Werders Defensive dezimiert Verletzungspech vor dem Gladbach-Spiel

Ob der vom belgischen Verband gesperrte Werder-Neuzugang Sambou Yatabaré am Freitag in Gladbach mitwirken kann, steht noch in den Sternen. Außerdem herrscht nach dem Abschlusstraining personeller Notstand.
04.02.2016, 00:00
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Verletzungspech vor dem Gladbach-Spiel
Von Thorsten Waterkamp

Ob der vom belgischen Verband gesperrte Werder-Neuzugang Sambou Yatabaré am Freitag in Gladbach mitwirken kann, steht noch in den Sternen. Außerdem herrscht nach dem Abschlusstraining personeller Notstand.

Erst das Transfer-Theater um Sambou Yatabaré, dann personeller Notstand nach dem Abschlusstraining: Für Thomas Eichin und Viktor Skripnik ist dieser Donnerstag ein Tag gewesen, an dem sich die Welt gegen Werder verschworen zu haben schien. So gab es bis in den Abend hinein kein Licht im Dunkel, ob der vom belgischen Verband gesperrte Yatabaré an diesem Freitag für Werder spielberechtigt ist oder nicht. Ärgerlich genug – doch der Ausfall von drei weiteren Profis im ohnehin ersatzgeschwächten Bremer Kader setzte noch einen drauf. Vor dem Abendspiel bei Borussia Mönchengladbach herrscht Alarmstimmung, vor allem in der Defensive. Weshalb Eichin feststellte, wie ungelegen die Ungewissheit um Yatabaré kommt: „Jetzt könnten wir ihn gut gebrauchen.“

Ulisses Garcia war der erste, der noch vor dem Abschlusstraining passen musste. Ausgerechnet der junge Schweizer, dürfte Trainer Skripnik geseufzt haben. Denn der 20-Jährige sollte eigentlich den gelb-gesperrten Santiago Garcia als Linksverteidiger vertreten – und zwar als Ersatz-Ersatzmann, weil seit Belek schon Ersatzmann Janek Sternberg (Bänderanriss im Sprunggelenk) verletzt fehlt. Mit weiteren Alternativen ist es nicht weit her: Es gibt im Profi-Kader noch genau eine (!) weitere Kraft für die Position: Leon Guwara. Der hat aber noch nie ein Bundesligaspiel gemacht, trainiert sogar erst seit Belek mit den Profis – und hat just, nach einem Bänderriss im Sprunggelenk, eine knapp zweiwöchige Verletzungspause beendet. Ob das für 90 Minuten reicht, darf maximal bezweifelt werden.

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So weit, so schlecht. Doch als das Training beendet war, meldeten sich zwei weitere Spieler ab. Nummer eins: Alejandro Gálvez, der sich – jetzt wird’s kurios – vor 14 Tagen parallel zu Guwara wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk in die Reha verabschiedet hatte. Nummer zwei: Florian Grillitsch, der seine Prellung im Fuß nur fürs Training notdürftig medikamentös betäuben konnte – fürs Spiel reicht’s nicht.

Weil in der Defensive ohnehin auch der langzeitverletzte Philipp Bargfrede fehlt, wäre Yatabaré – eigens als Bargfrede-Ersatz verpflichtet – eine dankbare Option für Skripnik. Aber Werder ist vorsichtig: Der Malier soll nur eingesetzt werden, wenn ein verlässliches Urteil über seine Spielberechtigung vorliegt. Damit jedoch tun sich DFB und Fifa schwer, Eichin spricht deshalb von einem „Eiertanz“ der Verbände.

Tatsächlich will sich niemand festlegen – weder im deutschen Verband noch beim Weltverband. Denn der Fall Yatabaré offenbart eine Lücke im Fifa-Reglement – er ist in den Regularien schlichtweg nicht vorgesehen. „Ein Sonderfall“, hat auch Eichin festgestellt.

Lücke im Fifa-Reglement

Bei einem Wechsel müssen vom abgebenden Nationalverband ausgesprochene Sperren in das Transferabgleichungssystem TMS eingetragen werden. Damit erkennt der aufnehmende Verein, ob sein Neuzugang noch eine Sperre verbüßen muss. Yatabarés Sperre aber war am Tag des Transfers (28. Januar) noch gar nicht ausgesprochen und konnte demzufolge gar nicht eingetragen werden – es war vom belgischen Verband KBVB lediglich die Verhandlung am 2. Februar terminiert.

Über diesen Termin berichteten belgische Medien zwar schon am 25. Januar. „Bei uns wusste aber keiner davon“, sagt Eichin. Allerdings dürfte der ein oder andere Verhandlungspartner Eichins, zum Beispiel Yatabarés Berater, von dem Termin Kenntnis gehabt haben. Unerheblich, findet Werders Sportchef: „Unsere Aufgabe ist es, mit Verbänden zu arbeiten.“ Soll heißen: Deren Informationen sind verbindlich. Immerhin: Eichin hat recht, wenn er sagt, der Spieler sei „gegen Hertha spielberechtigt“ gewesen. Die Freigabe über TMS lag an jenem 30. Januar vor, das Urteil im Verfahren war noch nicht gesprochen.

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Eichin erging es wie unserer Redaktion: Auch er erhielt keine klare Auskunft und ist deshalb sauer auf die Verbände. Selbst für diesen Freitag rechnet er nicht undingt mit einer Entscheidung. Sollte die Fifa die Sperre aus Belgien bestätigen, will Eichin Einspruch beim Weltverband einlegen. Für die Partie in Gladbach will Werder im Zweifel auf Yatabaré verzichten. „Es könnte sein, dass wir ihn einsetzen und die Fifa anschließend die Sperre bestätigt“, befürchtet Eichin. Ein möglicher Bremer Erfolg in Gladbach wäre dann anfechtbar.

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