardo Bittencourt (Knieverletzung) kam es dann etwas früher als geplant zum ersten Testlauf. „Mir gefällt die Position“, sagt Agu, der sich im Training nach und nach an die neuen Aufgaben herantastet, denn letztlich könnte ihn auch das zu seinem großen Ziel führen: „Ich möchte in dieser Saison so viel Spielpraxis sammeln, wie es nur geht.“
Nachdem Agu beim 3:2 in Düsseldorf zuletzt nur als Joker zum Einsatz gekommen war, brennt er also umso mehr darauf, vor dem Pokalduell in der alten Heimat in die erste Elf zurückzukehren. „Ich freue mich, mal wieder vor den Osnabrücker Fans zu spielen“, sagt er. Und: „Ich denke mal, dass sie mich in nicht allzu schlechter Erinnerung haben.“ Die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Bei „dick & dope“ heißt es:

Einfach jede schöne Dame,
wünscht sich meine
schönen Haare,
und steh‘ ich in der Startelf,
schreien Tausend meinen
Namen

Gut möglich, dass das am Samstag an der Bremer Brücke auch passiert, obwohl Agu dann das Trikot des Gegners trägt. Seine Familie, der Vater Nigerianer, die Mutter Deutsche, hat er sogar schon zu echten Werder-Fans gemacht, obwohl der Vater früher jahrelang als Fan in der Ostkurve des Osnabrücker Stadions stand. „Die Sympathien meiner Familie werden schon eher bei Werder liegen“, schmunzelt Agu, dem der Rummel um seine Person, gerade vor so einem besonderen Spiel, etwas unangenehm zu sein scheint. Seine zurückhaltende, beinahe schüchterne Art ist ihm jedenfalls auch in Bremen erhalten geblieben und kommt dort genauso gut an, wie einst in Osnabrück. Und sollte Felix Agu auch Werder eines Tages, am besten im Mai 2022, zum Aufstieg köpfen – ein Bremer „Agu-Song“ wäre wohl nur noch eine Frage der Zeit. 

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